THHE 2 und Rohtenburg - Martin Weisz im Interview

Verfasst von am 10.02.2008 um 00:00

"Ja, eine Sache, die glaube ich von vielen Fans und Kritikern immer wieder falsch verstanden wird, ist der Fakt, dass man als junger einsteigender Regisseur kaum mit dem Endresultat eines Films etwas zu tun hat"


Ein Interview mit dem Rohtenburg (Grimm Love) und The Hills Have Eyes 2 Regisseur Martin Weisz




Es gibt viele Regisseure, die direkt aus der Musikbranche kommen und so auch einfach das bessere Auge für den perfekten Schnitt haben (meine Meinung). So auch Martin Weisz, der für Künstler wie SOiL, Korn, Puff Daddy, Ill Nino, Nickelback, Meat loaf und noch weiteren berühmte Bands die Clips produziert hat. Auch Porsche und Butweiser ließen es sich nicht nehmen und engagierten den zielstrebigen Regisseur. 2006 sollte dann eigentlich der Film Rohtenburg (Grimm Love) in die Lichtspielhäuser kommen, der die Geschichte eines Kannibalen näher beleuchtet. Aufgrund der Thematik fühlte sich die betroffene Person in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt, klagte und bekam eine einstweilige Verfügung, die besagt, dass der Film in Deutschland nie das Tageslicht erblicken darf (der Film wurde in anderen Ländern ein Erfolg). 2007 brachte Weisz einen weitern Spielfilm raus, die Fortsetzung zu Alexandre Ajas The Hills Have Eyes, der bei einem Budget von 15 Millionen Dollar mehr als das Vierfache einspielte. Jetzt, einige Zeit später, konnte DVD-Forum.at ein Interview mit Martin Weisz durchführen, in dem noch mal über die Produktionen geplaudert wurde und wie es mit weiteren Projekten aussieht.


Viel Spaß beim Lesen.





DVD-Forum.at: Musikvideos oder Spielfilme?

Martin Weisz: Ich drehe beides gerne. Es sind einfach total unterschiedliche Sachen, aber beide sehr reizvoll in ihrem eigenen Element. Bei den Musikvideos dreht man im Durchschnitt 1-2 Tage und hat vielleicht eine Woche Vorbereitung, man hat kreativ mehr Freiraum und schreibt sein eigenes Skript. Beim Spielfilm arbeitet man meistens ein Jahr an einem Projekt und ist mehr in die Story eingebunden, was ein komplett anderer Ablauf ist und wo es ganz andere Schwerpunkte gibt. Meistens freue ich mich nach einem Spielfilm, endlich wieder einen kurzzeitigen Job zu machen, wie ein Video zu drehen und dann nach 3 Videos will ich endlich wieder einen Spielfilm drehen.


D: Für ihren Film Rohtenburg (Grimm Love) wurden sie auf den verschiedensten Filmfestivals ausgezeichnet, unter anderem als bester Regisseur auf dem Puchon International Fantastic Film Festival und dem Sitges - Catalonian International Film Festival. Haben sie mit so einem großen Erfolg gerechnet?

M: Nein, überhaupt nicht. Der Film war als reiner Arthouse-Film gedacht und nach dem deutschen Verriss in der Presse (wobei ich mich immer noch wundere, wo die den Film gesehen haben) dachte ich eigentlich, dass der Film auch auf den Festivals keine Chance haben wird. Es war natürlich eine angenehme Überraschung, dass der Film außerhalb Deutschlands sehr gut ankam.

D: Um kurz bei dem Film Rohtenburg zu bleiben: Es ist ja immer eine heikle Sache, wenn man das Thema der menschlichen Abgründe aufgreift, die auf realen Dingen basieren. War es die richtige Entscheidung, bei dieser Produktion Regie zu führen und würden sie sich jederzeit wieder für den Film entscheiden?

M: Schwierige Frage. Das Drehbuch war super als ich das Projekt gestartet habe, dann wurden ohne Ende Änderungen an dem Skript vorgenommen und schließlich nach den Presseproblemen mehr und mehr Änderungen an dem Schnitt. Letztendlich ist der nun sehbare Film kaum noch mit dem originalen Konzept und Skript vergleichbar.

Würde ich den Film so wie er jetzt da steht noch einmal drehen - nein, ich glaube nicht.

Würde ich wieder an einem Projekt, wie dem damaligen ersten Skript, interessiert sein - ja, auf jeden Fall.


D: Was halten sie von Alexandre Ajas The Hills Have Eyes im Vergleich zum Original von
Wes Craven?

M: Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ajas Film ist für mich einfach eine viel härtere Umsetzung und natürlich damit auch zeitgemäßer. Außerdem ist er der heutigen Zeit und Bildsprache entsprechend und damit für mich (der in dieser Bildsprache groß geworden ist) der bessere Film.

D: Auch bei dem zweiten Teil von 1985 führte Wes Craven Regie. Haben sie sich von Craven auf irgendeine Art inspirieren lassen und dies mit in The Hills Have Eyes II eingebracht?

M: Nein, ursprünglich nicht wirklich. Niemand mochte den originalen THHE 2, nicht einmal Wes. Deswegen sollte das Skript und der Film eigentlich überhaupt nichts mit dem Original zu tun haben.

D: Waren Wes und Jonathan Craven, die das Drehbuch verfasst hatten, eine große Unterstützung am Set?

M: Jonathan war von Anfang an dabei und war sehr hilfreich. Wir haben täglich irgendwelche Änderung gemacht und Sachen addiert oder gestrichen. Wes war eigentlich nur in den letzten 2 Wochen dabei und nicht wirklich hilfreich. Ich denke, dass er eigentlich lieber selbst Regie geführt hätte und letztendlich leider auch im Schnitt versucht hat, es meistens auf seine Art und Weise umzuändern.

D: Nicotero & Berger EFX Group Inc. lieferten 2006 schon die Special Make-up Effekts zum The Hills Have Eyes. Vereinfachte dies die Zusammenarbeit am Set?

M: Ja, sehr sogar. Sie kannten die Story und wussten, was die Bestandteile der Mutanten im Groben waren. Eine klasse Crew und eine der härtesten arbeitenden Departments.

D: Es ist ja schon einige Monate her, dass The Hills Have Eyes II in den Kinos lief. Waren sie mit dem Ergebnis zufrieden?

M: Ja, das Ergebnis hatte mich schon gewundert. Ich war ehrlich gesagt mit dem Release Cut überhaupt nicht zufrieden. Der Film ist mehr und mehr von Wes abgeändert und umgeschnitten worden, sodass ich überhaupt nicht mit einem finanziellen Erfolg gerechnet hatte. Wir produzierten einen guten Film, der durch so viele Hände verwässert und geändert worden ist, dass ich dachte, er würde finanziell floppen. Ich hätte nie gedacht, dass der Film mittlerweile 65 Millionen weltweit einspielen würde.

D: Wie sieht es mit einem dritten Teil aus, gibt es da schon irgendwelche Ideen und Planungen?

M: Nein, glaube nicht, aber ich hätte auch keinerlei Interesse einen weiteren Teil zu machen.

D: Rohtenburg ist ja eine deutsche Produktion von Atlantic Streamline, The Hills Have Eyes II eine amerikanische von Craven-Maddalena Films und 20th Century Fox. Wo macht es mehr Spaß und worin liegen die Vorteile im Vergleich zwischen Amerika und Deutschland?

M: Beide machen Spaß. Das Arbeiten mit einer kleinen, deutschen Independent Produktion hat natürlich gewisse kreative Vorteile, aber selbst dort muss man immer alle Änderungen der Produzenten umsetzen, da diese letztendlich den Final Cut haben. Das Gleiche natürlich bei einer Studio Produktion, nur das dort mehr Geld in einem Projekt steckt und somit auch mehr Personen die mitzureden haben. Bei THHE 2 war das Studio eigentlich super unterstützend und hat einen eigentlich in Ruhe gelassen, während alle Produzenten und Wes täglich Änderungen und Diskussionen hatten.

D: Welches Genre bevorzugen sie? (Vielleicht ein paar aktuelle Beispiele)

M: Ich bin ein großer Scifi und Dark Psychological Thriller Fan, natürlich auch guter Horror. Aktuell fand ich "Sunshine" als Scifi-Film sehr gut, guter Horror war leider im letzten Jahr sehr dürftig.

D: In Deutschland spitzt sich das Thema der Einstufung von Filmen immer mehr zu. Was halten sie von diesen Maßnahmen und sollen Filme wirklich geschnitten oder sogar aufgrund der Brutalität verboten werden?

M: Natürlich ist eine Altersbegrenzung sehr wichtig. Ich finde es richtig, das 12-Jährige nicht in brutale Horrorfilme dürfen. Aber natürlich bin ich auch gegen Zensierung. Filme, auch wenn hart oder brutal, gehören mit in unser Repertoire und haben einen Sinn, wenn richtig gemacht. Nur sollen sie natürlich nicht von Kindern gesehen werden, sondern mit der richtigen Altersbegrenzung. Geändert oder umgeschnitten für andere Altersfreigaben halte ich für komplett falsch und es zeigt wieder, dass es nur darum geht, mit einer niedrigeren Altersbegrenzung mehr Geld zu verdienen.

D: Ein neues Jahr hat begonnen. Können sie uns vielleicht schon verraten, ob etwas zurzeit in Planung ist und vielleicht wenn, erste Details geben?

M: Ja, ich arbeite momentan an 3 sehr interessanten Filmen. Ein Psycho-Thriller, den wir gerade casten, ein sehr visueller und hochwertiger Psycho-Horrorfilm und ein sehr dunkler World War 2 Thriller.

D: Vielleicht noch etwas zum Schluss, dass sie allen Fans oder vielleicht auch Kritikern sagen wollen?

M: Ja, eine Sache, die glaube ich von vielen Fans und Kritikern immer wieder falsch verstanden wird, ist der Fakt, dass man als junger einsteigender Regisseur kaum mit dem Endresultat eines Films etwas zu tun hat. Heutzutage schneiden Studios und Produzenten Filme links und rechts, um ohne jegliche Rücksicht auf Storyline und künstlerische Integrität zu nehmen. Sämtliche Fans beschweren sich über viele Sachen immer bei den Regisseuren, wenn wirklich die meisten Anmerkungen nicht vom Regisseur verursacht werden. Fans würden sich wundern wer, wann, welche Entscheidung fällt und wer zu entscheiden hat. Manchmal sehe ich meine Filme und denke, wer bestimmte Szenen und Dialogänderungen eigentlich verbockt hat. Ich glaube, dass ich vielleicht in 3 oder 4 weiteren Filmen endlich das auf die Leinwand bringen kann, was ich wirklich gedreht habe.



Quelle: DVD-Forum.at