Snatch - Schweine und Diamanten

  • Informationen zum Film
  • Snatch - Schweine und Diamanten

  • Originaltitel:
    Snatch.
    Genre:
    Krimi, Thriller
    Produktionsländer:
    USA, UK
    Produktionsjahr:
    2000
    Kinostart Deutschland:
    22.03.2001
    Kinostart USA:
    19.01.2001
  • Inhalt
  • Schon mal was von "One Punch Mickey" gehört? Oder von "Franky Four Fingers"? Wahrscheinlich nicht, aber sehen Sie hier: Brad Pitt als "One Punch Mickey", ein irischer Zigeuner, der den härtesten Schlag in der Geschichte des illegalen Boxens hat. Man versteht nie genau, worüber er spricht, aber wenn er zuschlägt, sind alle Unklarheiten beseitigt. In dieser Wahnsinnsgeschichte aus der englischen Unterwelt geben nur die schrägsten Gestalten den Ton an. Mit von der Partie: Benicio del Toro ("Die üblichen Verdächtigen") als spielsüchtiger Mafiosi "Franky Four Fingers" und Dennis Farina ("Get Shorty").

  • Filmkritik

  • Snatch – Schweine und Diamanten aus dem Jahr 2000 ist Guy Ritchies zweite Regiearbeit nach Lock, Stock And Two Smoking Barrels (Bube Dame König Gras) und schon die verschiedenen Übersetzungen des Wortes „snatch“ deuten an, was für ein vielschichtiger Film Guy Ritchie Fans erwarten wird. „Snatch“ könnte man als stehlen, kidnappen, schnappen oder auch Bruchstück übersetzen und in all diesen Bedeutungen spiegelt sich die Handlung des Films – zusätzlich ist es außerdem ein vulgärer Ausdruck für weibliche Geschlechtsorgane, was bei den sittsamen Briten wohl für noch zusätzliche Aufregung gesorgt haben könnte.


    Snatch – Schweine und Diamanten lässt Kriminelle verschiedenster Kaliber aus Londons Unterwelt schicksalhaft aufeinanderprallen. Vom kleinen Gelegenheitsdieb über Auftragskiller bis zum skrupellosen Boss geben sich die kuriosesten Charaktere die Klinke in die Hand. Irgendwo dazwischen findet sich Turkish (Jason Statham), der illegale Boxkämpfe promotet und der ein Problem bekommt, als ihm ein Boxer ausfällt und er stattdessen „One Punch“ Mickey (Brad Pitt) in den Ring stellt. Dieser hält sich nämlich nicht an Absprachen, was wiederum den Gangsterboss Brick Top (Alan Ford), der gerne Leichen an Schweine verfüttert, sehr wütend macht. Brick Tops Laune hält sich sowieso in Grenzen, muss er sich doch mit der Verfolgung zweier Kleinkrimineller rumschlagen, die ihrerseits von dem gefährlichen Russen Boris „The Blade“ Yurinov (Rade Šerbedžija) beauftragt wurden, einen Koffer zu beschaffen. In dem Koffer, der an Franky „Four Fingers“ (Benicio del Toro) Arm gekettet ist, befindet sich ein 86-karätiger Diamant, der eigentlich an den amerikanischen Diamantenhändler Avi Denovitz (Dennis Farina) verkauft werden sollte. Als Franky plötzlich verschwindet, kommt Avi nach London, um mit dem Killer „Bullet Tooth Tony“ (Vinnie Jones) und seinem Cousin Doug „The Head“ Denovitz nach ihm zu suchen. Ihre Suche wird sie auch zu illegalen Boxkämpfen führen und so führt das clever inszenierte Drehbuch die unterschiedlichen Handlungsstränge voller stereotyper Figuren letztendlich zusammen.



    Jason Statham, Stephen Graham, Benicio del Toro, Vinnie Jones und Brad Pitt überzeugen in ihren Rollen als genervte Ganoven. Alle Charaktere scheinen gleichermaßen genervt vom Leben und dennoch zu lässig für selbiges. Obwohl die Situationen mehr als brenzlig werden und oftmals eskalieren, gelingt es den Charakteren – jenen die sterben, werden sogar noch im Augenblick ihres Filmtodes – immer eine kalkulierte Gleichgültigkeit zu bewahren. Das liegt nicht an schlechtem Schauspiel der Darsteller – sie machen ihre Sache großartig, besonders Brad Pitt weiß als nuschelnder „One Punch“ Mickey zu überzeugen und hat in Snatch vermutlich eine der amüsantesten Rollen seiner Karriere – sondern an den von Guy Ritchie geschaffenen Figuren, die in ihrer Abgebrühtheit fast als Weiterentwicklung der Charaktere in Lock, Stock And Two Smoking Barrels betrachtet werden können. Waren die Charaktere in Richties Erstling noch unerfahren, so haben sie in Snatch alles gesehen und alles erlebt. Nichts kann sie mehr aus der Ruhe bringen, Gefahr wirkt auf sie eher als lästige Alltäglichkeit.



    Auch das Drehbuch von Snatch – Schweine und Diamanten erinnert von seiner Struktur an Lock, Stock And Two Smoking Barrels, bei dem ebenfalls mehrere Handlungsstränge geschickt miteinander verwoben werden. Später wird Guy Ritchie mit Rocknrolla versuchen, dieses Erfolgsrezept erneut aufzugreifen und auch wenn sich Abnutzungserscheinungen einstellen, wird es ihm auch ein weiteres Mal gelingen. Oftmals, wenn auch völlig unnötig, wird ein Vergleich zu Tarantinos Gangsterfilmen gezogen. Tarantino hat mit Pulp Fiction sicherlich einen der bedeutsamsten und repräsentativsten Gangsterfilme der Neunziger geschaffen, jedoch irritiert er in seinen Werken das Publikum noch zusätzlich durch die Aufteilung in Kapitel, die nicht immer in der chronologisch richtigen Reihenfolge sind und seine Charaktere wirken noch deutlich wahnwitziger als Ritchies. Guy Ritchie stattet seine Jungs – Frauen spielen bei Snatch tatsächlich kaum eine Rolle – meist mit ein oder zwei markanten Eigenschaften oder Hintergründen aus und lässt sie dann vor allem durch ihre vorlauten Sprüche aufblühen, während Tarantino-Charaktere ihre Tiefe und Glaubwürdigkeit vor allem aus den außergewöhnlichen und scheinbar alltäglichen Dialogen ziehen. Pulp Fiction mag Guy Ritchie beeinflusst haben, in eine Konkurrenz treten die beiden Regisseure aber nicht und Tarantinos Filme sprechen Ritchies Werken sicherlich nicht die Existenzberechtigung ab.



    Fazit:


    Snatch baut auf den selben Stärken auf, die auch schon Guy Ritchies Filmdebüt Lock, Stock and Two Smoking Barrels zu einer sehenswerten, amüsanten Gangsterkomödie mit einer geschickt verwobenen Handlung gemacht haben. Das Drehbuch führt völlig verrückte Charaktere in scheinbar unabhängig ablaufenden Geschichten zusammen, bis alle Enden aufgelöst sind. Auch wenn das Drehbuch und seine Auflösung bis ins kleinste Detail konstruiert wirken, macht es unglaublich Spaß, den Prozess dieser Auflösung zu beobachten, was an den unglaublich starken Darstellern liegt. Als zweites Werk von Guy Ritchie hat Snatch geholfen, seine Art Geschichten zu erzählen, Charaktere zu schreiben und wie er diese ästhetisch umsetzt, bei den Fans zu etablieren. 


    Freunde von Brad Pitt oder Jason Statham aber auch von Gangsterfilmen im Allgemeinen sollten sich Snatch – Schweine und Diamanten sowieso keines Falls entgehen lassen, doch gehört Snatch sicherlich auch zu den bedeutsamsten Filmen in Guy Ritchies Filmographie.  

  • Wertungen
  • Story
    4,5
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    5,0
    Anspruch:
    3,5
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
    Johannes Mayrhofer
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Userkritiken

Userkritiken

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Erst gestern hab ich mir diesen zum Klassiker stilisierten Guy Ritchie Film angesehen. Und er war tatsächlch fantastisch. Überhaupt hab ich solche ineinander fließenden Storystränge recht gerne, da einem Regisseur viel mehr Entfaltung ermöglicht...

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geschrieben am 07.08.2015 um 08:44

Irgendwie, weiß ich nicht so recht, was ich von Guy Ritchie halten soll. Einerseits liefert er coole Filme ab wie Snatch- Schweine und Diamanten und dann auf der anderen Seite Sachen, wie die Sherlock Holmes Filme.

Zur Handlung: Wir begeben uns ...

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geschrieben am 01.02.2013 um 13:39

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ø Wertung: 8,1/10 | Wertungen: 18 | Kritiken: 2

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