Timbuktu

  • Informationen zum Film
  • Timbuktu

  • Originaltitel:
    Timbuktu
    Produktionsjahr:
    2014
    Kinostart Österreich:
    16.01.2015
    Kinostart Deutschland:
    11.12.2014
    Verleiher Österreich:
    Filmladen
    Verleiher Deutschland:
    Arsenal Filmverleih
  • Inhalt
  • Kidane lebt friedlich mit seiner Frau Satima, seiner Tochter Toya und Issan, einem kleinen, 12 Jahre alten Hirtenjungen in den Dünen, nicht weit von Timbuktu, das in die Hände religiöser Fundamentalisten gefallen ist.
    In der Stadt erdulden die Einwohner ohnmächtig das Terrorregime, das von den Dschihadisten eingesetzt wurde, um ihren Glauben zu überwachen. Musik, Gelächter, Zigaretten und sogar das Fußballspielen wurden verboten. Die Frauen sind zu Schatten geworden, die versuchen, würdevoll Widerstand zu leisten.

    Jeden Tag werden von auf die Schnelle eingesetzten Tribunalen tragische und absurde Strafen ausgesprochen. Kidane und seine Familie bleiben von dem Chaos in Timbuktu verschont. Aber ihr Schicksal ändert sich, als Kidane aus Versehen Amadou tötet, einen Fischer, der seine Lieblingskuh „GPS“ schlachtete. Nun muss er sich den neuen Gesetzen der ausländischen Besatzer stellen.

  • Filmkritik

  • Abderrahmane Sissako ist ohne Frage der bekannteste und wahrscheinlich talentierteste Regisseur Mauretaniens, der nicht davor zurückschreckt, kontroverse und hochaktuelle Themen in seinen Filmen aufzugreifen und Afrika und seine vielen verschiedenen Länder ehrlich porträitiert. Beschäftigte sich sein Film Bamako von 2007 noch mit Post-Kolonialismus und dem Alltag in der Hauptstadt von Mali, greift er nun in seinem neuen Film Timbuktu Ansar Dines Besetzung derselben Stadt in Mali auf.

    Die Art, wie Sissako seine Themen behandelt, ist durchtränkt von einem nüchternen und ehrlichen Blick auf den Terror, die Bevormundung und die schiere Willkür, die in Timbuktu herrschte. Um dieses Bild eindringlich darzustellen, zeigt Sissako und mehrere kleine Geschichten, die entweder mit den Einwohnern oder den Taten der islamischen Polizei zu tun haben. Subtil und ohne Sentimentalität entsteht somit ein hintergründig erschreckendes und beklemmendes Abbild des alltäglichen Terrors. Es ist ein Strudel, der einen langsam in seinen Bann zieht und am Ende nicht mehr loslässt. 



    Die verschiedenen Handlungen verdichten sich immer mehr. Die Stimmung, die Sissako erzeugt, ist eine der Ruhe vor dem Sturm, lakonisch marschieren die Ansar Dine Soldaten durch Timbuktu, was sie allerdings nicht minder gefährlich macht. Dem Terror wird dadurch lediglich ein menschliches Antlitz gegeben, was noch erschreckender ist. Dass dies keine übernatürlichen Monster sind, die diese Sachen tun, sondern Menschen.

    Die Schauspieler sind allesamt äußerst überzeugend. Timbuktu besitzt ein ausgezeichnetes Ensemble, das eindringlich und vielschichtig die verschiedenen Figuren darstellt. Ibrahim Ahmed dit Pino ist ausgezeichnet subtil als Kidane, ebenso wie Toulou Kiki, deren Gesicht und Mimik man noch lange nach Ende des Filmes im Gedächtnis behalten wird. Nur ihr Blick und ihre Gesten sind schon aussagekräftig genug. Die Kinderschauspielerin Layla Walet Mohamed als Toya ist überaus natürlich und authentisch, während der Anführer von Ansar Dine, gespielt von Salem Dindou, ambivalent und geheimnisvoll bleibt. Er ist kein radikaler Schreihals, sondern jemand, der mit der einfachsten Ruhe die schlimmsten Dinge rationalisiert, ohne mit der Wimper zu zucken.



    Visuell ist der Film an einigen Stellen sehr einfallsreich ausgefallen und kann besonders in einer langen Szene am See (die Umstände werden aus Spoilergründen hier vage gehalten) auf ganzer Linie überzeugen. Die Ausstattung ist durchwegs passend und schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne, zwischen Wüstenschleier und Smartphone, Pfefferminztee und Kalashnikov. Besonders auffallend gut ist die Filmmusik von Amin Bouhafa, die eine Mischung aus traditionellen Instrumenten und Orchester darstellt und manchen Szenen eine lyrische Qualität verleiht.

    Fazit:
    Timbuktu ist ein ausgezeichneter Film, der durch sein durchdachtes und subtiles Konzept zu überzeugen weiß. Das Drehbuch ist intelligent und gut aufgebaut, ebenso wie Abderrahmane Sissakos meisterhafte Regie. Sissako versteht es, den Schrecken des radikalen Islam in einen 98-minütigen Mikrokosmos zu verdichten und damit mehr zu sagen, als viele andere Filme, die sich dieses leider immer noch hochaktuellen Themas annehmen. Ein ausgezeichneter und vor allem wichtiger Film, der notwendig und dazu noch großartig gemacht ist.



  • Wertungen
  • Story
    4,5
    Musik:
    4,5
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
    Phil Heron
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