Harvest Moon: Eine Welt [Nintendo Switch – Review]

„Harvest Moon“…“Story of Seasons“…“Harvest Moon“…was jetzt?!?

Bereits Mitte der 1990er sorgte der Entwickler Amccus mit dem ersten „Harvest Moon“ – so zumindest der Titel im Westen – für eine astreine Bauernhof-Simulation inklusive Gemüseanbau, Tierzucht und dem Ziel, die Farm wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen. In den Folgejahren gab es unzählige Fortsetzungen und Spin-offs für allerlei Handhelds und Konsolen, mittlerweile kann man aus knapp dreißig verschiedenen Titeln wählen.

Doch vor einigen Jahren gab es ein ziemliches Durcheinander rund um die Reihe, denn mit der Ära des 3DS begann man, „Harvest Moon“ im Westen auch unter seinem Originalnamen „Story of Seasons“ zu veröffentlichen. Dazu wurde man gezwungen, da die Namensrechte an „Harvest Moon“ durch einen Publisherwechsel plötzlich nicht mehr beim eigentlichen Vertrieb Natsume lagen. Deshalb gibt es nun die „Story of Seasons“- und die „Harvest Moon“-Reihe…was für ein Wirrwarr, das damals bei den Fans nicht gerade für Begeisterung sorgte.

Während „Story of Seasons“-Freunde auf der Switch bereits im vergangenen Jahr in den Genuss eines Teils kamen und auch der neue Ableger schon vor der Tür steht, sind nun auch „Harvest Moon“-Fans an der Reihe. Mit „Harvest Moon: Eine Welt“ erschien jüngst der neueste Teil, den wir für euch mal genauer unter die Lupe genommen haben.

Farmen mit Tradition

Zum Start von „Harvest Moon: Eine Welt“ erstellt ihr euch erst einmal euren Wunschcharakter je nach Geschlecht, Haut- und Haarfarbe und gebt ihm oder ihr einen Namen. Euer Protagonist lebt in einer Welt, in der man von der großen Kunst des Farmens eigentlich fast nichts mehr weiß. Lediglich die Kartoffel wird vielerorts noch angebaut, aber kulinarische Vielfalt kann man das jetzt nicht unbedingt nennen.

Das alles ändert sich schlagartig als ihr auf einen Erntegeist trefft, der euch mit unbekanntem Saatgut versorgt und beim Auffinden von acht Medaillen die Rückkehr der Erntegöttin verspricht. Mit der Hilfe des Professors und der seelischen Unterstützung eurer Mutter trefft ihr die Entscheidung: ich werde Farmer und baue längst vergessenes Gemüse an!

Dank der neuen Erfindung des Professors, der Expando-Farm, habt ihr im Nu einen eigenen Landwirtschaft-Betrieb aufgebaut – oder zumindest erste Schritte in der Richtung gemacht – und somit steht einem Farmer-Leben nichts mehr im Weg.

 

 

Säen, Jäten, Ernten, Füttern

Zunächst geht es um die Basics der Farm: so habt ihr eine bestimmte Anzahl an Feldern, die für den Anbau vorbereitet werden müssen. Ist das Auflockern der Erde erledigt, könnt ihr Saatgut verteilen, das ihr entweder im örtlichen Laden kauft oder in der Spielwelt in Form von blauen Lichtern findet. Dann das Gießen nicht vergessen und einige Tage später könnt ihr die Ernte einholen. Aber das ist nur ein Teil eurer Aufgaben. 

So könnt ihr auch Tiere auf der Farm aufnehmen, die gefüttert und sauber gehalten werden müssen. Im Gegenzug versorgen euch diese mit Eiern, Milch oder Kompost für das Düngen der Bete. Hin und wieder kommen auch Bewohnerinnen und Bewohner der Dörfer auf euch zu und haben kleine Aufträge für euch. So müsst ihr mal Spargel anbauen und bekommt dafür Tiermedizin oder ihr baut im örtlichen Steinbruch Eisen ab, um dies beim Professor zu Baumaterialien umwandeln zu lassen.

Nach und nach schaltet man außerdem weitere Gebiete frei, bekommt mehr Werkzeug wie einen Hammer oder eine Axt, um effektiver Rohstoffe abzubauen und findet mehr und mehr seltenes Saatgut. Manches davon lässt sich auch nur unter bestimmten Bedingungen anbauen, die das Klima des jeweiligen Gebiets widerspiegeln. Am Meer, dessen Region eindeutig Hawaii nachempfunden ist, gibt es zum Beispiel Kaffeeplantagen oder Meeresfrüchte. 

Kochen, Freundschaften schließen, Erkunden

Die Regionen sind auch noch bei einem anderen Feature des Spiels wichtig. Denn um im Wüsten-gebiet gut klarzukommen, benötigt ihr kühlende Speisen oder Getränke, damit euch eure Ausdauerleiste nicht schneller als gewohnt im Stich lässt. Diese bereitet ihr am heimischen Herd zu, Rezepte gibt es bei einigen Händlern oder durch das Erledigen von Aufgaben.

Stichwort Ausdauer: euer Protagonist verfügt über eine Anzeige, die mit jeder körperlichen Betätigung abnimmt. Durch das Verspeisen von Mahlzeiten oder einer guten Mütze Schlaf, könnt ihr diese jedoch wieder voll auffüllen. Wer sich genügend Credits durch den Verkauf von Gemüse, Obst und Rohstoffen erwirtschaftet hat, holt sich am besten ein Pferd beim Tierhändler. So sind die langen Wege von Dorf zu Dorf nicht mehr so ermüdend wie zuvor. 

Für die Verwaltung der Aufgaben und eurer Farm steht euch außerdem noch ein ausführliches Menü zur Verfügung, dort gibt es auch einen hilfreichen Kalender. Dieser gibt euch nicht nur einen Ausblick auf das Wetter der kommenden Tage, auch Geburtstage von Bekannten sind dort vermerkt. Diese haben unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen und können so zum Beispiel beschenkt werden. Neben regulären Freundschaften könnt ihr euer Gegenüber bei höchstmöglicher Sympathie sogar heiraten.

 

 

Ist das Spiel schon fertig?

In Sachen Grafik und Technik entgeistert „Harvest Moon: Eine Welt“ extrem. Die Charaktermodelle sind zwar recht schön, wirken aber in ihrer Gestik und Mimik etwas unbeholfen und sind extrem glattgebügelt und ohne viel Details. 

Die Spielwelt an sich ist sehr bunt, die Farben wirken teilweise aber etwas extrem überdreht und knallig. Ähnlich wie die Charaktere sind auch andere Modelle, zum Beispiel der Häuser oder der Tiere, eher reduziert gehalten und unterstreichen so die kindgerechte Optik. Leider gibt es auch nicht sonderlich viel Abwechslung, Bäume und Steine sehen immer gleich aus, die quadratischen Anbaufelder wirken auch viel zu reduziert und sehen eher aus wie Platzhalter für die richtigen Grafik-Assets. 

Negativ aufgefallen sind immer wieder Ruckler – was bei der Grafik ehrlich gesagt an der Qualität des Entwicklers zweifeln lässt – und die extrem lange Ladezeit beim Einstieg in das Spiel. Das machen technisch aufwendigere Titel bei weitem viel besser.

Die musikalische Untermalung geht in Ordnung, so wird jede Gegend mit passenden Melodien unterlegt. Dialoge hingegen sind nicht vertont.

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
2.9

FAZIT: Spielerisch gut, technisch frech

„Harvest Moon: Eine Welt“ macht es dem User nicht leicht. Während man sich ab Minute 1 über die lieblose Optik und die maue Technik ärgert, sorgt das Gameplay schon für die ein oder andere Stunde in der man das Pad oder die Switch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Nach einem etwas zähen Einstieg ist man recht schnell in dem Tagesablauf drin und denkt sich nach jedem Ingame-Tag: „Einen mach ich noch!“ oder „Na, die Aufgabe geht noch schnell!“.

Inhaltlich gibt es also nicht viel zu meckern. Das Spiel bietet genug Abwechslung, mal kümmert ihr euch einen Tag nur um euer Feld, mal um die Tiere oder ihr geht in den Steinbruch und besorgt euch teure Mineralien, die ihr dann verkauft und euch dafür ein neues Tier oder eine Angel holt…natürlich darf Angeln in einem Spiel in 2021 nicht fehlen!

Doch wie schon erwähnt, die Präsentation ist an Lieblosigkeit eigentlich kaum zu übertreffen. Das Schönste an „Harvest Moon: Eine Welt“ ist die Illustration zum Start des Spiels, leider sieht dieses aber zu keinem Zeitpunkt auch so aus. Es mangelt an Details oder zumindest einem Grafikstil, der dem Ganzen einen gewissen Pep verleiht. Hier wurde einiges verschenkt, sonst wäre diese Farming-Simulation eine der ganz Großen! Schade.

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Über Christian Suessmeier 940 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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