Der Teufelsgeiger

  • Informationen zum Film
  • Der Teufelsgeiger

  • Originaltitel:
    Der Teufelsgeiger
    Produktionsjahr:
    2013
    Kinostart Österreich:
    31.10.2013
    Kinostart Deutschland:
    31.10.2013
    Verleiher Österreich:
    Filmladen
    Verleiher Deutschland:
    Universum Film
  • Inhalt
  • Der europaweit gefeierte Geigenvirtuose und notorische Frauenheld Niccolò Paganini (David Garrett) ist im Jahr 1830 auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Um seine Person ranken sich jede Menge Geheimnisse und sein Manager Urbani (Jared Harris) tut alles, um die zirkulierenden Skandalgeschichten lebendig zu halten. Schließlich hat er jedes Interesse daran, seinen berühmten Klienten bestmöglich zu vermarkten.


    Einzig das Londoner Publikum muss noch gewonnen werden. Um Paganini zu seinem ersten Auftritt nach London zu bewegen, riskieren der britische Impresario John Watson (Christian McKay) und seine Geliebte Elisabeth Wells (Veronica Ferres) ihren gesamten Besitz. Dem geschäftstüchtigen Urbani gelingt es schließlich, Paganini gegen seinen Willen in die englische Metropole zu bringen. Dank der enthusiastischen Berichterstattung der Journalistin Ethel Langham (Joely Richardson) scheint das Vorhaben von Erfolg gekrönt zu sein. Es kommt zu tumultartigen Menschenaufläufen vor seinem Hotel, sodass der Musiker und sein Manager bei Watson Unterschlupf suchen müssen.


    Hier findet Paganini sehr schnell Gefallen an Charlotte (Andrea Deck), der schönen Tochter seines Gastgebers. Über die Musik finden sie und Paganini zueinander. Er verliebt sich unsterblich in die junge Sängerin. Doch diese Liebe missfällt Urbani, der befürchtet, seinen Einfluss auf seinen Schützling zu verlieren und beginnt, einen teuflischen Plan zu schmieden.

  • Filmkritik

  • Niccolò Paganini – kein Violinist war so virtuos wie der mysteriöse Italiener aus Genua. Und genauso stürmisch wie seine Konzerte und Kompositionen war auch sein Privatleben. Eine extreme Persönlichkeit wie Paganini braucht auch einen extremen Film. Bernard Roses Adaption Der Teufelsgeiger grenzt sich sehr stark von der wahnwitzigen Verfilmung Kinski Paganini von 1989ab. Und scheitert trotzdem.



    Im neuen Film wird Paganinis (Starviolinist David Garrett in seiner ersten Filmrolle) Diener und Manager Urbani (Jared Harris) zu einer mephistophelischen Figur umgewandelt, die Paganini zum Ruhm verhilft, glaubte man ja zu Lebzeiten von Paganini, dass er mit dem dem Teufel im Bunde war, weil er so schnell und präzise spielen konnte. Der Fokus des Films liegt nicht in der Erschaffung eines Biopics, sondern ein Versuch, einen Eindruck von Paganini zu erhalten. Sein Aufenthalt in London und die Personen, mit denen er dort zu tun hat, werden zum Handlungsstrang des Films.
    Leider kann man durch diese Herangehensweise die Essenz der Person Paganini nur erahnen, ein neuer Blick in das Innenleben des Teufelsgeigers wird einem dadurch aber verwehrt. Paganinis Kindheit und die Beziehung zu seinem strengen Vater bleiben nur bei einer kurzen Szene am Anfang und einer Andeutung in der Mitte des Films, dabei wäre es wichtig gewesen, um die Psychologie hinter dem Musiker ein wenig besser zu verstehen. Roses Drehbuch und unebene Regie führen somit zu einem unfertig wirkenden Werk. Die Kameraarbeit ist improvisiert und scheint willkürlich, was dem Film einen oft nebensächlichen Ton gibt, auch die zu weiten Teilen von den Darstellern improvisierten Dialoge können das Konzept nicht retten.



    David Garrett ist ein begnadeter Geiger und spielt die Musikstücke im Film virtuos und mit Leidenschaft. Nur leider erstreckt sich die Bandbreite seiner Talente nicht bis zur Schauspielerei. Garret wirkt als Paganini hilflos, die zweifelhafte Darbietung der Dialoge und die Mimik lassen sofort erkennen, dass Garret nicht aus dem Schauspiel stammt. Jared Harris (bekannt als Lane Pryce aus Mad Men) als Urbani ist wiederum der überzeugendste Schauspieler des Ensembles, er bringt seine Dialoge mit leicht überheblicher und teuflisch-verführerischer Stimme zur Geltung, immer mit einem angedeuteten Lächeln auf den Lippen. Auch die Newcomerin Andrea Deck als junge Tochter des Londoner Operndirektors kann sowohl als Schauspielerin als auch als Sopranistin überzeugen und es wäre kein Wunder, wenn man sie in Zukunft noch öfter im Kino sehen wird. Das restliche Ensemble um Christian McKay, Veronica Ferres und Joely Richardson liefert solide, wenn auch nicht herausragende Arbeit ab. Die Ausstattung von Der Teufelsgeiger ist authentisch, besonders die Kostüme (von Birgit Hutter) von Paganini, Urbani und den armen Bewohnern Londons, sowie die Theaterräume und Londoner Straßen. Die von Garret und Franck van der Heijden überarbeitete klassische Musik wird professionell gespielt, die Originalkompositionen des Paganini sind über jeden Zweifel erhaben.



    Fazit:
    Der Teufelgeiger ist nach Immortal Beloved der zweite Musikfilm von Bernard Rose, der sich bereits in den 80er und 90er Jahren durch Horrorfilme wie Paperhouse und Candyman einen Namen machte. Parallelen zu diesen Frühwerken sucht man in Der Teufelsgeiger vergeblich. Während seine frühen Filme sich noch durch ein gewisses Gespür für Atmosphäre auszeichnen, kommt in seinem neuesten Werk wenig Stimmung auf. Das Konzept ist zu unkoordiniert, die Ausführung zu konventionell. Der Film ist dem 2011 verstorbenen Kultregisseur Ken Russell gewidmet, der in den 70er und 80er Jahren einige sehr eigenwillige und originelle Musikfilme machte. Von den phantasmagorischen Exzessen des Franz Liszt in Lisztomania oder den anachronistischen Ausschreitungen in Mahler bis hin zu der Verfilmung der Rockoper Tommy von The Who hatte Russell stets seine persönliche Vision und seinen unverwechselbaren Stil in jeden dieser Filme mit eingebracht. Bernard Rose scheint sich an Russell nur in der Themenwahl ein Beispiel genommen zu haben. Unverwechselbarkeit ist in Der Teufelsgeiger allemal in Garretts Musizieren zu sehen. Genauso wie damals Regisseur und Hauptdarsteller Klaus Kinski hat sich auch Rose die Zähne an dem Stoff ausgebissen, wohlgemerkt auf eine völlig andere Art. An das Extreme des Niccolò Paganini kommt der Film bei Weitem nicht heran und somit bleibt die Suche nach dem definitiven Paganini-Film immer noch offen.

  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    5,0
    Unterhaltung:
    2,5
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    3,0
    Gesamt:
    3,0
    Verfasst von:
    Phil Heron
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