Veronika beschließt zu sterben

  • Informationen zum Film
  • Veronika beschließt zu sterben

  • Originaltitel:
    Veronika Decides to Die
    Genre:
    Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2009
    Kinostart Österreich:
    18.11.2010
    Kinostart Deutschland:
    30.09.2010
    Verleiher Österreich:
    Einhorn Film
    Verleiher Deutschland:
    Capelight pictures
  • Inhalt
  • Ist denn die Modeindustrie verrückt geworden? Hat die Menschheit nun vollkommen ihren Verstand verloren? Ist die Welt vom Geiste enthauptet? Wie kann bitte Grün das neue Schwarz sein. Worte des Frustes und der Trauer auf die Unvernunft, Sätze des Zornes und Hasses auf die Dummheit der Gesellschaft. Im medikamentösen Rausch schreibt die junge Veronika das ganze Leid von ihrer Seele. Trotz des Luxus ihrer Wohnung, trotz des Erfolgs in ihrem Beruf, trotz der Schönheit ihres Körpers, ist alles nur noch ein Graus in ihren Augen. Sie will diese unfassbare Blödheit ihrer Umgebung nicht mehr ertragen. Also entscheidet sie sich für das Nächstliegende: Veronika beschließt zu sterben und erfährt, was alles Leben bedeuten kann ...
  • Filmkritik
  • Ist es nicht die elendigste aller Storys? Ist es nicht der unnötigste aller Geschichten? Ist es nicht das redundandeste aller Varianten? Die Rede ist von dem Sprechen über Verfilmungen, von dem Kritisieren jener und schlussendlich von der Adaption an sich. Die Rede ist von Paul Coehlos Veronika Decides to Die – oder doch eher Emily Youngs ?

    Die Feder ist mächtiger als das Bild


    Eine der schwierigsten Aufgaben des Filmemachers ist es, das Wort in das Bild zu transformieren. Die britsiche Regisseurin Emily Young hat schon in ihrem Spielfilmdebüt, jene Leistung verbracht, jedoch war es damals ihr eigenes. Mit der filmischen Adaption von Veronika Decides to Die, einen Klassiker des brasilianischen Meisterdichters Paul Coehlo, erobert sie die silberne Leinwand mit den Visionen des Anderen. Das Lyrische im Kader. Es ist schon immer eine höchst bedenkliche Angelegenheit sich dem Buchstaben zuzwenden, wenn man doch eigentlich das Zelluloid im Sinn hat. Denn zum einen fällt die Transformation reichlich schwer, zum anderen tun die Fans das Übrige, um das noch zu erschweren. Die lästigen Liebhaber des betuchten Textes freuen sich bei Ankündigung eines solchen Vorhabens wie ein kleines Schulmädchen, nur um dann trotzend alles und jedem an dem Projekt wie eine große Göre zu zerreißen. So was ist nun Veronika Decides to Die? Paul Coehlos Wort oder Emily Youngs Bild? Wenn man nach dem dominanten Part fragt, wird man schlicht und einfach von der Banalität der Antwort enttäuscht sein. Während die sanften Bilder den Zuschauer bei der Hand packt, reißt der phantastische Sprudel des Gesagten den Leser direkt von den Füßen. In Coehlos Kunst steckt eine wortwörtlich unfassbare Kraft, die scheinbar weder für mich in Worte noch für Emily Young in Bildern festzumachen ist. Und das ist eben der ewig weilende Unterschied zwischen der Adaption und seiner Vorlage.

    Man wird niemals in den Fußstapfen des Anderen jenen überholen können.


    An all die Liebhaber des Romanciers, an all die Verehrer des Verstaubten, an all die Huldiger des Wortes, hier ist es, euer ekelhaftes „JA“. Ja, Veronika Decides to Die, der Film zum Buch, ist schlechter als Veronika Decides to Die, das Buch vor dem Film. Ich bin jenem besserwisserischen Lächeln schon Leid, welches doch immer zu wissen glaubt, dass das Buch, das Original und selbst das Graphic Novel stets besser als der scheinbar armseelige Versuch der Adaption bleiben wird, und offensichtlich bleiben muss. Es ist eine Grundvorraussetzung, die in vielen Köpfen die Essenz des filmischen Buchstabens ausmacht. Doch ich kontere hier mit dem filmischen Bild. Das Problem der meisten Adaption – es nun vollkommen egal, ob Roman, Comic oder auch Game – ist der wahrlich stumpfsinnige Versuch eine fatale Nähe zu dem Werk zu bewahren. Doch dreht man den Spieß mal um, erkennt man das eigentliche Problem: Der filmische Blick offenbart die Tristesse, welche die Ursprungsmaterie birgt. Die Zelluloidaugen sehen totes, taubes, unbewegtes, anti-visuelles und grundsätzlich einfach unfilmisches Material. Wer sich dieser Sicht entsagt, darf sich nicht Filmemacher nennen. Emily Young erkennt das Problemgebiet und meistert mit Bravour nicht nur ihre Feuertaufe der Adaption, sondern gleichfalls jene des Maistreamkinos. Ihre Bilder sind nicht einfach nur Zusatz der Buchstaben, die gesprochen werden. Ihre Visionen weichen ab und ergänzen jene von Coehlo. Voller Leben und Energie, in leider schon allzu typischer Wackel-Kamera-Manier der Independenteszene emanzipiert Young das Wort von seiner weltlichen Buchstabenhülle. Sicherlich sind einige Momente nicht so intensiv, wie sie sich in den zauberhaften Worten des Dichters entwickeln, doch fängt die Regisseurin die pulsierende Essenz der Augenblicke purster Schönheit mit den eigenen Kinowerkzeug ein. In der Metapher wird Kamera zum Papier, Musik zur Tinte und Schauspieler zum Buchstaben. In der Realität entreißt Young dem Zuschauer den Gedanken der Worte. Wir sehen nur noch die Bilder exzessiver Leidenschaft, hören nur noch die emotionalen Stimmen der fabelhaften Darsteller (allen voran eine über sich selber hinauswachsende Sarah Michelle Gellar, die sogar die infamose Masturbationsszene elegant meistert, ohne obszön zu wirken!) und nehmen nur noch den Film einfach nur als einen solchen wahr – und einen durchaus guten obendrein.

    Fazit
    Wie heißt es so schön: Reden ist silber, schweigen ist gold. Die filmische Adaption von Paul Coehlos Klassiker Veronika beschließt zu sterben leidet an der Krankheit der Buchverfilmung. Die britische Regisseurin Emily Young weiß zwar schon, wie galant das lyrische Moment eingefangen werden kann, jedoch muss sie sich die Anschludigung gewisser Adaptionsfehler gefallen lassen, die sich aus der kinematographischen Nähe des literarischen Werks ergeben. In den Fußstapfen Coehlos verweilend kann und ist die Verfilmung Veronika Decides to Die ein durchaus gut visualisiertes Buch, das aber nicht einmal daran denken darf, den amtierenden Podestinhaber stürzen zu können.
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
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geschrieben am 24.07.2011 um 20:18

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ø Wertung: 5/10 | Wertungen: 1 | Kritiken: 1

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