Venus im Pelz

  • Informationen zum Film
  • Venus im Pelz

  • Originaltitel:
    La Vénus à la fourrure
    Produktionsjahr:
    2013
    Kinostart Österreich:
    22.11.2013
    Kinostart Deutschland:
    21.11.2013
    Verleiher Österreich:
    polyband Medien GmbH
    Verleiher Deutschland:
    PROKINO Filmverleih GmbH
  • Inhalt
  • Nach einem langen Tag voller Castings ist der Pariser Theaterregisseur Thomas (Mathieu Amalric) kurz davor alles hinzuwerfen. Keine der Schauspielerinnen entspricht seinen Vorstellungen. Da taucht plötzlich Vanda (Emmanuelle Seigner) auf, ein Bündel voll unbändiger Energie. Sie scheint all das zu verkörpern, was Thomas verabscheut: Sie ist vulgär, naiv und ungebildet – und sie würde vor nichts zurückschrecken, um die Rolle zu bekommen. Nur sehr widerwillig lässt er sie überhaupt vorsprechen. Während der Probe beginnt aber zwischen den beiden ein intensives Spiel, das die heimlichsten Leidenschaften weckt…

  • Filmkritik

  • "Gott hat ihn gestraft und hat


    ihn in eines Weibes Hände gegeben."


    Buch Judith 16. Kap. 7.


    … lautet der Epigraph der Novelle Venus im Pelz des österreichischen Autors Leopold von Sacher-Masoch, dem die zweifelhafte und unerwünschte Ehre zukam, dass der Masochismus nach ihm benannt wurde. In der Roman Polanski Verfilmung Venus im Pelz dient das Zitat nicht der Einleitung, sondern als Fazit. Doch ist die Vorlage für Polanskis neuen Film nicht direkt Sacher-Masochs Werk aus dem Jahre 1870, sondern das gleichnamige Zweipersonenstück des amerikanischen Bühnenautors David Ives, das 2010 Premiere hatte und sich kritisch aber amüsant mit Sacher-Masochs Materie auseinandersetzt.



    Die Verfilmung von Venus im Pelz erzählt nicht von Wandas und Severins frivoler Beziehung der literarischen Vorlage, sondern vom Regisseur Thomas, der in einem verlassenen Pariser Theater steht und kurz vorm Verzweifeln ist. Er möchte Masochs Werk auf die Bühne bringen, doch scheint ihm keine der vorsprechenden Darstellerinnen geeignet. Als plötzlich Vanda hereinplatzt und unverschämt verlangt, noch vorsprechen zu dürfen, ahnt Thomas nicht, wie sich sein Abend entwickeln wird, denn beim Vorsprechen werden für ihn die Grenzen zwischen Stück und Realität verschwimmen.


    Ist Thomas zunächst noch angewidert von Vandas derber Art und Taktlosigkeit, schafft sie es, ihn, als er ihr schließlich gestattet, doch vorzusprechen, sofort zu verzaubern. Wie ein anderer Mensch scheint sie in der Rolle, mit der sie es problemlos schafft, Thomas von der anweisenden Rolle des Regisseurs immer mehr in die devote Rolle der Figur Masochs zu ziehen. Feinfühlig gelingt es Vanda im Verlauf des Abends die Grenzen zwischen Figuren, Rollen, Rollenbildern und sogar der scheinbar fixierten Geschlechterrollen aufzuheben.


     


    Immer wieder fällt Vanda plötzlich aus der Rolle und führt Thomas, die Konfrontation suchend, aus Masochs Materie auf eine Meta-Ebene, in der sie über Sexismus, Pornographie und Frauenfeindlichkeit diskutiert, ehe sie unerwartet und ohne Übergang zurück in die Rolle springt und Thomas so langsam, aber sicher, immer deutlicher die Kontrolle auf der Bühne verliert.


    Filmtechnisch spielt Venus im Pelz die gesamte Zeit in einem leeren Theatersaal und auch das Ensemble beschränkt sich auf die beiden Darsteller Emmanuelle Seigner und den Bond-Bösewicht Mathieu Amalric. Mit perfektem Schauspiel und einem amüsanten wie intelligenten Drehbuch, das nicht nur den Stoff Masochs innovativ auflegt, sondern auch Platz zur Kritik an selbigem bietet, gelingt es den beiden problemlos, den Film über die volle Laufzeit bis zum eigenwilligen Finale zu tragen.



    Die Bedeutung und zunehmende Dramatik der Handlung vermittelt der Film, indem er Thomas und Vanda mit den Seiten des Skripts in der Hand, auf der Bühne agieren lässt und so etwa erotische Situationen meistens nicht tatsächlich geschehen, sondern schlicht durch das Vorlesen der Regiekommentare angedeutet werden. Dadurch gewinnt aber eine tatsächliche Berührung der beiden umso mehr an Bedeutung. Auch Teetassen oder etwa Peitschen sind auf der Bühne nicht direkt zu sehen, sondern werden von den beiden Probenden spontan pantomimisch interpretiert, wobei durch passende extra-diegetische akustische Untermalung, etwa durch das Klirren des Teelöffels oder das Schnalzen der Peitsche, der Realitätsverlust von Thomas für die Zuschauenden verdeutlicht wird.


    Fazit:


    Es gibt viele Arten ein geschriebenes Buch ins Medium Film zu übertragen. Einige Literaturverfilmungen halten sich akribisch an die Vorlage, andere gehen freier mit dem Originalstoff um, Roman Polanskis Venus im Pelz macht den Umweg über die Theaterbühne. Wichtig und unbedingt festzuhalten ist, dass eine Umsetzung in verschiedenen Medien völlig legitim ist und ein wertender Vergleich der verschiedenen Versionen nur selten Sinn macht. Im Fall von Venus im Pelz ist die Vorlage eine Novelle aus dem 19. Jahrhundert, die damals sicherlich für Aufsehen sorgte, aber auch heutzutage berechtigt hinterfragt werden kann, besonders wenn es um verschiedene Rollenzuschreibungen von Mann und Frau geht.


    Durch Polanskis Umweg über das Broadway-Stück kann so im Film oder Stück Venus im Pelz über die Novelle Venus im Pelz kritisch reflektiert werden, ohne dass der Originalstoff zu sehr entfremdet wird. Venus im Pelz ist ein Kammerspiel, das aus erzähltechnischer Sicht, aber auch als Geschichte selbst, ein spannender, innovativer, lustiger und höchst unterhaltsamer Film geworden ist, der die Quelle würdigt und dennoch nicht das 21. Jahrhundert als Zeitraum der neuen Interpretation leugnet. Es handelt sich übrigens bei weitem nicht um die erste filmische Umsetzung des Stoffes und man könnte Polanski fragen, ob seine Bearbeitung zu diesem Zeitpunkt etwa zufällig mit dem Erfolg von Fifty Shades of Grey in Verbindung stehen könnte – wobei darauf hingewiesen sein soll, dass sich die Erotik in Venus im Pelz auf einer deutlich subtileren Ebene abspielt – in jedem Fall ist La Vénus à la fourrure, wie der Film im französischen Original heißt, aber höchst unterhaltsam und sehenswert.


  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    2,5
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    5,0
    Gesamt:
    5,0
    Verfasst von:
    Johannes Mayrhofer
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Komentare (2)

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will den auch unbedingt noch sehen. hab mir erst kürzlich wieder tanz der vampire gegeben, polanskis eigener stil ist schon ziemlich genial...

geschrieben am 25.11.2013 um 20:28 Uhr #2

Stand sowieso auf meiner "To watch"-Liste, allerdings erst im Heimkino. Diese Kritik könnte mich aber ggf. echt umstimmen!

geschrieben am 15.11.2013 um 16:57 Uhr #1

 

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Roman Polanski nimmt sich nach “Der Gott des Gemetzels” wieder ein Theaterstück an, dieses Mal geht es um einen berühmten Roman “Venus im Pelz”. So werden wir in das Geschehn geworfen und dies immer ohne viel Erklärung, warum es eigentlich...

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geschrieben am 09.08.2014 um 13:44

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ø Wertung: 8,5/10 | Wertungen: 4 | Kritiken: 1

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