Der Kongress

  • Informationen zum Film
  • Der Kongress

  • Originaltitel:
    The Congress
    Produktionsjahr:
    2013
    Kinostart Österreich:
    11.10.2013
    Kinostart Deutschland:
    12.09.2013
    Verleiher Österreich:
    Polyfilm
    Verleiher Deutschland:
    Pandora Filmproduktion
  • Inhalt
  • Die Schauspielerin Robin Wright, deren Stern verblasst, bekommt ein beispielloses Angebot: ein Hollywood Studio will die Rechte an ihrer Person für 20 Jahre kaufen, sie scannen und ihr digitales Abbild für alle denkbaren Rollen besetzen, ohne Beschränkungen, ohne ihr Mitspracherecht. Im Gegenzug erhält sie eine astronomische Summe und das Versprechen, dass ihr digitales Ich niemals altert. Mit The Congress begleitet Regisseur Ari Folman (Waltz Wit h Bashir) Robin Wright bei ihrem Comebackversuch 20 Jahre später und nimmt uns mit auf eine fantastische Reise in die zukünftige Welt des Kinos. In einer faszinierenden Mischung aus animiertem und realem Film, frei basierend auf Stanislaw Lems Roman Der futurologische Kongreß, spielen an der Seite von Robin Wright in weiteren Rollen Harvey Keitel, Kodi Smit-McPhee, Jon Hamm, Danny Huston und Paul Giamatti.

  • Filmkritik

  • Vier Jahre nachdem auf Ari Folman und seinen semi-autobiographischen Trickfilm Waltz with Bashir ein internationaler Preisregen niederprasselte, erscheint der neue Film des israelischen Regisseurs. Auch in The Congress setzt er auf dichte Atmosphäre und markante Zeichenstile in den animierten Passagen, doch trotz vieler gelungener Aspekte kann der Film an atmosphärischer Dichte an seinen Vorgänger nicht heranreichen.

    Erzählt wird, wie die Schauspielerin Robin Wright (als sie selbst) dem Medium Kino in seine dystopische Zukunft folgt. Zunächst werden Schauspieler gescannt, dann wird ihr Aussehen als von Pharmakonzernen entwickelte Chemikalie zur Ware gemacht und am Ende können die Menschen sich durch für sie maßgeschneiderte Drogen jede Realität zusammenhalluzinieren, die sie wollen. Dieses pessimistische Szenario ist in seinen Grundsätzen keine Ausgeburt von Folmans Fantasie, sondern basiert auf dem Roman Futurologist Congress von Stanislaw Lem, der als Grundlage diente, in der Arbeit am Film jedoch frei bearbeitet wurde.




    Die Story birgt gerechtfertigte, mitunter auch furchteinflößende Ansätze, weist jedoch zu viele Lücken in der Logik auf, um wirklich mitreißen zu können. Die Machtstrukturen in der neuen Welt, die Menschen zu Sklaven ihrer Wunschvorstellungen macht, bleiben großteils unerläutert, auch das Schema, nach dem besagte Halluzinationen funktionieren, wird nur unzureichend erklärt. Wenn Robin Wright tatsächlich alle ihre Vorstellungen frei lenken kann, wieso kann sie ihren Sohn dann beispielsweise erst beim zweiten Anlauf finden? Obwohl von Farbenrausch und wunderbarem Soundtrack untermalt, entgehen Zuschauerinnen und Zuschauern Mängel wie diese nicht und auch stellenweise auftretende Längen schwächen die Zugkraft des Films.

    Obwohl das Potential der Story also nicht ideal ausgeschöpft wurde, können andere filmische Aspekte von The Congress durchaus überzeugen. Die Mischung von Real- und Trickfilm ist geglückt, die Animationen erinnern, thematisch passend, an psychedelische Filme der 60er und 70er wie Yellow Submarine. Gezeichnet sind nur die Sequenzen, in denen die Wahrnehmung der Protagonisten durch Drogen beeinflusst ist und obwohl der Stil zunächst gewöhnungsbedürftig anmutet, ergibt sich schnell ein detailliert durchdesignter Bilderrausch, der bald dieselbe Sogkraft wie die real gedrehten Szenen entwickelt. Auch der Soundtrack ist wunderbar, emotionale Melodien gehen einher mit schweren symphonischen Passagen und ergeben eine Filmmusik, die die manchmal lückenhaften und wirren Szenen zumindest teilweise in Zusammenhang setzen kann.




    Erwähnenswert sind auch die Darsteller der realen Sequenzen, denn obwohl Kodi Smit-McPhee als Robins Sohn Dylan nicht unbedingt eine Glanzleistung hinlegt, kann zumindest der Rest des Cast überzeugen. Vor Allem Harvey Keitel (Manager Al) und Sami Gayle (Tochter Sarah) treiben den Film durch ihr darstellerisches Können voran, auch Robin Wright spielt mitreißend.

    Trotz aller positiven Aspekte bleibt ein großes Problem des Films sein Hang zur emotionalen Übertreibung. Pathetische Dialoge stören die Entwicklung einer nachvollziehbaren Handlung ebenso wie moralisierende Tendenzen. Die Dystopie, die dargestellt wird, ist Kritik an Vermassung und Konsumgesellschaft, jedoch in unrealistischem Ausmaß. Obwohl Herrschaft durch Konsum längst Realität ist, scheint eine Ummünzung dieses Phänomens auf die gesamte Filmbranche in Anbetracht der Vielseitigkeit des Kinos doch eher überzogen. Der Ansatz scheint also nachvollziehbar, die Beschränkung auf den Film relativiert seine Relevanz aber weitgehend. Auch wenn die Branche nur exemplarisch für weitgreifendere gesellschaftliche Entwicklungen steht, kann die Handlung durch diese einseitige Verdichtung nicht genügend Überzeugungskraft entwickeln, um als im Bereich des Möglichen liegend gesehen zu werden.




    Fazit
    The Congress ist ein faszinierendes Filmprojekt, das jedoch nicht in jeder Hinsicht überzeugen kann. Auch wenn Bild und Ton hervorragend sind, bleiben doch Mängel in der Handlung, die die Sogwirkung des Filmes schwächen. Außerdem sind die Dialoge pathetisch so aufgeladen, dass es schwer fällt, sich wirklich in den Beziehungen zwischen den Figuren wiederzufinden, wodurch die Gespräche mitunter langwierig und unnachvollziehbar werden. Den Film zu sehen lohnt sich dennoch, das Konzept ist interessant und optisch sowie akustisch auch ausgezeichnet umgesetzt. Ein zum Nachdenken anregender Spiel- und Trickfilm ist Ari Folman also durchaus gelungen, trotz einiger Schwächen.

  • Wertungen
  • Story
    2,5
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    3,0
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Für mich ist Der Kongress der Film des Jahres. Ich habe selten so einen ambitionierten, ehrlichen und vielseitigen Film gesehen, der seine Idee der Forschreitenden Selbstvernichtung der Menschen so eindrucksvoll umsetzt. Finde Der Kongress eben so erstaundlich und atemberaubend wie Ari Folmans Waltz Witz Bashir. Von mir gibt es 5/5!

geschrieben am 02.11.2013 um 11:41 Uhr #1

 

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