Ghostwire: Tokyo [PlayStation5 – Review]

Tango in den Tod

Zu einer Zeit als „Resident Evil“ mit Teil 5 und 6 im Fahrwasser von „Call of Duty“ & Co. mehr auf Action als Horror setzte, verließ der Vater der Reihe, Shinji Mikami, Capcom und gründete mit Tango Gameworks seine eigene Spiele-Schmiede.

Diese wurde kurz darauf von Bethesdas Mutterkonzern ZeniMax aufgekauft und konzentrierte sich anschließend auf die Entwicklung des ersten eigenen Spiels, „The Evil Within“. Das Survival-Horror-Spiel entlieh sich einige Elemente aus Mikamis „Resident Evil“ und verzückte die Fans mit einem schönen Retro-Faktor, der an alte Zeiten in der Zombie-Villa erinnerte. 

Es kam wie es kommen musste und Tango Gameworks veröffentlichte gerade einmal drei Jahre später mit „The Evil Within 2“ einen Nachfolger, der die Kritikpunkte des Erstlings ausmerzen sollte und erneut für Freude unter den Horror-Anhängern sorgte.

Zu einem dritten Teil kam es bisher nie, wohl auch weil das vermeintliche „The Evil Within 3“ kurzerhand zu „Ghostwire: Tokyo“ wurde als sich die Entwicklung zu sehr vom Gameplay von Teil 1 und 2 abhob. Und das ist nun endlich, drei Jahre nach seiner Ankündigung, erschienen.

Wie der übernatürliche Spaziergang durch Tokyo geworden ist, lest ihr in unserem Test der PlayStation5-Version.

KK trifft Akito

Kurz nach Spielstart findet ihr euch im Tokyo der Gegenwart wieder, das einer Geisterstadt gleicht. Von den Menschen sind nur noch ihre Kleidungsstücke übrig geblieben und verunglückte Autos und vereinzelte Feuer zeugen von einem plötzlichen Ereignis, das zum Verschwinden der Einwohner führte. Auch Akito, ein junger Mann in den Zwanzigern, war zu dieser Zeit auf der Straße unterwegs, da er seine Schwester im Krankenhaus besuchen wollte. 

Doch sein Verschwinden wurde von einem Geist namens KK verhindert, der kurzerhand in seinen Körper geflüchtet ist. Zusammen wollen die beiden nun herausfinden, was es mit dem seltsamen Ereignis auf sich hat und was der mysteriöse Mann mit der Hannya-Maske mit der Menschheit vorhat.

 

 

Elemente-Shooter

Im Grunde handelt es sich bei „Ghostwire: Tokyo“ um einen Shooter mit Elementarkräften. Denn statt auf bleihaltige Munition setzen Akito und KK auf das Verschießen magischer Projektile, die verschiedenen Elementen wie Feuer, Wasser und Wind entspringen. Und damit setzt ihr euch letztlich gegen die Besucher und andere übernatürliche Wesen zur Wehr.

Doch dabei bleibt es natürlich nicht…Energie für eure Kräfte wird nicht nur von besiegten Gegnern hinterlassen, diese befinden sich auch in den schimmernden Objekten, die es überall im virtuellen Tokyo zu finden gibt. Zerstört ihr diese, sammelt ihr die Orbs ein und füllt somit eure Kräfte wieder auf. Zusätzlich zum regulären „Schuss“ kann man diesen auch aufladen und eine mächtige Attacke auf die Feinde loslassen. Neben einem Nahkampf-Angriff, einer Block-Aktion und rudimentären Schleich-Funktionen, gibt es auch noch mehrere Talisman-Arten. Mit diesen schwächt ihr Feinde und verschafft euch so einen Vorteil im Kampf.

Während der knapp zehnstündigen Kampagne gibt es auch immer wieder Abschnitte, in denen KK von euch getrennt wurde und ihr ohne seine übernatürlichen Kräfte auskommen müsst. Hier ist dann Pfeil und Bogen von Nutzen, den ihr kurz nach dem Start des Spiels bekommt.

Tokyo hat viel zu bieten!

Denn neben der Story wartet „Ghostwire: Tokyo“ auch mit allerlei Nebenbeschäftigungen auf. So reinigt ihr Tori – die roten Tore vor einem Schrein – um den Nebel über der Stadt zu lichten, erledigt Aufträge für Geister oder sammelt besondere Gegenstände um sie an einem der Katzen-Shops zu verkaufen. Neben diesen Vierbeinern finden sich in Tokyo auch unzählige Hunde, die gefüttert werden wollen. Eure nette Geste belohnen diese dann mit dem Hinweis auf ein Geheimnis in der Gegend wie zum Beispiel eine der vielen Jizo-Statuen. An diesen könnt ihr beten und bekommt dann mehr Projektile für eine eurer Elementarkräfte.

Generell gibt es unzählige Möglichkeiten sich die Zeit neben der Kampagne zu vertreiben. Die genannten Jizo-Figuren, versteckte Marderhunde, freche Yokai(Geisterwesen) und zu guter Letzt die Geister der verschwundenen Einwohner…wollt ihr alles erledigen streckt sich die Spielzeit locker auf das Doppelte. Von Letzteren gibt es immerhin mehrere Hundert zu entdecken.

Ansonsten bietet „Ghostwire: Tokyo“ umfangreiche Infos zu den ganzen mythischen Figuren und Ereignissen, lässt euch im Fotomodus allerhand Schabernack treiben und auch Items für Akito in Form neuer Klamotten lassen sich im Spiel auftreiben.

 

 

Der Ferne Osten kann so schön sein!

„Ghostwire: Tokyo“ ist ein sehr hübsches Spiel geworden und untermalt seine düstere Atmosphäre mit einer passenden Optik. Das nebeldurchzogene Tokyo gefällt mit seinen vielen Neonlichtern und wenn dann auch noch Regen einsetzt, ist die gespenstische Stimmung perfekt. Obendrauf spielt Tango Gameworks auch mit den Spieler*innen und verwirrt euch immer wieder mit optischen Verzerrungen und anderen Spielereien wie verrückt gewordenen Rollläden oder Hindernissen, die sich aus Zeitungen oder Stühlen zusammenbauen. Gepaart mit dem Soundtrack entsteht hier ein stimmiges Gesamtbild, das euch einen leichten Schauer über den Rücken jagt.

Die Steuerung von Akito könnte etwas knackiger sein und fühlt sich in den Kämpfen doch oft recht schwammig und indirekt an, hier ist einiges an Eingewöhnungszeit notwendig. Generell nutzt man einige der Features des DualSense und so hört man KKs Stimme auch aus dem Lautsprecher am Controller.

„Ghostwire: Tokyo“ bietet euch insgesamt drei Grafikmodi, wobei einer ganz klar heraussticht. So kann man im Qualitätsmodus die Raytracing-Effekte bewundern, die bei solch einem Titel eigentlich Pflicht sind. Wer die 60fps favorisiert, wählt den Performance-Modus aus. Fast unbrauchbar aufgrund starken Tearings ist der HFR-Modus, der sowohl in Sachen Auflösung als auch Framerate keine Limitierung kennt. 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
4

FAZIT: Spielerisch generisch, aber ein Brett in Sachen Atmosphäre

Betrachtet man „Ghostwire: Tokyo“ aus der Sicht des Gameplays, kann man hier einiges kritisieren. Denn eine generischere Open World mit dem Abarbeiten typischer Elemente wie Nebel lichten, Geister sammeln oder Tanukis finden, hat man schon lange nicht mehr gesehen und könnte fast aus Ubisofts Hochzeit mit offenen Spielwelten stammen.

Dennoch hat mich das Spiel für fast zwanzig Stunden an den Controller gefesselt. Warum? Weil die Atmosphäre der Hammer ist und der spirituelle Ansatz mit den vielen Geisterwesen – Yokai sind an Ideenreichtum kaum zu übertreffen – einen in seinen Bann zieht. Vor allem wenn man auch noch einen Funken Interesse für Japan und dessen Kultur hat. Toll!

Auch technisch kann man nicht viel meckern über Tangos Grusel-Titel. Tokyo sieht super aus und jeder, der schon mal vor Ort war, wird sich sofort heimisch fühlen. Wenn man so an einer Ecke der Shibuya-Kreuzung steht, die Lichter im Regen betrachtet und plötzlich noch eine der Yokai-Prozessionen vorbeizieht, ist das großes Gaming-Kino! 

Wie gesagt, die Gameplay-Elemente sind arg repetitiv und nach Schema F, aber dennoch war mir das Spiel eine Ehre!

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Über Christian Suessmeier 2405 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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