Interview mit Bettina Blümner zu ihrem Film PRINZESSINNENBAD

Verfasst von am 21.10.2007 um 00:00

Auf einer Augenhöhe... Regisseurin Bettina Blümner im Gespräch



Bettina Blümner ist mit ihrem ersten Langspielfilm, der Dokumentation „Prinzessinnenbad“ auf der VIENNALE 2007 vertreten. Das flippe Portrait dreier 15-jähriger Mädchen aus Berlin erfreut sich sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik großer Beliebtheit. DVD-Forum.at traf die Regisseurin zum Interview:


Wo sind die „Prinzessinnen“?

Wir hatten gerade ein Screening im Künstlerhaus, gleich ist noch eines, und die sind jetzt etwas essen gegangen. Sie haben keine Lust mehr auf Interviews und reisen auch gleich wieder ab.


Sind sie nicht so Wien-begeistert?

Doch total, aber die finden es spannender, im Hotel zu bleiben und die Minibar zu knacken anstatt Interviews zu geben.


Wie ist das bei dir?

lacht Hehe… tschüß! Nein, ich mache das gerne.


Aber du bleibst noch länger in Wien, oder?

Nein, ich bleibe nur noch bis morgen. Ich war ja schon einmal hier, vor ein paar Jahren im Winter und habe somit die Sightseeing Tour schon hinter mich gebracht.


Du kannst dich also jetzt voll und ganz auf die Kinos konzentrieren. Du warst gestern im Gartenbaukino, heute im Künstlerhaus – welches der beiden Kinos gefällt dir besser?

Die sind beide toll. Ich war gerade so beeindruckt vom Kinosaal im Künstlerhaus – ein schönes, altes Kino. Das Gartenbaukino fand ich auch toll – es ist so groß, und toll und ausverkauft – die Stimmung war toll!


’Bettina Blümner, 1975, Düsseldorf’ – das hat meine Imdb-Recherche heute ergeben. Was ist seither passiert?

Nichts lacht. Was kann ich erzählen… Nach dem Abitur habe ich eine Fotografenausbildung gemacht und dann Regie studiert in Ludwigsburg an der Filmhochschule. Prinzessinnenbad ist mein erster Langspielfilm nach der Filmhochschule.


Dein letzter Film war ein Portrait einer Künstlerin…

Ja, das habe ich gemacht, weil ich auf die Finanzierung von Prinzessinnenbad warten musste – eigentlich war ich schon mitten in diesem Projekt. Das hat Anfangs noch nicht so ganz funktioniert, eigentlich wollte ich den Film schon 2005 drehen. Deswegen habe ich zwischendurch dieses Portrait über Pia Dehne, eine deutsche Künstlerin, die nach New York ausgewandert ist, gemacht.


Du wolltest Prinzessinnenbad schon 2005 drehen – dann doch wohl aber mit anderen Darstellern?

Nein, schon mit denselben. Die erste Szene des Films, in der die Mädchen im Freibad liegen mit Johnny, ist 2005 entstanden. Die Hauptdreharbeiten waren aber 2006, weil ich zuerst eine Absage von den Förderungen bekommen habe.


Wie kamst du auf die Idee des Films?

Zuerst mal gibt es natürlich den Ort, das Prinzenbad in Kreuzberg, das ich total schätze und auch gerne hingehe. Es ist im Sommer auch richtig voll. Das war die Ausgangsidee. Zuerst habe ich überlegt, etwas über die Bademeister zu machen, aber das hat mich dann nicht so interessiert. Eigentlich war es von Anfang an klar, dass es kein Film über die Bademeister werden würde – es gibt halt zu Beginn die eine Szene, wo er die Wetteransage macht. Also habe ich im Winter 2004/05 nach Jugendlichen gesucht, die im Sommer ins Bad gehen. Ich habe Klara durch einen Freund kennen gelernt der wiederum jemanden kannte, der neben ihr in der Schule saß. Der Junge hat in seiner Klasse gefragt, ob nicht jemand Lust hätte, bei einem Filmprojekt mitzumachen. Klara hat sich gemeldet, ich bin mit ihr dann auf einen Kaffee gegangen, wir haben uns kennen gelernt, sie mir ihre Freundinnen vorgestellt und so hat sich das dann alles ergeben.


Die Mädels sind 15 Jahre alt – du bist ja nun nicht mehr 15. Wie war es eigentlich, immer mit der Kamera mit zu laufen?

Es ist ja mehr als das – Fragen stellen und vorbereiten und so… Aber ich fand die drei schon sehr stark und habe bereits beim ersten Treffen viel von ihrer Poesie und ihrem Wortwitz gemerkt – und gleichzeitig auch von der Härte in ihrer Sprache. Das hat mir gefallen. Es war mir wichtig, ihnen auf einer Augenhöhe zu begegnen.


Und sie sind dir auch immer auf einer Augenhöhe begegnet? Es scheint ja so, dass sie eine sehr starke Clique sind. Haben sie dich quasi als „eine der ihren“ aufgenommen oder bliebst du die von außen?

Ich war auf jeden Fall immer die von außen. Wir schätzen und mögen uns, ja. Aber es gab auch Auseinandersetzungen, weil sie zum Beispiel oft keinen Bock hatten oder nicht zum Dreh erschienen sind. Das Projekt hat halt jetzt zwei Jahre gedauert. Ich wusste schon oft, welche Szenen ich brauchte und konnte sie dann nicht drehen, weil sie keine Lust hatten oder Pause haben wollten. Es waren oft zwischen einzelnen Drehtagen wochenlange Pausen. So war es schon ein ganz schöner Kampf, all das zu Ende zu bringen und sie zu motivieren. Weil am Anfang hat man zwei, drei Mal Lust, denkt sich, man wird berühmt und so weiter und dann merkt man doch, dass Dokumentarfilm schwere Arbeit ist, die viel von einem abverlangt, oder man über Dinge reden muss, die einen zu dem Zeitpunkt gar nicht interessieren.


Du hast ja auch bei einigen Party-Szenen mitgedreht. Ging das einfach so locker vom Hocker von statten?

So spontan geht das alles nicht – ein Drehtag hat oft drei oder vier Vorbereitungstreffen gebraucht. Ich habe auch sehr viel Energie darauf verwendet, zu wissen, was bei denen gerade passiert, weil sie rufen nie an und sagen, was sie machen. Als Regisseur – oder ging es nur mir so – musst du den Leuten gewissermaßen hinterher rennen. Klara hat ja dieses Praktikum in dem Cafe gemacht – das war zum Beispiel in der „Echtzeit“ schon früher, zu Beginn der Dreharbeiten. Ich bin dann oft nur so hingegangen zu ihr, um ein bisschen zu reden. Auch bei den anderen – sie sollten merken, dass es mir nicht nur um das Drehen geht, sondern dass ein wirkliches Interesse an ihnen vorhanden ist.


Wie viele Leute waren eigentlich in der Crew?

Manches – den Anfang zum Beispiel – habe ich ganz allein gemacht, andere Szenen mit Kamera- und Tonmann.


Kann man dann also sagen, die drei „Prinzessinnen“ haben Allüren entwickelt, oder würdest du das nicht so empfinden?

Doch. Sie testen halt ihre Grenzen aus, das macht man ja auch in dem Alter. Heute Morgen meinten sie am Frühstückstisch ‚wir haben keinen Bock heute nach dem Screening nach vorne zu kommen’. Ich sagte dann ‚Keine Diskussion, ihr kommt’ – ‚Na gut’ – also man darf das alles auch nicht so ernst nehmen.

Wie gehen die mit dem ganzen Festivalrummel um?

Das ist halt so ein ambivalentes Gefühl – mal haben sie Lust und manchmal nicht…


Es fehlt ja auch eine…

Genau, Mina. Nachdem George, der Junge aus dem Film, der eigentlich ein Jahr nach Brasilien gehen wollte, es nach drei Monaten vor Sehnsucht nicht mehr ausgehalten hat und zurückgekommen ist, sind die beiden für ein halbes Jahr nach Thailand gefahren.


Wie würdest du die Erziehung der drei bewerten?

Ich habe ja auch Szenen mit ihren Müttern gedreht, die Väter waren ja von allen dreien in welcher Form auch immer abwesend. Ich finde manche Aussagen der Mütter schwierig, andererseits habe ich großen Respekt, wie zum Beispiel vor Klaras Mutter, die ihre Tochter allein groß gezogen hat.


Was macht diese Mädchen zu Prinzessinnen? Oder was macht Mädchen generell zu Prinzessinnen?

Prinzessinnen sind für mich selbstbewusste Mädchen, die ihren Weg gehen. Das ist ja auch eine Aufwertung oder Hommage an die drei Mädchen mit dem „Prinzessinnenbad“, das sollte sie gewissermaßen auf einen „Thron“ heben, weil sie ja doch sehr stark und selbstbewusst sind.


Normalerweise assoziiert man mit Prinzessinnen ja eher verhätschelt sein…

Nein, verhätschelt sind sie nicht. Sie sind etwas Besonderes. Der Arbeitstitel hieß ursprünglich „Berlin-Prinzenbad“, dann nur noch „Prinzenbad“ – eigentlich sollte das Bad auch eine viel größere Rolle spielen, aber dann hatten die Mädels weniger Lust am Bad und somit mussten wir das anpassen.


Prinzessinnenbad hast du 2006 gedreht – jetzt haben wir fast schon 2008 – gibt’s neue Projekte für dich?

Es gibt zwei Spielfilmprojekte, die noch ganz am Anfang stehen, weil der Film noch immer so viel Arbeit macht – ich war in Santiago de Chile, Los Angeles und so weiter. Jetzt habe ich mal alle Termine für 2008 abgesagt, um mich neuen Projekten widmen zu können.


Wie wird der Film international aufgenommen?

Ich habe das Gefühl, dass er schon verstanden wird. Es ist ein allgemeines Thema – es geht ums Erwachsenwerden, die Jugend und so weiter. Jeder denkt gerne an seine eigene Jugend zurück und erkennt sich da vielleicht zum Teil wieder. Ich merke das, dass die Fragen immer sehr ähnlich sind nach den Screenings bei den Q&As.


Kannst du eigentlich schon etwas zur DVD sagen?

Ja. Wo wird die noch mal raus gebracht… Senator glaube ich sogar, die DVD müsste Ende des Jahres kommen. Ich habe denen noch zwei Kurzfilme von mir gegeben, weiß aber wegen den Rechten gar nicht Bescheid, ob sie die verwenden können. Wir haben aber jede Menge geschnittene Szenen, zum Beispiel George und Mina, die sich über Fußball unterhalten – war ja das Jahr der Weltmeisterschaft – und so…


Ich wünsche dir noch viel Erfolg für den Film und danke dir für das Interview!

Dankeschön!