Boyhood

  • Informationen zum Film
  • Boyhood

  • Originaltitel:
    Boyhood
    Produktionsjahr:
    2014
    Kinostart Österreich:
    05.06.2014
    Kinostart Deutschland:
    05.06.2014
    Verleiher Österreich:
    Universal Pictures International Austria
    Verleiher Deutschland:
    Universal Pictures International
  • Inhalt
  • BOYHOOD entstand in vielen kurzen Drehphasen zwischen 2002 und 2013 und erzählt vom Erwachsenwerden eines Jungen im Kreise seiner Familie über die Dauer von 12 Jahren. Eine fiktive Geschichte, erzählt in realen Zeitintervallen – Regisseur Linklater gelang mit seinem neuesten Film ein noch nie dagewesenes cineastisches Experiment und Meisterwerk zugleich. Im Zentrum der Geschichte steht Mason (Ellar Coltrane), den der Film in seinem Alltag von seinen schulischen Anfängen im Alter von sechs Jahren bis zu seinem Eintritt ins College begleitet.
    BOYHOOD zeichnet ein emotional tief berührendes Porträt der Jugend mit all ihren Höhen und Tiefen. Eine Hymne an das Leben voller erzählerischer Kraft und Leichtigkeit.

  • Filmkritik

  • Mit Boyhood hat Richard Linklater vor 12 Jahren ein Projekt begonnen, in dem eine amerikanische Kindheit gezeigt wird und der Weg vom Kind zum jungen erwachsenen. Coming-of-Age Filme gibt es natürlich viele, doch in Boyhood hatte sich Linklater entschlossen, über eine Zeitraum von 12 Jahren immer wieder Szenen mit dem selben Schauspieler zu drehen, anstatt für jedes Alter andere Darsteller zu verwenden. Die Wahl fiel 2002 auf den damals siebenjährigen Ellar Coltrane, der gemeinsam mit den anderen Schauspielern jedes Jahr versammelt wurde, um neue Szenen zu drehen.
    Dabei hatte Linklater aber bedacht, dass sich Kinder sehr stark verändern und hatte sich daher entschlossen, das Drehbuch diesen Veränderungen anzupassen und es falls notwendig zu ändern. Das Resultat dieses Experiments ist Linklaters berührendster und authentischster Film, der einfühlsam und nüchtern das Heranwachsen von Mason Jr. (Coltrane), seiner Schwester (Lorelei Linklater) und seiner das Leben seiner geschiedenen Eltern (Patricia Arquette und Ethan Hawke) zeigt.

    Durch die besondere Struktur des Films entsteht anfänglich ein episodenhaftes Gefühl, das verschiedene, mal kürzere, mal längere Eindrücke aus dem Leben von Mason zeigt. Anfänglich ist es noch ein wenig schwer, sich an der sehr abgehakten Handlung festzuhalten, da in den ersten ca. 20 Minuten viele Dinge passieren und am Anfang dem Zuschauer noch kein Anhaltspunkt gegeben wird.



    Dies löst sich allerdings nach dieser kurzen Eingewöhnungszeit auf und je länger die Episoden werden, desto mehr scheint auch Linklaters Idee gewachsen zu sein und das Konzept nimmt langsam Form an. Ab diesem Punkt ist es nicht mehr möglich, sich dem Bann des Films zu entziehen und der Film (so wie der Regisseur) haben ihren Weg gefunden, der nun in seiner eigenen Form voranschreitet.

    Der Film ist voll von emotionalen Höhen und Tiefen, die Linklater sehr glaubhaft und intensiv inszeniert, besonders die Szenen mit Bill, dem trinkenden und gefährlichen zweiten Mann von Masons Mutter jagen einem einen kalten Schauer über den Rücken und sind genuin unangenehm dargestellt, sodass man die Anspannung fast am eigenen Leib fühlen kann. Selten sieht man heutzutage in einem Film eine so natürliche und doch maßgebliche Charakterentwicklung und durch den Zeitablauf kann man die Entwicklung dieser Familie besonders gut sehen. Linklater hat Figuren geschaffen, die am Ende des Films vollkommen anders da stehen als am Anfang und den Film auch zu einer Art Reise machen, die den Zuschauer eindrucksvoll, aber ohne Gefühlsduselei oder Sentimentalität mitreißt.



    Ellar Coltrane in der Hauptrolle ist schlichtweg eine Offenbarung, denn in Boyhood kann man Coltrane geradezu dabei zuschauen, wie er sich vom schüchternen Kinderschauspieler bis zum talentierten Jungschauspieler während des Films entwickelt. Denn nicht nur seine Figur entwickelt sich, sondern auch sein Talent als Schauspieler, der es schafft, das Gefühlsspektrum seiner Figur ausgezeichnet darzustellen. Patricia Arquette, die man in den letzten Jahren leider viel zu wenig in Filmen sieht, beweist mit Boyhood, dass sie heute definitiv in der amerikanischen Kinolandschaft fehlt, denn in ihre Rolle bringt sie die übliche Arquette'sche Aura mit sich, die sie schon in Filmen wie Human Nature, Lost Highway oder Ed Wood strahlen ließ. Ethan Hawke als Mason Sr. ist ebenfalls ausgezeichnet und spielt eine sich während dem Film von Grundauf verändernde Figur, ebenso wie Lorelei Linklater. In den Nebenrollen sind u.a. Mark Perellas intensive und furchteinflössende Darstellung des Alkoholikers Bill sowie Brad Hawkins als Jim besonders hervorzuheben.

    Kamera und Licht gestalten sich in Boyhood ohne große Einfällt oder komplexe Kamerafahrten, die Kamera von Lee Daniel und Shane F. Kelly bleibt immer sehr nah an den Figuren. In Falle von Boyhood ist dies wahrscheinlich auch die beste Lösung, weil hier der Mensch und die Geschichte im Mittelpunkt steht. Auf Filmmusik wurde vollkommen verzichtet, lediglich ein paar Songs werden an den richtigen Stellen eingesetzt, denn die Gefühle, die das Drehbuch und die Darsteller uns zeigen stehen für sich selbst und wirken auch ohne dauernde musikalische Untermalung.




    Fazit:

    Richard Linklaters Boyhood ist ein berührender und natürlicher Film über das Heranwachsen, der unprätentiös daherkommt und ohne große Stilisierung auskommt, dabei aber auch nicht dem Realismuswahn verfällt, dem andere Filme anhaften. Mit einem interessanten und abwechslungsreichen Drehbuch und ausgezeichneter Regie ist Linklaters neuer Film ein spannender und intensiver Film, der fesselt und fühlen lässt, ohne dem Zuschauer sagen zu wollen, was er zu fühlen hat. Besonders durch die großartige Darbietung der Schauspieler und das originelle Konzept wird Boyhood ein Klassiker des Coming-of-Age Films werden und ist Linklaters bewegendster und wahrscheinlich bester Film bis dato.

  • Wertungen
  • Story
    4,5
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    5,0
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
    Phil Heron
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Userkritiken

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Ja, es ist absolut honorierend was Richard Linklater samt Crew hier über 12 Jahre auf die Beine gestellt hat. So gesehen vermittelt einem der Film, dass er "DER" Coming-of-Age Vertreter seines Genres ist. Der Film war zwar interessant aber leider gi...

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geschrieben am 07.08.2015 um 08:46

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ø Wertung: 6,8/10 | Wertungen: 5 | Kritiken: 1

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