God of War Ragnarök [PlayStation5 – Review]

Kriegsgott-Overhaul

So episch und mitreißend die frühen „God of War“-Spiele auch waren, so abgenutzt war das Spielprinzip irgendwann auch mal. Spätestens zum vierten Teil, „God of War Ascension“, war der Lack ab und Kritik als auch Spieler*innen sehnten sich nach etwas Neuem.

Darauf musste man dann zwar fünf Jahre warten, aber mit dem 2018er „God of War“ schufen die Santa Monica Studios einen absoluten Meilenstein der Videospielgeschichte. So war nicht nur die Handlung rund um den gealterten Kratos und Sohnemann Atreus spannend erzählt, auch technisch konnte der Titel zeigen, was in der PlayStation4 noch alles schlummert. Für besonderes Staunen sorgte aber die beinahe schnittfreie Inszenierung, durch die die Kamera Kratos & Co. somit ständig begleitete und ein ganz neues Mittendrin-Gefühl schuf. 

Deshlab war aber auch klar, dass ein etwaiger Nachfolger ganz schön hohe Maßstäbe zu erfüllen hat. Dieser wurde kurz vor dem Start der PlayStation5 im Jahr 2020 dann auch angekündigt, es sollte aber noch gute zwei Jahre bis zum endgültigen Release dauern.

In unserem Review der PlayStation5-Version von „God of War: Ragnarök“ erfahrt ihr nun, ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat.

Beef mit Odin

ACHTUNG: Auch wenn „God of War“ bereits vor vier Jahren veröffentlich wurde, versuche ich hier die Story des Nachfolgers so spoilerfrei wie möglich darzustellen. Ein paar kleine Anmerkungen sind aber leider nicht zu vermeiden. 

Nach den Ereignissen aus Teil 1 ist die nordische Götterwelt nicht gerade gut auf Kratos zu sprechen. Der griechische Kriegsgott hat es somit nicht nur mit einer verärgerten Freya, der Mutter Baldurs zu tun, sondern sieht sich plötzlich auch mit der obersten Götter-Riege rund um Thor und natürlich Odin konfrontiert.

Als wäre das nicht schon genug, ist auch die Beziehung zu seinem Sohn Atreus nicht gerade leichter geworden. Dieser will nämlich seiner Herkunft auf den Grund gehen und hat somit zahlreiche Fragen, die Kratos nicht beantworten kann…oder will?

Zum Glück ist unser geliebter Grieche aber nicht auf sich alleine gestellt und bekommt Unterstützung von den beiden Zwergenbrüdern und Schmieden Sindri und Brok. Doch auch andere Weggefährten finden sich im Laufe des Abenteurers und stellen sich Kratos an die Seite. Und das, obwohl der Kriegsgott so gar keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit Odin hat. 

 

 

Bekannte Zutaten

Wie auch schon in Teil 1 erlebt ihr die Geschehnisse aus der Verfolgerperspektive und das erneut mit der grandiosen, beinahe schnittfreien Inszenierung. Auch Kratos’ Bewegungsrepertoire ähnelt der 2018er-Variante des Spiels erheblich. So habt ihr als Waffe sowohl die Chaosklingen als auch die Leviathanaxt zur Verfügung mit denen ihr leichte und schwere Angriffe auf die Gegner regnen lassen könnt. Eine Kombination aus beiden führt dann zu tödlichen Kombos, denen sich die Gegner nur schwer entziehen können. Kommen diese doch mal zum Schlag, könnt ihr mit eurem Schild die Angriffe abwehren oder die feindliche Kombo unterbrechen.

Die beiden Waffen stehen außerdem für die beiden Elemente Feuer und Eis. Mit den Klingen könnt ihr Feinde oder Hindernisse zum Beispiel in Brand setzen, die Axt lässt sich prima auf Gegner werfen und ist hervorragend dafür geeignet, Gegner oder Gegenstände zu vereisen.

Zusätzlich dazu könnt ihr noch bestimmte Spezialangriffe ausrüsten oder eure Attacken durch verschiedene Runen verstärken. In Kombination mit eurem Begleiter, meist Atreus, und dessen Qualitäten als Bogenschütze bereitet ihr euren Gegnern ganz schön Kopfzerbrechen.

Jedoch nutzt das Spiel diese Fertigkeiten nicht nur für den Kampf, sondern auch für Puzzle und Rätsel was eine angenehme Abwechslung darstellt. So gilt es die verschiedenen Fertigkeiten zu nutzen, um Ranken zu zerstören oder Tore offen zu halten. Dank unterschiedlicher Pfeilsorten kann man sich hier etwas durchprobieren, meist gibt es aber nur einen Lösungsweg.

Göttliches Loot

Während also das Gameplay schon ziemlich stark an das 2018er „God of War“ erinnert, kann man das auch von der Erzählstruktur beziehungsweise des Spielinhalts sagen. So überwiegen zwar die schlauchartigen Level, einige Gebiete öffnen sich Kratos & Co. aber zusehends und halten Nebenmissionen, Truhen und andere Geheimnisse bereit.

Denn natürlich geht ihr in „“God of War: Ragnarök“ wieder auf die große Suche nach immer besseren Rüstungen, Waffen und Rohstoffen. Habt ihr Letzteres zu genüge gefunden, müsst ihr nur Sindri oder Brok aufsuchen und die beiden schmieden euch feinste Ware mit tollen Attributen. Neben allerlei Materialien findet ihr in der Spielwelt aber auch das bekannte Hacksilber, das ihr im Shop der beiden Schmiede für weitere Rohstoffe oder ein Extraleben in Form des Auferstehungssteins. 

Besiegte Feinde oder erledigte Aufgaben bringen Kratos und Co. außerdem wieder zahlreiche Erfahrungspunkte ein, die man in einen der vielen Talentbäume investieren kann. So könnt ihr gezielt die Waffen von Kratos verbessern und Atreus erlernt weitere Fertigkeiten, um ein guter Support-Charakter oder sogar mehr zu werden.

„God of War: Ragnarök“ schmeißt euch die Nebenmissionen nicht um die Ohren, sondern beschränkt diese auf wenige, dann aber auch oft gut geschriebene Aufgaben. Mal löst ihr das Geheimnis hinter den Geistern eines Vaters und seines Sohnes, dann sucht ihr mal zwei Schlüssel für einen Schatz. Auch Kampf-Herausforderungen finden sich in der Spielwelt zu genüge, die Walküren wurden diesmal aber von fordernden Berserkern abgelöst. Zwischendrin gibt es aber auch ein paar klassische Sammelaufgaben…achtet zum Beispiel mal auf den Bücherschrank in Sindris und Broks Zuhause, wenn ihr die ersten Werke gefunden habt. Klasse!

 

 

Eine Pracht!

„God of War: Ragnarök“ ist – wie zu erwarten war – eines der schönsten Spiele des Jahres 2022. Die Spielwelt steckt voller Details und wirkt mit seiner Flora und Fauna sehr lebendig. Mal kriecht hier eine Echse am Boden entlang, mal sind dort am Himmel Vögel oder andere Wesen zu sehen. Und keine Angst, relativ schnell seid ihr auch in wärmeren Gefilden unterwegs und müsst euch nicht ständig dieses Schnee-Einerlei anschauen. Saftig grüne Wälder, trockene Sandwüsten oder muffige Höhlen…das Spiel bietet euch ziemlich viele Schauplätze an.

Auch die Charaktere sind in ihrer Detailpracht kaum zu übertreffen. Die verschiedenen Outfits von Kratos & Co. sehen super aus und strotzen nur so vor kleinen Verzierungen, Nieten und Macken. Das verwendete Material sieht auch aus wie das was es sein soll…diese Rüstungen!! Eine Pracht!

Das Gegnerdesign ist auch recht gut anzusehen, auch wenn es vielleicht ein paar zu wenig verschiedene Arten davon gibt. Dafür sind große Bosse wieder eine Augenweide und sorgen in Kombination mit der Inszenierung für kinoreife Momente.

Die deutsche Synchro gefällt mit seinen Sprecher*innen, generell sind die vielen Dialoge zwischendurch immer wieder interessant und erzählen von Dingen abseits der Story. Schön sind auch die gelegentlichen Seitenhiebe auf Kratos und der Suche nach Loot in den Kisten. 

Nicht ganz so PlayStation5-würdig sind die vielen, recht kleinen Levelabschnitte, die durch Tore oder – sehr beliebt – Engstellen voneinander getrennt sind. Dies ist aber eben dem Umstand geschuldet, dass das Spiel ja auch noch für die PS4 erscheinen musste und so Ladezeiten perfekt kaschiert werden können.

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
4.8

FAZIT: Kratos braucht diesmal Zeit, aber dann wird’s episch

Zugegeben…nach den ersten zehn Stunden war ich von „God of War: Ragnarök“ fast schon enttäuscht. Denn in Sachen Gameplay war mir das alles viel zu nah an dem Erstling, es fühlte sich alles so an als würde ich einen verlängerten Abspann oder ein Endgame spielen. Auch die Geschichte hatte mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so mitgerissen, doch dann kam irgendwann der Wendepunkt für mich und das Spiel.

Denn nach diesem vermeintlich langen Einstieg kommen doch noch neue Fertigkeiten und Waffen hinzu, außerdem steuert man auch mal längere Zeit Atreus und bekommt obendrein noch neue Begleiter an die Seite gestellt. Und auch in Sachen Story geht es dann ziemlich hoch her…es wird emotional, brutal, wendungsreich…sowas erwartet man von einem Nachfolger des 2018er Abenteuers. Obendrein nehmen dann auch noch die kinoreifen Momente zu und lassen „God of War: Ragnarök“ zu dem Epos werden, den man sich wünscht. Immer wieder habe ich mich so in stundenlangen Sessions verloren und plötzlich gemerkt, dass einfach mal vier Stunden vorbei gegangen sind. 

Dennoch sind mir aber auch noch einige kritische Punkte aufgefallen. Über die vielen Tore, Engstellen und in die Länge gezogenen Dialoge bis dann mal das passende Spektraltor geladen sind, habe ich mich weiter oben schon ausgelassen. Ebenso finde ich das Kampfsystem nicht ganz so fehlerfrei und störe mich vor allem an der Fokussierung der Gegner. Die Übersicht habe ich so häufiger mal verloren, vor allem mit schnellen Gegnern hatte man hin und wieder so seine Schwierigkeiten. 

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Benutzer-Bewertung
3 (2 Stimmen)
Über Christian Suessmeier 3144 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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