True Grit

  • Informationen zum Film
  • True Grit

  • Originaltitel:
    True Grit
    Genre:
    Abenteuer, Western, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2010
    Kinostart Österreich:
    25.02.2011
    Kinostart Deutschland:
    24.02.2011
    Kinostart USA:
    22.12.2010
    Verleiher Österreich:
    Universal Pictures International Austria
    Verleiher Deutschland:
    Paramount Pictures International
  • Inhalt
  • Zart liebkost der langsam fallende Schnee die Leiche, beleuchtet vom sanften Licht des Hauses. Ein einsamer Reiter, der ruchlose Mörder jenes Körpers, entflieht durch die dunkle Nacht. Keine Menschensseele weit und breit. Kein Interesse für das verloschene Leben. Darum beschließt die vierzehnjährige Tochter des Verstorbenen die Zügel selber in die Hand zu nehmen: Zusammen mit ihrem afroamerikanischen Diener zieht Mattie Ross in die Stadt, um die Geschäfte ihres Vaters abzuschließen. Doch nachdem die Ungestüme ihren Begleiter mitsamt des Sarges in die Ferne zurückgesendet hat, kann sie sich dem eigentlichen Ziel ihrer Reise widmen: Einen Helfer in ihrem Rachefeldzug zu suchen - und findet ihn in dem abermutigen Suffkopf Rooster Cogburn. A man with true grit ...
  • Filmkritik
  • Ein neues Jahr, eine neue Academy Awards-Verleihung und eine neue Nominierung für die Coen-Brothers. Also den versifften Spucknapf treffen, den verrosteten Colt laden und ab in die eiskalten Wüsten des Anti-Spaghetti-Westerns.

    “The Wicked flee when none pursueth“ – Proverbs 28: 1


    Schon vor vier Jahrzehnten versuchte sich der John Wayne-Regisseur Henry Hathaway an einer gemäßen Adaption des schmutzigen Charles Portis-Schundromans über die Rache eines jungen Mädchens an den Mörder ihres Vaters. Zusammen mit dem Lieblingsdarsteller des Filmemachers als einäugiger Protagonist und der kessen Kim Darby gelang Harthaway ein gewitzter Kultwestern mit bunten Farben, einigen (heute nicht mehr akzeptablen) rassistischen Stereotypen und einem fröhlichen Ende. Und wie man sich denken kann, ist die Auslegung von den Coen-Brothers dieser Fassung konträr gesetzt. Die bunten Farben erstarren in den kühlen Grautönen, der wilde Westen verwandelt sich in eine unendliche Tundra Amerikas. Nachdem die tüchtigen Gebrüder zuletzt schon mit ihrem No Country for Old Men einen Neon-Western produzierten, legen sie mit einen Drauf: Ein revolutionierener Anti-Western ist das angestrebte Ziel. Ritt die originäre Crew aus der 69-Fassung durch saftigsten Weiden der Naturschutzgebiete der Vereinigten Staaten, müssen Bridges, Steinfield und Damon mit der verödeten Vorhölle aus The Road vorlieb nehmen (famos eingefangen von Langzeit-Mitarbeiter Roger Deakins). Heiße Sonne des Südens wird von den Wolken des Mid-West in eine triste Schneelandschaft verwandelt. Unser Protagonist ist ein versoffener Antiheld, der nur die Übeltäter jagt, um noch mehr Geld für seinem Suff zu verdienen. Wobei der letzte Punkt scheint eigentlich der Inbegriff der Gattung Western zu sein.

    „I'm too old and too fat.” – True Grit


    Somit ist eigentlich die wahre Überraschung an Coens True Grit die Nähe zu Hathaways , wie die erste Verfilmung damals betitelt wurde. Nicht nur sind manche Darsteller zum Verwechseln ähnlich (Barry Pepper ist das gespenstische Ebenbild des jungen Robert Duvall), sondern treffen viele der Bilder – trotz „Verschlammung“ der Szenerie – den Ton und die Optik des ersten Versuches einwandfrei. An manch einer Stelle dringt der Coen-Charme in die Szenerie – wie etwa das Schussloch in der Jacke des tot gedachten Matt Damon, der aber dennoch frohmunter weiterreitet –, doch abgesehen dieser sind die beiden Filme ein Brüderpaar – halt ein bunter und ein todessüchtiger. So schlägt der Versuch, die Augenklappe auf das gespiegelte Auge zu packen, um in die Alice’sche Wunderwelt zu entfliehen, fehl. Was zunächst konträr wirkt, stellt sich als Zwillingspaar heraus. Doch entreißt man einem Coen-Projekt die Wirbelsäule, ihre Unität, sackt dessen Körper zusammen, während er spastisch mit den Armen fuchtelt. Die Frage nach dem Sinn des Unsinns drängt sich auf. Die Banalität nimmt Oberhand über die sonst so reservierten Regisseure. Die Coens waren noch nie mitfühlende Filmemacher, die zugern ihre Figuren durch die Hölle marschieren ließen. Ihr letztes Werk verlegte – beinahe schon als Meta-Kommentar auf das eigene Filmschaffen – das gängige (schicksalhafte) Leid in eine Neu-Adaption bzw. Umdeutung des Hiob-Mythos. Und auch ihrem neuesten Streich setzen die beiden Nihilisten ein biblisches Zitat voraus, welches den Unsinn des menschlichen Ekels zur epischen Frage erhebt. Doch fragt man sich irgendwann während True Grit, ob es sich nicht nur um eine rhetorische handelt, welche die Ziellosigkeit der Protagonisten zu kaschieren versucht. Bedeutungsschwanger quälen sich die Schauspieler durch ihre Odyssee, an dessen Ende nur der Nonsens zu warten scheint. Manches passiert, weil es geschehen muss. Vieles nicht, aus denselben Gründen. Es scheint völlig unwichtig zu sein, ob die Figur nun wochenlang die Fährte verfolgen oder einfach nur Wasser holen gehen – ihre Entscheidung hat keinerlei Einfluss auf die Handlung. Sie sind Opfer des Universums, der Umstände und der Coen-Brüder.

    “Well, are’nt you the wicked one!” - Sleuth


    John Wayne hat 1969 für die Rolle des Rooster Gogburn den einzigen Oscar seiner Karriere einheimsen können. Da kommt natürlich die Frage auf, wen man dem geübten Schützen in seiner Paraderolle entgegenstellt. Die Wahl fiel auf Jeff Bridges, den Mann mit den finsteren Pupillen und der rauen Stimme – und er passt wie die Faust auf die Augenklappe. Schon mit Walter Hills Wild Bill durfte der Dude in das zombiehafte Colt & Riemen-Genre schnuppern, doch konnten erst die Coens wortwörtlich den richtigen Ton aus dem 60-Jährigen locken. Schon die Einführung der Figur spricht für sich: In einer typischen Schuss-Gegenschuss-Situatution wird der zierlichen Hailee Steinfeld die kantige Holztür einer Outdoor-Toilette gegenübergestellt, aus der die tiefen, rauchigen Bässe Bridges hervordringen. Beinahe schon wie Eastwoods Il Cattivo stampft und schimpft der Darsteller mit ordentlicher Wampe durch die staubige Prärie, nur um im Inneren einen guten Kern vorzufinden. Das raue Spiel des heruntergekommenen Helden wird von der sanften, doch stursinnigen Hailee Steinfeld als Mattie Ross kontrastiert und perfektioniert. So schenken die Coens den begnadeten Mimen 10 Jahre nach seiner Paraderolle in The Big Lebowski erneut einen Auftritt, der zum Kult werden wird. Zusammen mit der begnadeten Jungdarstellerin – anders als Kim Darby im 1969-Original ist sie erstaunlicherweise wirklich erst 14 Jahre alt – zu seiner Seite baut Bridges eine fabelhafte Chemie auf, die einem Ying-Yang-Ideal nacheifert. Doch keineswegs darf man den Cast auf die beiden Protagonisten reduzieren. True Grit basiert auf einem und glänzt mit seinem Spektrum an fabelhaften Klein- und Kleinstperformances, die dem Duette einen saftigen Untergrund bieten. Egal ob Brolin als dumpfer Handlanger, Ed Corbin als bärenhafter Eremit oder auch der unterschätzte Barry Pepper als sinistrer Beinahe-Intellektueller, jeder Schauspieler bietet eine profunde Darbietung, die noch den kleinsten Charakter zu füllen scheint. Und das ist Coens Auslegung des kultigen Romans: Ähnlich wie das Star-überfüllte Burn after ReadingTrue Grit erneut ein performativ ideal besetztes Vakuum dramaturgischer Spannung, dessen Bilderwelt den Zuschauer in utopischen Alptraumgrau verschlept.

    "Wow! If I'd known that [he’d get the Academy Award for True Grit], I'd have put that patch on 35 years earlier" – John Wayne


    Fazit
    Ähnlich wie einst Hollywoods Ur-Cowboy, John Wayne, sind auch die Auteurs des Mid-Wests mit ihrer Auslegung des einäugigen Marshalls in die erste Runde des Oscar-Rodeos geritten – doch anders als jenem Kinomythos wird ihnen der Goldjunge verwehrt bleiben. Und leider kann man es der Academy nicht einmal verübeln. Die Coens bieten mit ihrer gleichnamigen Neu-Adaption des Charles Portis-Romans True Grit solide Kost, die aber nur allzu selten einen Blick in die abstruse, trockene Welt des Bruderpaars verspricht. Was bleibt ist ein perfekt photographierter Neon-Western voller Dreck und grauem Wolkenscheine – und einem Matt Damon, der einem 14-Järigen Mädchen den Hintern versohlt.

    "Report back to me when it makes sense.” – Burn after Reading
  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
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Wenn ich etwas ganz sicher nicht bin, dann ein Fan des Westerns. Das Genre hat mich irgendwie nie interessiert, Filme mit Bud Spencer und Terrence Hill ausgenommen, denn die sind einfach Kult. Dennoch hab ich vor wenigen Jahren "3:10 to Yuma" eine Ch...

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geschrieben am 04.09.2011 um 22:45

Die 14-jährige Mattie Ross kommt nach Fort Smith in Arkansas, um ihren ermordeten Vater zu rächen. Da sie von den Behörden keine Hilfe bekommt, will sie den Mörder selbst zur Strecke bringen, der in ein Indianerterritorium geflüchtet ist und sic...

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geschrieben am 31.07.2011 um 11:36

Western war gestern. In den 40er bis 70er wurden Western in Massen produziert. Ähnlich wie heutzutage die Dramen. Grosse Helden des Westernkinos waren vor allem John Wayne und Clint Eastwood in den Italowestern. Aber schon in den 80er wurden sie aus...

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geschrieben am 25.07.2011 um 13:37
Bewertung: 10/10 Punkte

Manche Filme haben es nicht leicht bei den Oscars, wenn die Konkurenz zu groß ist. So erging es auch „True Grit“, auch im Kino hatte der Film kaum Erfolg lag wohl daran das man ihn doch eher im O-Ton sehen wollte als in der Synchro. Die Synchro ...

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geschrieben am 24.07.2011 um 16:34

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ø Wertung: 7,5/10 | Wertungen: 31 | Kritiken: 4

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