Exklusiv: Schauspieler Nikolas Jürgens über VIRUS UNDEAD

Verfasst von am 27.07.2008 um 00:00

"Eins war mir von vorneherein klar: Ich habe es mit zwei Besessenen zu tun!


Schauspieler Nikolas Jürgens über VIRUS UNDEAD




Wie kamst du zum Spielfilmprojekt "Virus Undead"?

Das war ein etwas ungewöhnlicher Weg. Ich habe Wolf Wolff beim Wave Gothik Treffen in Leipzig kennen gelernt, wo ich Seite an Seite mit ihm als Kameramann gearbeitet habe. Erst zum Ende der Tage kamen wir zu einem persönlichen Gespräch. Als ich ihm erzählte, dass ich auch als Schauspieler arbeite, begannen seine Augen zu leuchten und er erzählte mir von seinem Vorhaben. Zugegebenermaßen war ich anfangs etwas irritiert, das Projekt erschien mir größenwahnsinnig, mein dazukommen wahllos. Zurück in Berlin hatte ich das Drehbuch gelesen und lernte Ohmuthi kennen. Letztlich hat mich die unumstößliche Überzeugung der Beiden mitgerissen, außerdem gefiel mir die Rolle des Eugen auf Anhieb.

Was war das intensivste Erlebnis bei den Dreharbeiten?

Die Dreharbeiten waren insgesamt sehr anstrengend und intensiv. Unser Hauptmotiv war eine verlassene Villa am Rande Berlins, die in der Nacht schon ihr ganz eigenes Flair hatte. Zusammen mit der großartigen Lichtsetzung von Heiko Rahnenführer konnte man das Grauen förmlich spüren. Für mich als Schauspieler waren die Szenen besonders intensiv, in denen Eugen einen Drogenrausch erlebt. Hier konnte ich den sonst so gefassten Charakter entfesseln, die Gefühle in der beklemmenden Umgebung voll auf mich wirken lassen und spielerisch verarbeiten.

Welche Herausforderungen hatte die Rolle des „Eugen“ für dich?

Eugen ist ein sehr zurückgezogener Charakter, ein Außenseiter, der seine Gefühle unterdrückt. Sein latentes Minderwertigkeitsgefühl kompensiert er durch Fleiß und Strenge. Unterschwellig wartet er auf den Moment, der Welt sein Genie zu beweisen. Die Herausforderung bestand vor allem darin, die vielen Facetten der Figur darzustellen, obwohl sie nie direkt zur Oberfläche gelangen. Die Gefühle sozusagen zu spüren und gleichzeitig zu unterdrücken, und nur subtil, in Reaktionen und Körperspannung, durchscheinen zu lassen. Ich fand die Anlage der Figur im Drehbuch sehr gut und konnte relativ schnell persönlichen Bezug herstellen, den langsam einsetzenden Wandel von Eugen gut nachempfinden.

Wie war es mit einen Regieduo wie Wolf Wolff und Ohmuthi zu arbeiten?

Eins war mir von vorneherein klar: Ich habe es mit zwei Besessenen zu tun! Es gehört verdammt viel Energie und Ausdauer dazu, so ein großes Projekt mit so wenig Geld zu realisieren. Die Beiden sind, trotz aller Schwierigkeiten, mit stoischer Zielstrebigkeit bei der Sache geblieben, haben das Team mit scheinbarer Leichtigkeit durch die Nächte geführt. Mein großer Respekt. Die Rolle des Eugen hatte ich mit Wolf im Vorfeld sehr genau durchgesprochen, am Set hat er mir dann viele Freiheiten gelassen.

Es ist sehr Ungewöhnlich einen deutschen Genrefilm in Englisch zu drehen, wie kamst du mit der fremden Sprache zu recht?

Die Entscheidung, den Film auf Englisch zu drehen, kam für uns Schauspieler relativ kurzfristig. Gerade für die oft sehr ausformulierten und wissenschaftlichen Textstellen des Eugen hätte ich gerne mehr Vorbereitungszeit gehabt. Obwohl ich ein Jahr in den USA gelebt habe und mein Englisch recht gut ist, hat es einige Arbeit gekostet, den Text hinter die intuitiven Emotionen einer Szene zu stellen, was in der Muttersprache eher beiläufig passiert. Im Endeffekt aber passt mein leichter deutscher Akzent ganz gut auf die Rolle des Eugen.

Wie lange hast du mit dem Anlegen der Masken verbracht?

Meine aufwendigste Maske hat etwa 6-7 Stunden gedauert, das aber auch nur mit zwei Maskenbildnern gleichzeitig. Unglaublich, mit welcher Präzision die Leute von TC-Effects das gemacht haben. Ich konnte im Spiegel nicht ausmachen, was meine eigene Haut und was Silikonaufsatz war. Dazu habe ich noch spezielle Kontaktlinsen bekommen, mit denen ich im Wald nur sehr schlecht sehen konnte. Ich musste meine Anspielpartnerin bitten, ein weißes Handtuch zu tragen, damit ich ihre Position wusste. Die Arbeit von TC hat mich schwer beeindruckt, zumal sie die ganzen Charaktere auch selbst entworfen haben.

Was hältst du von neuem deutschem Film?

Mir gefallen oft Filme, die Neues wagen, was man wohl häufiger bei Independentproduktionen findet. Spontan fällt mir Halbe Treppe oder Das Weiße Rauschen ein. Größere Produktionen wie Lola Rennt oder Gegen Die Wand fand ich aber auch sehr erfrischend für den deutschen Film.

Bist du nun mehr Schauspieler oder mehr Kameramann?

Ich bin wohl eher Schauspieler, jedenfalls zahle ich davon meine Miete. Ich finde aber gerade die Verbindung sehr spannend und bereichernd. Als Schauspieler habe ich ein gutes technisches Verständnis, verstehe die Abläufe und technischen Intentionen. Wenn ich als Kameraassistent arbeite, kann ich mir von unterschiedlichsten Kollegen viel abschauen, bekomme aber auch ein gutes Gefühl für die Gesamtinszenierung.

Würdest du auch weiterhin bei Filmen wie "Virus Undead" mitspielen?

Horror hat mir viel Spaß gemacht. Angst steckt in jedem von uns, um sie zum Leben zu erwecken braucht es eine psychologische Auseinandersetzung, was sehr vielschichtig werden kann. Das gefällt mir sehr gut und ich würde gerne weiter in diese Richtung gehen. Was die Produktionsumstände angeht, so war Virus ein wahrer Grenzgang. So wenig Geld zu haben, bedeutet ein Kraftakt bis ins kleinste Detail, was natürlich die Arbeit für alle erschwert. Ich finde gerade Horrorfilme sehr fördernswert und hoffe, daran noch mal Teil haben zu dürfen.

Wie sieht deine Zukunft als Schauspieler aus?

Ich tingel zu verschiedenen Castings, drehe hier und da eine Serienfolge. Ich bin sehr zuversichtlich.

Das Interview führte Peter Eggersglüss.



Quelle: Waolf Wolff