Inside Wikileaks - Die fünfte Gewalt

  • Informationen zum Film
  • Inside Wikileaks - Die fünfte Gewalt

  • Originaltitel:
    The Fifth Estate
    Produktionsjahr:
    2013
    Kinostart Österreich:
    01.11.2013
    Kinostart Deutschland:
    31.10.2013
    Kinostart USA:
    15.11.2013
    Verleiher Österreich:
    Constantin Film
    Verleiher Deutschland:
    Constantin Film
  • Inhalt
  • THE FIFTH ESTATE begibt sich auf die Spuren von Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl), dem frühen Anhänger und letztendlich engsten Mitarbeiter Julian Assanges (Benedict Cumberbatch) und verfolgt die Entwicklung von den aufregenden frühen Jahre von WikiLeaks bis zu den ersten Kontroversen und geschichtsverändernden Enthüllungen. Der plötzliche Erfolg der Website machte ihre Initiatoren über Nacht weltberühmt und veränderte grundlegend die weltweite Informationsverteilung...

  • Filmkritik

  • Eine wackelnde Kamera aus der Vogelperspektive, Grautöne bestimmen das Bild, einige Menschen, die über die Straße gehen. Schüsse, die Menschen versuchen panisch zu entkommen. Die Wucht der Schüsse schleudert ein Auto um 180 Grad. Tote. Szenen, die uns im durchschnittlichen Kriegsfilm nicht gezeigt werden, Szenen, wie sie nie an die Öffentlichkeit geraten hätten sollen. Das also ist der Krieg, wenn man ihm die verträumt romantisierte Inszenierung des typischen Videospiels oder Kinofilms entreißt. Ganz normale amerikanische Soldaten, die ganz normale Zivilisten, darunter auch Mitarbeiter der freien Presse, erschießen.


    Jener Mann, der diese Szenen der Öffentlichkeit präsentierte, heißt Julian Assange. Der Held unserer Generation ist er für die einen, ein Cyber-Terrorist für die anderen, ein wahrer Idealist und ein großer Egoist, aber zweifellos einer der imposantesten Menschen unserer Zeit. Mit seinen wenigen Verbündeten gelang es ihm, die größte Menge an geheimen US-Daten an die Öffentlichkeit zu bringen, Banken in die Knie zu zwingen und sensible Daten über Umweltkatastrophen und Unfälle in Atomkraftwerken aufzudecken. „Gib einem Mann eine Maske und er wird dir die Wahrheit sagen!“ zitiert Assenge Oscar Wilde und eben diese Maske stellt das Computergenie in Form der Website WikiLeaks zur Verfügung. Die Quellen bleiben anonym, haben aber die Möglichkeit Unrecht aufzudecken. Dass Assenge und seine Truppe rund um WikiLeaks selbst nicht immer mit ganz reinen Karten spielen, ist ein notwendiges Übel im Sinne der größeren Sache.



    Es könnte noch Jahrzehnte dauern, bis wir die ganze Auswirkung von WikiLeaks verstehen und wie diese Seite die Verbreitung von Informationen revolutioniert hat!“, sagt Bill Condon, der Regisseur, der sich daran machte, das Buch Inside WikiLeaks: My Time With Julian Assange at the World's Most Dangerous Website – verfasst von Assenges ehemaligem Vertrauten Daniel Domscheit-Berg – zu verfilmen. Ein Buch, von dem Assenge selbst nicht viel hält, doch wie Regisseur Bill Condon beteuert, sei man sich darüber im Klaren, hier nicht die absolute Wahrheit zu liefern, sondern lediglich eine Perspektive auf die Ereignisse. Ebenfalls als Inspiration diente das Buch Wikileaks vom Guardian. Der Film The Fifth Estate ist der Versuch ein packendes Drama um bedeutende Fragen nach nötiger Transparenz, nationaler Sicherheit und Redefreiheit zu schaffen. WikiLeaks ist ein paradoxer Zusammenstoß der wichtigsten amerikanischen Glaubensinhalte.


    Trotz einer spannenden und kontroversen Ausgangslage bleibt The Fifth Estate aber leider nur der Versuch ein packendes Drama zu inszenieren. Die Geschehnisse sind dank zahlreicher Dokumentationen um WikiLeaks und Julian Assenge bereits hinlänglich bekannt, eine spannende Handlung kann The Fifth Estate dadurch nicht wirklich erzählen. Daniel Brühl, der gerade auch oscarverdächtig in Rush zu sehen ist, beweist in The Fifth Estate weiter, was für ein großartiger und vielschichtiger Schauspieler er ist. Hingebungsvoll und glaubwürdig spielt er Daniel Berg, einen jungen Computerspezialisten, der sich von Assenges Träumen und Idealen mitreißen lässt. Zwei Männer mit dem Ziel die Welt zu verändern, in einer Freundschaft, die letztendlich an Fragen über Ideologie, den Wert des Lebens und des Todes zerbricht. Benedict Cumberbatch, überzeugt als Assenge ebenfalls – einen besseren Darsteller hätte man für diese Rolle kaum finden können. Ob er in der Öffentlichkeit paranoid und verfolgt in sich hinein nuschelt oder energische Reden schwingt, wenn es um WikiLeaks geht, verschmitzt, wenn er nebenbei eine Frau anmacht oder als der rationale Chef der Truppe. Cumberbatch verwirklicht den womöglich größten Rebellen des neuen Milleniums stimmig, aber nie übertrieben.



    Auch wenn sich der Film Mühe gibt eine emotionale Bindung zu den Figuren, etwa durch Daniels Beziehung zu seiner Freundin und seinen Eltern, aufzubauen, so schafft es The Fifth Estate kaum über eine kühle dokumentarische Ebene hinaus, was den Film in gewisser Weise seiner Existenzberechtigung beraubt, denn eine Aneinanderreihung der Geschehnisse hat man so schon in diversen Dokumentationen gesehen. Die ergreifendsten Szenen des Films sind das ebenso bekannte wie eingangs erwähnte geleakte Video sowie der Versuch, manche Menschen, die durch WikiLeaks Enthüllungen in Gefahr geraten, mehr Menschlichkeit einzuhauchen, indem sie in Alltagssituationen zu sehen sind, kurz bevor man ihnen diese Menschlichkeit dann wieder aushaucht. Hier ergreift der Film kurzzeitig Partei für Daniels Standpunkt und verurteilt die riskante Enthüllung sensibler US-Daten, nur um dann entschuldigend Julian Assange das Schlusswort zu überlassen.


    Unnötig in der Inszenierung ist auch eine symbolische Visualisierung der Vorgänge um Wikileaks. Wer gerade woran arbeitet und wie viele Menschen an WikiLeaks mitarbeiten, verdeutlicht der Film mit einem metaphorischen Büro: Unzählige Schreibtische stehen unter freiem Sternenhimmel und als aufkommt, dass die meisten Unterstützer von WikiLeaks nur falsche Accounts von Assange sind, vermittelt das der Film, indem er Benedict Cumberbatch tausendfach dupliziert hinter die Schreibtische in diesem symbolischen Büro setzt. Ein Stilmittel, das im starken Kontrast zur ansonsten kühlen und realistischen Inszenierung des Films steht und sich nicht ins Gesamtbild fügen will.



    Fazit:


    Julian Assange ist ein Grenzgänger, den man für einen Helden oder einen Terroristen halten kann, der aber in jedem Fall die Menschheit wachgerüttelt und endgültig bewiesen hat, welche Kraft das Internet haben kann. The Fifth Estate ist jenen zu empfehlen, die sich mit WikiLeaks noch nicht beschäftigt haben, die keine Dokumentationen oder Wikipedia-Artikel kennen und die dennoch wissen wollen, wer diese faszinierende Persönlichkeit ist, denn besonders Cumberbatch und Brühl spielen ihre Rollen überzeugend, scheitern aber letztendlich an einem Drehbuch, das zwar gerne ein fesselndes Drama inszenieren würde, dafür aber beständig zu kühl und dokumentarisch bleibt. The Fifth Estate wirkt wie eine Dokumentation, deren Szenen man mit Cumberbatch und Brühl nachgedreht hat. Das macht den Film nicht zwangsläufig schlecht, lässt die Zuschauer aber mit einem Berg verschenkten Potenzials zurück.


    Wer den brillanten Cumberbatch blond agieren sehen will oder eine Spielfilm-Dokumentation über WikiLeaks akzeptiert, kann sich The Fifth Estate guten Gewissens ansehen. Es sei dabei im Hinterkopf behalten, dass der Film unter anderem auf dem Buch Inside WikiLeaks beruht, das von Assange selbst und weiteren kritisiert wurde und eben nur Daniel Bergs Blick auf die Dinge spiegelt. Wer ein packendes Drama oder gar einen dramatischen Thriller erwartet, ignoriert die Enthüllungen von The Fifth Estate.


      

  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    2,5
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    2,5
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    3,0
    Verfasst von:
    Johannes Mayrhofer
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