Der Affe im Menschen

  • Informationen zum Film
  • Der Affe im Menschen

  • Originaltitel:
    Monkey Shines
    Genre:
    Thriller, Sci-Fi, Horror, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1988
    Kinostart Österreich:
    07.06.1989
    Kinostart USA:
    29.07.1988
  • Inhalt
  • Allan Mann ist nach einem Unfall bis zum Hals gelähmt. Seine Mutter stellt eine Pflegerin für ihn ein und bald darauf stellt ihm sein Freund Geoffrey die hilfreiche Affendame Ella zur Seite. Das Gespann aus Mensch und Tier versteht sich bestens. Doch bald schon geht in beiden eine Verwandlung vor und Ella präsentiert sich von ihrer nicht so liebenswürdigen Seite.
  • Filmkritik
  • Man(n) vs. Beast

    Geoffrey bringt in Ella einen seiner Laboraffen, der mithilfe der Verhaltenstrainerin Melanie auf seine neue Funktion getrimmt wird, zu Allan. Zu welchem Zwecke Geoffrey mit den Affen experimentiert wird nicht mitgeteilt, wohl aber, dass er unter Erfolgsdruck steht. Während Geoffrey bemüht ist, sich an ethische Mindeststandards zu halten, ein quasi-persönliches Verhältnis zu seinen Affen aufgebaut hat und bei aller nutzenorientierten Forschung nicht das Wohl seiner Versuchstiere aus den Augen verliert, heiligt für seinen Vorgesetzten Burbage der Zweck alle Mittel. Für Ergebnisse geht dieser als Anhänger von Sezierung und Vivisektion sprichwörtlich über Leichen.

    An dieser Stelle kann man nun fragen, wer eigentlich Tier und wer Mensch ist. Klar ist, dass hier eine Opposition guter versus böser Wissenschaftler konzipiert wird, die wesentlich zur weiteren Entwicklung beiträgt. Gesichert ist zu erst einmal: Ohne Versuche medikamentöser und behavioristischer Art keine Beeinflussung des Tieres in positiver oder negativer Hinsicht. Die Qualifikation Ellas für ihren Job wäre wahrscheinlich gar nicht gegeben. Darüber hinaus spornt der erfahrene Druck von oben Geoffrey an, das Experiment – denn ein solches ist es bei aller guten Absicht nach wie vor – weiterzuführen. Mit dem Unterschied, dass es nun nicht in einer künstlichen Laborsituation stattfindet, sondern in einer real existierenden alltäglichen, einer Situation, die dem möglichen späteren Anwendungsbereich entspricht.

    Das Tier im Menschen

    Diese Verfilmung eines Roman von Michael Stewart hat vor allem ein Thema: Gut gegen Böse. In den meisten Situationen erscheint dieses Duell in der Form des eifersüchtigen Nebenbuhlers, der sich nicht beachtet fühlt, versucht in eine bestehende, positive Beziehung regulierend einzugreifen und gar den Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

    Folgende Figurenkonstellation folgen diesem Leitmotiv: Pflegerin Maryanne vs. Allan/Ella, Mutter Dorothy vs. Allan/Ella, Allan/Ella vs. seine Ex-Freundin Linda und seinen Arzt Dr. Wiseman und Ella vs. Allan/Melanie (seine aktuelle Freundin) und Ella vs. Allan/Geoffrey.

    Auf einer übergeordneten Ebene, die, wie wir noch sehen werden, auf Ella als Dreh- und Angelpunkt aller Ereignisse Auswirkungen hat, ist der Gegensatz zwischen dem Tierforscher Geoffrey und seinem Vorgesetzten Burbage angesiedelt.


    “I don’t like this change in you”

    Bei der Betrachtung der zuerst aufgeführten Figurenkonstellationen der „untergeordneten“ Ebene fällt auf, dass Allan und Ella meist ein gemeinsames Feindbild abgeben bzw. zusammen gegen jemand anderen agieren. Dies gründet in ihrem engen Verhältnis, das zu einer Verschmelzung ihrer Persönlichkeiten führt. Wenn Ella des nächtens ausreißt, sieht Allan wie in Trance durch ihre Augen. Es kommt zu wahren Liebes-, Abschieds- und Eifersuchtsszenen zwischen den beiden.

    Was Allan anfangs nicht weiß: Die emotionale Verfassung des einen beeinflusst die des anderen sehr stark – und auch seine (Un)Taten. So wird Allan zunehmend aggressiver gegen die Pflegerin oder seine Mutter (besonders, aber nicht nur, wenn diese sich gegen Ella stellen) und Ella setzt seine Rachephantasien stellvertretend für ihn in die Tat um.

    Obgleich Melanie und Allan die Schuld an seinen Gemütsverdüsterungen der Äffin zuschreiben, lässt sich die Trennlinie zwischen dem „bösen“ instinktgeleiteten Tier und dem „guten“ vernunftgeleiteten Menschen nicht so einfach ziehen, wie uns die anderen Charaktere zeigen. Nach und nach verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse, zwischen altruistischem Wohlwollen und egoistischer Selbstsucht bei Pflegerin Maryanne genauso wie bei Allans Mutter. Auch Allan ist nicht mehr der nice guy, der er früher einmal war. Selbst bei Freund Geoffrey erweisen sich die Beweggründe als gemischter als anfangs angenommen.


    Fazit

    Das hilfreiche Tier wird durch die Nebenwirkungen wissenschaftlicher Manipulation zum Untier. Romeros Ausflug in das Subgenre des Tierhorrors lässt das Motiv des Mad Scientist Motiv anklingen und bietet wie schon in seiner Zombie-Trilogie eine gesellschaftskritische Lesart an. Obwohl Tom Savini die FX besorgt hat, darf sich der Zuschauer keine Splatterorgien erwarten. Dafür ist „Der Affe im Menschen“ zu sehr Drama, in dem Romero auf die Entwicklung von Figurenkonstellationen und Spannung wert legt. Zumal er sich ganz auf der psychologischen Ebene bewegt, was im großen Finale Mensch gegen Tier noch einmal deutlich – und von Allan explizit ausgesprochen – wird: Wird der naturschlaue Instinkt des Tieres oder die menschliche Fähigkeit zu lügen, betrügen und verraten den Sieg in diesem Duell davontragen?
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    3,5
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
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1988 ist Romero´s Meisterleistung im Genre des Tierhorrors entstanden und weiß bis heute zu begeistern. Die Atmosphäre in diesem Film ist überwältigend, da stört es mich persönlich noch nicht mal, dass er eher blutleer ist. Wenn es jedoch mal ...

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geschrieben am 09.06.2012 um 16:49

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ø Wertung: 7,3/10 | Wertungen: 6 | Kritiken: 1

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