Byzantium

  • Informationen zum Film
  • Byzantium

  • Originaltitel:
    Byzantium
    Genre:
    Thriller, Fantasy, Drama
    Produktionsland:
    UK
    Produktionsjahr:
    2012
    Verleiher Deutschland:
    Universum Film
  • Inhalt
  • Als Vampire gejagt, befinden sich Eleanor und ihre Mutter Clara seit über 200 Jahren stets auf der Flucht. Während Clara ein Auge auf die Zukunft richtet und kein Interesse an der Vergangenheit hat, ist Eleanor nach der langen Zeit des Fliehens und Versteckens erschöpft und möchte sich endlich an einem Ort niederlassen. Als sie ihr Weg in ein verschlafenes britisches Seebad verschlägt finden sie in dem heruntergewirtschafteten Hotel Byzantium ihre neue Bleibe. Schon bald hat Clara das Etablissement zu einem gut laufenden Bordell umfunktioniert. Ihr Kommen bleibt jedoch nicht unbemerkt: Die mysteriöse Bruderschaft, die ihren Spuren folgt, zieht immer engere Kreise. Das Mutter-Tochter-Gespann muss sich eingestehen, dass sie vor ihrer Vergangenheit nicht ewig fliehen können…

  • Filmkritik

  • Der irische Regisseur Neil Jordan stand zuletzt für die Historien-Serie Die Borgias hinter der Kamera, hat sich währenddessen mit Byzantium aber erneut ins Fantasy-Genre eingeschlichen. Nach Filmen wie The Crying Game und Interview mit einem Vampir blieben die Pforten zu den Academy Awards für ihn dieses mal zwar geschlossen, seine Qualitäten als Regisseur stellt er bei der Verfilmung von Moira Buffinis Stück aber erneut unter Beweis. Mit Gemma Arterton (Hänsel & Gretel: Hexenjäger) und Saoirse Ronan (Wer ist Hanna?) lässt er dieses Mal ein diabolisches Duo auf die Welt los, das zumindest aus Schauspielsicht erstklassige Voraussetzungen für einen souverän gespielten Film schafft. Vorausgesetzt natürlich, Gretel und Hanna bilden vor der Kamera eine harmonische Einheit…

    Was haben Michael Bays Die Insel, Martin Scorseses Shutter Island und Christopher Smiths Triangle gemeinsam? Die Filme sind handwerklich gut gemacht und funktionieren innerhalb ihres Genres sehr gut, werden aber erst zum ganz besonderen Filmerlebnis, wenn man sich vorab erst gar nicht mit inhaltlichen Details abgibt und sich einfach auf die Geschichte einlässt. Denn gerade jene fehlenden Informationen sind es, die diese Filme ihren Aha-Effekt verdanken. Nun, auch wenn die größten Stärken von Byzantium anderer Natur sind, ist es an dieser Stelle ratsam, nichts über den tatsächlichen Inhalt zu verraten und möglichst wenig vorwegzunehmen.



    Man steigt mit Eleanor (Saoirse Ronan) als Erzählerin ein, die den Zuseher fortan auch aus dem Off begleiten wird. Sie bringt ihre Geschichte zu Papier, wirft diese Seite für Seite zum Fenster raus und lässt sie vom Wind an ihr Ziel tragen. Ihre Art zu schreiben, zu erzählen lässt gleich zu Beginn etwas Poetisches in Byzantium erklingen, das sich hervorragend mit der morbiden Ästhetik des Films ergänzt. Die Nacht wird Blutrot getränkt, tagsüber kommt der kühle Farbfilter zum Einsatz, der Dank Neon-Beleuchtung dennoch schöne, bunte Bilder ermöglicht. Kälte strahlt auch der Wind aus, der unaufhörlich sein Unwesen zu treiben scheint. Der tristen, aber dennoch gewaltigen Bildsprache von Sean Bobbitt, der mit äußerstem Feingefühl beeindruckende Kulissen ebenso formvollendet einfängt, wirkt ein warmer Soundtrack klassischer Musik entgegen, der seines Gleichen sucht.

    Es stellt sich nun die Frage, ob Arterton und Ronan eine gute Wahl für die Besetzung der Hauptcharaktere waren, die eindeutig mit „Ja“ zu beantworten ist. Dank ihrer Rollen in Prince of Persia oder Ein Quantum Trost dürfte Gemma Arterton zwar mittlerweile ein bekanntes Gesicht haben, entscheidendes Argument, sie für die Rolle der Gretel in der Hollywood-Trash-Version des Grimm Märchens anzuwerben, dürfte aber ihr Auftritt in Byzantium gewesen sein. Denn abgesehen von ihrer darstellerischen Leistung, darf sie sich hierfür erstmals in Lack und Leder schmeißen und lässt dabei zweifelsohne das ein oder andere Männerherz höher schlagen. Saoirse Ronan spielt als eine der größten Nachwuchs-Hoffnungen Hollywoods gewohnt gut, auch wenn sie in gewissen Einstellungen exakt gleich in Szene gesetzt wird, wie in einigen ihrer anderen Filme. In den Nebenrollen findet man größtenteils unbekannte, zumindest aber unverbrauchte Darsteller wie Daniel Mays (The Bank Job) oder Kate Ashfield (Shaun of the Dead) wieder, was dem Film auch gut tut.



    Auch wenn der Film, wenn man’s so will, zwischen den Zeiten springt und jede Ära authentisch in Szene gesetzt wird, gelingt es ihm nicht jene mit einem roten Faden zu verknüpfen. Die Geschichte flaut stellenweise ab und verliert dabei auch noch an Struktur. Es macht fast den Eindruck, als würde der Regisseur einen den Film so hinwerfen wollen, wie es Eleanor mit ihrer Geschichte tut. Die inhaltlichen Knackpunkte häppchenweise zu servieren gelingt anfangs auch noch gut und lässt das Ende der Geschichte mit Spannung erwarten, sorgt aber letzten Endes für ein verworrenes Mittelstück. Die Aufklärung jedweder Umstände und ein spannendes Finale sorgen zwar für einen versöhnlichen Schluss, machen die strukturellen Auswüchse aber nicht ungeschehen.


    Fazit:

    Wer Gemma Arterton und Saoirse Ronan gerne sieht, Fan von Regisseur Neil Jordan ist oder sich vom Filmplakat angesprochen fühlt, sollte Byzantium eine Chance geben, ohne einen Blick auf Inhaltsangaben zu werfen – denn die könnten in jenem Fall zu viel verraten und würden den Film höchstwahrscheinlich weniger interessant machen.

    Byzantium lebt von seiner morbiden Schönheit in Musik und Bildsprache, seinen tollen DarstellerInnen und einer interessanten Geschichte. Hätte man jene auch mit Übersicht erzählt, könnte man den Film Fantasy-Fans uneingeschränkt empfehlen. So aber bleibt ein fahler Beigeschmack zurück, der Byzantium zwar immer noch sehenswert bleiben lässt, ihm aber seiner Möglichkeiten beraubt, noch mehr zu sein.




    Wertungen
  • Story
    3,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    2,5
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
    Daniel Fabian
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BILDER ZUM FILM

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Klingt gut, wird bei Zeit geschaut!

geschrieben am 28.12.2013 um 12:05 Uhr #1

 

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geschrieben am 07.08.2015 um 08:27

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ø Wertung: 7/10 | Wertungen: 3 | Kritiken: 1

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