“Nadia – The Secret of Blue Water” wird 30! Der Schlüssel zu “Evangelion”, über Ghibli

Vom 23.02.1996- bis zum 17.04.1996 wurde auf RTL 2 “Nadia – Die Macht des Zaubersteins“ ausgestrahlt. 1996 wusste der Sender wahrscheinlich selbst nicht, welcher Hochkaräter da erworben wurde. Ich weiß es noch genau! Es war ein Freitag und “Ein Supertrio“ wurde gerade abgesetzt.

Das ist jetzt genau aus diesem Anlass möchte ich ein bisschen über die Serie schreiben und sie eingefleischten Anime-Fans wieder ins Gedächtnis rufen, beziehungsweise vielleicht sogar den einen oder anderen neuen Fan gewinnen.

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Der damals 28-jährige Hideaki Anno befand sich 1988 wohl auf dem Gipfel seiner schöpferischen Kraft! Er hatte mit seiner Firma Gainax “GunBuster“ (Top wo Neare!!) fertig gestellt und wurde nicht nur mit hervorragenden Kritiken gepriesen auch NHK kam zu Gainax um der Firma ihre erste TV-Serie zu produzieren. Noch konnte Anno-San nicht wissen, dass das kleine dunkelhäutige Mädchen, welches der Hauptcharakter dieser Serie sein wird, ihn in seine größte Krise führen wird…“Nadia – The Secret of Blue Water“

Hideaki Anno, der Regisseur der Serie, hatte mit seinem OVA “Gunbuster“ 1988 einen gigantischen Erfolg hingelegt und Gainax zu einer festen Größe im Anime-Bereich werden lassen. Folglich hatte Anno-san auch freie Hand bei seinem nächsten Projekt, welches er für den Fernsehsender NHK veröffentlichen sollte.

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Seine Wahl fiel auf die Geschichte um die junge Waise Nadia, welche einen blauen Stein um ihren Hals trägt. Wenn Euch diese Grundidee nun bekannt vorkommt, dann liegt Ihr gar nicht falsch! Zur gleichen Zeit entstand nämlich im Studio Ghibli ein Film mit exakt der gleichen Ausgangsidee. Hayao Miyazakis “Das Schloss im Himmel“ nämlich. Kein Wunder, denn Hideaki Anno war ein Lehrling des Ghibli-Meisters und lernte seit Handwerk vor allem bei “Nausicaä aus dem Tal der Winde“. Zu dieser Zeit haben beide Regisseure diese Grundidee gemeinsam ausgearbeitet und dennoch etwas ganz Eigenes daraus erschaffen.

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Wir schreiben das Jahr 1889. In Paris findet gerade die Weltausstellung statt und der Eifelturm wird der Öffentlichkeit enthüllt. In dieser Zeit trifft der junge Erfinder Jean auf das geheimnisvolle Mädchen Nadia. Die Arme weiß weder wo, noch wann sie geboren wurde. Nur der blaue Stein um ihren Hals, welchen sie seitdem denken kann besitzt, scheint die Antwort auf ihre Fragen zu sein. Die beiden machen sich auf ein Abenteuer, welches sie von den Tiefen des Meeres nach Atlantis bis in den Weltraum führen wird.

Hideaki Anno hat mit dieser Serie ein Meisterwerk sondergleichen geschaffen. Kein Anime davor oder danach schafft es eine derart komplexe und vor allem tiefgründigen Story (mit Anno-San-typisch stark theologischem Einschlag – siehe „Neon Genesis Evangelion) mit so charmanten Figuren zu kombinieren. Er schafft es mühelos, tiefgründige Figuren ( Elektra heißt nicht zufällig so, überhaupt gibt es nicht eine einzige Figur welche eindimensional oder klischeehaft dargestellt wird ) zu schaffen und eine ernste Handlung um Schuld und Sühne mit teilweise verstörenden Szenen aber auch Humor zu verknüpfen.

Die Geschichte ist zwar nur anfangs beeinflusst von Jules Verne, atmet aber voll und ganz dessen Geist. Der französische Klassiker aus dem Jahre 1871 lieferte nicht nur die Inspiration zu Kapitän Nemo und seiner Nautilus, sondern vor allem auch zur Atmosphäre der Serie. Allerdings brachte der Regisseur etwas ein, was der Geschichte von Jules Verne komplett abgeht: Kritik. In Jules Vernes Roman kommt die Hauptfigur Pierre Aronnax aus dem Staunen nicht heraus: Das futuristische U-Boot Nautilus ist für ihn die Erfüllung all seiner Wünsche und Fantasien als Wissenschaftler. Hideaki Anno allerdings zeichnet ein wesentlich düsteres Bild des Schiffs: Für ihn ist es, trotz all seiner fortschrittlichen Technik, eine Waffe. Anno-san verwebt seine Kritik daran allerdings genial: Jean, selbst Erfinder und die Hauptfigur der Serie, staunt genauso sehr über die futuristische Technik und bequemen Komforts, die das U-Boot bietet. Es ist Nadia, die ihm dabei direkt gegenübersteht: Für sie ist das Schiff ganz und gar nicht faszinierend, stellt es doch nur ein Instrument zu einem einzigen Zweck dar: Töten!

Es ist überhaupt immer Nadia, die Jeans kindliche Freude an den Errungenschaften der Menschheit trübt. Für sie ist der technische Fortschritt meist einfach nur ein Schritt weiter in die Faulheit und Bequemlichkeit. Beides löst beim Zuschauer aus, dass er selbst beginnt kritisch  zu reflektieren, besonders, wenn man es auf die heutige Zeit münzt.   Außerdem sollte auch ein starker Einfluss von Erich von Däniken nicht unerwähnt bleiben.

Zudem war der Anime-Klassiker “Space Battleship Yamato“ eine sehr große Inspirationsquelle für den Regisseur, ist dies doch seine Lieblingsserie.

Besonderes Ohrenmerk verdient auch die geniale Musik von SHIRO SAGISU. Sein unvergleichlicher Stil passt perfekt zur Serie und nicht umsonst, wurden Teile des Soundtracks von “Nadia” auch für “Evangelion 3.0 – You can (not) redo” verwendet.

„NHK hatte eine sehr genaue Vorstellung von dem Projekt, innerhalb dieser, durfte ich aber machen was ich wollte.“ Sagte Anno-San in dem Buch INSIDE GAINAX auf Seite 16. Das ist eine äußerst schmeichelhafte Umschreibung der Umstände, welche NADIA das Licht der Welt erblicken ließen.

Die „genaue Vorstellung“ entpuppte sich fast schon als Diktat seitens NHK. Anno-San wollte eine psychologisch-tiefe Charakter-Studie in eine düstere Handlung packen, NHK wollte eine Kinderserie. Dies merkt man auch an der Struktur der Serie. Anfangs beginnt sie recht harmlos mit bunten Settings, Humor und Action. Spätestens bei Folge 5 aber schlägt die Handlung um und es treten Aspekte des Lebens wie Tod, Liebe, innere Zerissenheit, Zukunftsängste, psychologisches Drama, Selbstmord, Selbsthass oder schlicht Wurzellosigkeit zu Tage.

Die immer düsterer werdende Handlung wird dann plötzlich, kurz vor dem Finale, ab Episode 23 wieder seltsam lustig.

Dies liegt daran, dass NHK auf die glorreiche Idee kam, 8 Folgen schnell zwischenrein zu schieben.

Die unter Fans sehr umstrittenen „Insel-Folgen“ Diese tragen, nach einem hoch spannenden Cliffhanger in Folge 22, rein gar nichts mehr zur Handlung bei.

Die einen mögen diese Episoden, da sie die Beziehung zwischen Nadia und Jean festigen und die beiden in einem fast familiären Umfeld zeigen, die anderen verabscheuen sie, wegen dem „Handlungsstillstand“.

Auf alle Fälle wurde die Produktion der Folgen GAINAX entrissen und in China angefertigt. Die Qualität bei den Episoden 23-31 ist in jedem Fall furchtbar Mies. Da rutscht die Folie, das Bild ist blass, die Animationen sind abgehackt und die Charaktere verhalten sich teilweise gar nicht „wie sie selbst“!

Die Ausnahmen sind die Folgen 30 und 31 welche für die Handlung wiederum sehr wichtig sind.

Episode 34 markiert dann endlich wieder die Rückkehr in die GAINAX-Studios. Diese ist besonders charmant, da Hideaki Anno fast alle Helden der Serie einen Song zum Besten geben lässt. Er wollte noch ein bisschen Humor (und natürlich eine Vocal-CD) hineinbringen, bevor es mit Episode 35 direkt in das absolut spektakuläre, vier-Folgen umfassende Finale aller Serien geht, welche die Geschichte dann genial auflöst. Soviel sei verraten. Es wird jedes Geheimnis aufgelöst (für Hideaki Anno im Speziellen, eigentlich sehr untypisch)

Was für Hideaki Anno aber DER Faustschlag in die Magengrube gewesen sein dürfte, war ein Betrug seitens NHK. Diese hat nämlich die kompletten Rechte für sich beansprucht und GAINAX bloß die Rechte an der Vermarktung des Videospiels gelassen…GAINAX wurde also nach Strich und Faden ausgenutzt und der Ruhm und das Geld landeten bei NHK.

Am 13.04.1990 startete THE SECRET OF BLUE WATER, so der internationale Titel der Serie, in Japan und war ein Erfolg.

Nur Hideaki Anno war so frustriert über die Vermarktung und das Entreißen seines „Kindes“, dass dies in einer handfesten Depression endete. Diese Depression mündete in einem Suizid-Versuch Hideaki Annos, welcher aber glücklicherweise nicht funktionierte.

Es war direkt nach diesem Versuch, als Hideaki Anno sein „NADIA“-Team wieder zusammentrommelte und seine letzte Kraft in ein Mammut-Projekt zu stecken, mit welchem er seine Depression besiegen wollte. Er sagte in einem Interview. „Alles was ich weiß, was mich bewegt, kurz mein ganzes Leben, werde ich in dieses Projekt stecken!“

Dieses Projekt hieß: NEON GENESIS EVANGELION

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WICHTIG: NHK hat noch einen Kinofilm mit Nadia gemacht, von dem ich aber abraten muss! Der ist schlimmer als die Insel-Folgen!

Bei amazon.de könnt Ihr die komplette Serie in bestechender Qualität ansehen, denn der Blu-ray Box liegt das japanische Master zu Grunde.

Wie findet Ihr Nadia? Habt Ihr es damals auch auf RTL 2 gesehen? Seid Ihr vielleicht neugierig auf die Serie geworden? Schreibt es uns in die Kommentare:

Über Kamurocho-Ryo 827 Artikel
Meine Liebe zum Film entflammte so richtig im Jahre 1993, als mein 11-jähriges Ich von der gigantischen Werbekampagne zu "Jurassic Park" gehirngewaschen wurde. Seit dem ist dies auch mein Lieblings-Film. Entgegen dazu, hängt mein Herz aber am asiatischen Kino und der ganzen Kultur. Ganz egal ob Japan, Philippinen, Thailand, Indonesien, China oder Korea, die Filme aus Asien sind immer etwas ganz besonderes und unendlich viel tiefer als der amerikanische Hollywood-Einheitsbrei. Spieletechnisch hatte ich eine hervorragende Kinderstube, soll heißen, NES und GAME BOY bevor viele weitere folgten. Bin dennoch ein Sega-Jünger. Lieblings-Regisseure: Hideaki Anno, Akira Kurosawa Lieblings-Spiele: Metal Gear Solid 1, Final Fantasy VII, Zelda - Ocarina of Time Lieblings-Film-Komponist: Jerry Goldsmith

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