Der Medicus

  • Informationen zum Film
  • Der Medicus

  • Originaltitel:
    Der Medicus
    Produktionsjahr:
    2013
    Kinostart Österreich:
    25.12.2013
    Kinostart Deutschland:
    25.12.2013
    Verleiher Österreich:
    Universal Pictures International Austria
    Verleiher Deutschland:
    Universal Pictures International
  • Inhalt
  • England im 11. Jahrhundert – Rob Cole (Tom Payne) hat eine außergewöhnliche Gabe: Als kleiner Junge fühlt er, dass seine kranke Mutter sterben wird und muss hilflos zusehen, wie sich seine Vorahnung erfüllt. Auf sich allein gestellt, schließt sich der junge Waise einem fahrenden Bader (Stellan Skarsgård) an, der ihm neben den üblichen Taschenspielertricks auch die Grundlagen der mittelalterlichen Heilkunde nahe bringt. Schon als Lehrling erkennt Rob die Grenzen dieser einfachen Praktiken. Eines Tages erfährt er von dem berühmten Universalgelehrten Ibn Sina (Ben Kingsley), der im fernen Persien Medizin lehrt, und er beschließt, sich dort zum Arzt ausbilden zu lassen. Auf seiner Reise begegnet Rob Cole zahllosen Gefahren und Herausforderungen, muss Opfer erbringen und sich seinen Weg bedingungslos erkämpfen. Am Ende wird sein unbeirrtes Streben nach Wissen mit Erkenntnissen über die Welt und über sich selbst mit Freundschaft und wahrer Liebe belohnt.

  • Filmkritik
  •  



    Einst, es war vor etwa 993 Jahren, herrschten in England dunkle Zeiten mit rauen Sitten. Ein Arzt und ein Barbier waren dasselbe, Kinder gingen nicht zur Schule, sondern in die Mine arbeiten. In einer eben solchen Mine und in eben jener Zeit und an jenem Ort wächst der junge Rob Cole auf, der, als seine Mutter im Sterben liegt, erkennt, dass er eine besondere Gabe hat: Durch Berührung kann er erkennen, ob Menschen bald sterben werden oder nicht. Willkommen im fiktiven England des 11. Jahrhunderts, willkommen in der Welt von Der Medicus.


    The Physician, wie die literarische Vorlage von Noah Gordon und auch der Film im englischen Original heißen, erschien erstmals 1986. Laut den Produzenten des Films sei Der Medicus einer der letzten großen unverfilmten Megaseller unserer Zeit und mit dem Ziel, das zu ändern, machte man sich in der Tradition europäischer Großproduktionen wie Der Name der Rose, Die Päpstin und Das Parfüm mit dem vielseitigen und gelobten Regisseur Philipp Stölzl hinter der Kamera ans Werk.



    Philipp Stölzls Schaffen umfasst Filme wie Nordwand und Goethe!, reicht darüber hinaus aber auch zu diversen Opern-Inszenierungen wie etwa Benvenuto Cellini bei den Salzburger Festspielen 2007, Werbevideos und zahlreichen Musikvideos zu den Liedern namhaften Bands und Künstler wie Rammstein („Du Hast“), Madonna („American Pie“), dem James Bond Titellied „The World is not enough“ von Garbage und diversen Clips für Evanescene, die Toten Hosen, die Ärzte, Anastacia oder a-ha. Sein Stil ist dabei oftmals sehr kühl gehalten, was perfekt zu den trostlos gehaltenen Szenen im England passt und einen reizvollen Kontrast zum prachtvoll inszenierten Persien erzeugt, wohin es den jungen und lernwilligen Cole auf seiner Suche nach Fortschritt und Erkenntnis im Verlauf seiner Reise verschlägt. Akribisch an die literarische Vorlage hält sich Der Medicus dabei allerdings nicht.


    Robs (Tom Payne) Reise beginnt in England, wo er von einem Barbier (Stellan Skarsgård) in die Grundzüge des örtlichen Medizinwesens eingeführt wird. Als er jüdische Heiler beobachten kann, erkennt er, dass ihre Techniken der Medizinkunde seines Meisters weit überlegen sind. Sie verraten ihm, dass im Osten ein legendärer Heiler namens Ibn Sina (Ben Kingsley) sein Wissen in einer Art Universität weitergibt, Christen seien jedoch in dieser fernen Stadt nicht zugelassen. Rob verabschiedet sich vom Meister, gibt sich als Jude aus und macht sich auf die beschwerliche Reise, die zumindest für die Zuschauer jede Menge großartiger Panoramaaufnahmen, fremdländischer Städte und Gefahren wie Sandstürme und räuberischer Wüstenvölker bietet. Auf seiner Reise lernt er auch die schöne Rebecca (Emma Rigby) kennen, ihre Liebesgeschichte, die im Trailer des Films noch groß angekündigt wird, bekommt aber überraschend wenig Stellenwert. Viel mehr geht es um kulturelle Kontraste, verschiedene Religionen, deren Umgang miteinander, um Fragen von Ethik, Moral und Recht und wie Religion und Wissenschaft zur damaligen Zeit aufeinander wirken.



    In der Stilistik und Umsetzung gibt sich der Film Mühe, das elfte Jahrhundert auch als eben solches zu zeigen, Zähne sind hässlich, Menschen sind verdreckt, Sehgewohnheiten des gefälligen Kinogängers und Sandalen-Epos Fans werden beleidigt. Ganz konsequent wird der Stil dann aber nicht durchgezogen, Rob, seine reichen Freunde und die potentielle Traumfrau Rebecca sind dann doch meist hübscher, sauberer und mit weißeren Zähnen, als ihr Umfeld und man sollte sich auch besser einfach damit abfinden, dass Rob das Lesen arabischer Bücher nebenbei beherrscht und die ganze arabische Welt fließend Englisch spricht. Auch finden sich für Fehlerfetischisten zweifellos andere unhistorische Details, wie sie bereits in der literarischen Vorlage stecken und die den Genuss dieses fiktionalen Historien-Epos nur trüben, wenn man es unbedingt darauf anlegt. Besonders hervorzuheben ist die ausgezeichnete musikalische Untermalung von Ingo Ludwig Frenzel. Sie unterlegt diegetisch oder extradiegetisch die Szenerie immer mit glaubhaften Melodien. Diese reichen von stereotypen Mittelalterklängen bis zu orientalischen Stücken und untermalen die unterschiedliche Optik des Films abwechslungsreich und treffend.


    Fazit:


    Neben dem zweiten Hobbit, der wohl noch eine ganze Weile die größten Kinosäle für sich beanspruchen wird, hat sich die europäische Produktion Der Medicus einen denkbar schwierigen Starttermin gesetzt, was bedauerlich ist, denn die 155-minütige Literaturumsetzung hat mit ihren beeindruckenden Bildern und Szenen ebenfalls eine große Leinwand verdient. Während der Trailer mit scheinbar bombastischen Schlachtszenen und dem Versprechen einer unsterblichen Liebesgeschichte möglicherweise etwas falsche Erwartungen weckt, kann sich der Film, der vor allem philosophische, religiöse und wissenschaftliche Kernfragen anspricht und in ein historisches, aber dennoch fiktionales Setting einbettet, mit guten Schauspielern, einem unglaublichen Soundtrack und einer tollen Regie auf jeden Fall sehen lassen. Auch wenn ein Film sicherlich nicht reicht, um diese schwierigen Themen wirklich vernünftig zu betrachten, so kann Der Medicus dennoch Denkanstöße liefern. Wer es lieber wirklich abenteuerlich und rasant mag, ist bei der Mittelerde-Konkurrenz besser aufgehoben.


  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    5,0
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
    Johannes Mayrhofer
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Komentare (1)

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aber smaugs einöde hat doch eh jeder jetzt schon gesehen, da werden genug in den medicus gehen!!! nach dem trailer habe ich mich jedenfalls darauf gefreut und ich werde mir medicus wohl schon ansehen und 3,5 klingt jetzt ganz akzeptabel...

geschrieben am 25.12.2013 um 12:10 Uhr #1

 

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