Robin Hood

  • Informationen zum Film
  • Robin Hood

  • Originaltitel:
    Robin Hood
    Genre:
    Action, Abenteuer, Drama
    Produktionsländer:
    USA, UK
    Produktionsjahr:
    2010
    Kinostart Österreich:
    13.05.2010
    Kinostart Deutschland:
    13.05.2010
    Kinostart USA:
    14.05.2010
    Verleiher Österreich:
    Universal Pictures International
    Verleiher Deutschland:
    Universal Pictures International
  • Inhalt
  • Wir befinden uns in der tiefsten Ära des finsteren Mittelalters. Eine Zeit, in der blutige Schlachten gefochten werden und Könige ihren Willen ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen. Das Volk leidet unter den Steuern, die ein ganzes Heer seit Jahrzehnten für die manischen Kreuzzügen quer durch Europa in den nahen Osten aufrecht erhält. Wer nicht seine Abgaben leistet, wird auf das Schwierigste bestraft. Dies ist die Geschichte eines Mannes, der sich diesem entgegen stellt. Es ist der Ursprung einer Legende, die für Kampf der Freiheit und des Guten steht. Es ist der Mythos Robin Hood, als er noch Robin Longstride hieß …
  • Filmkritik
  • Was kommt einem bei dem Schlagwort „Robin Hood“ in den Sinn: Männer in Strumpfhosen mit hellgrünnen Kappen, die in ausgelassener Manier durch ein glückliches Wäldlein hüpfen und tanzen. Es gibt wenige andere Mythen, die derartig durch medial präsentierten Kindheitserinnerungen geprägt sind. Doch Ridley Scott macht nun einen Schlussstrich mit der Freude: Denn überraschender Weise war das Mittelalter doch nicht so fröhlich, wie erwartet …

    I think I've got much to tell you about history....about your history.


    Der Brite mit den goldenen Blick. Ridley Scott gelang seine eigene Renaissance einzuläuten. Nach einer dürftigen Periode der 1990er, welche mit dem G. I. Jane ihren traurigen Höhepunkt fand, knüpft der Regisseur in der letzten Dekade direkt an den Erfolg seines frühen Schaffens an. Doch Scott des Damals ist nicht Scott des Heute. Den Bruch erkennt man deutlich. So sind etwa Gladiator und Blade Runner, trotz ähnelnder Kritiken, zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe. Seit gut zehn Jahren zersetzt der Auteur seine eigene Bildlichkeit und fügt diese in eine völlig neue Visualität zusammen. Gerade dem Genre des Historiendramas, in dem sich Ridley Scott eindeutig sehr gut aufgehoben fühlt, bläst er mit dieser Herangehensweise den Staub seiner eigenen Geschichte herunter. Scott präsentiert uns in Gladiator, Kingdom of Heaven und nun auch in Robin Hood eine dreckige Vergangenheit, deren Schmutz man dank Schnitt und perfid guten Kameraführung auch in seiner eigenen Bildlichkeit zu spüren bekommt. Doch gerade wenn man sich einer Geschichte wie Robin Hood annähert, einer Erzählung, welche dank einer Vielzahl an verschiedenen popkulturellen Diskursen schon längst zu dem Allgemeinwissen des Otto Normalverbraucher importierte, sollte man sich hüten. Dieser Mythenkomplex wurde aggressivst durch die verschiedenen Schleusen der Medialität getrieben, durchgezerrt, missbraucht. Das Ergebnis des Prozess ist die perfid träumerische Gestalt eines (paradox) edlen Gauners. Doch Ridley Scott hat einiges mit seiner Kultgestalt vor: Die Federn und der Schmuck entfernt, erkennt man in seiner tiefsten Schicht, den Otto Normalverbraucher. Ja, Scott bricht subversiv mit allen Darstellungskonventionen, um Robin Hood in seiner ganzen Nacktheit erstrahlen zu lassen. Dieser Söldner ist schon längst kein Superheld, der aus moralischen Empfindungen die Schwachen und Unschuldigen beschützt. Robin ist ein Mensch, der sich zwar in gewisse moralischen Tendenzen hingibt, jedoch auch betrügerisch und listig ist. In dieser Deutung bricht Scott aus bisherigen schönfärbenden Interpretation aus. Noch deutlicher erkennt man dies jedoch in der ersten Szene, in welcher die Powerfrau Cate Blanchett mit Pfeil und Bogen ihr Land verteidigt. Marion Loxley ist nicht mehr das schüchterne, weltfremde Prinzesschen von einst. In dieser Neu(er)findung der Figur kann man sich wohl kaum eine bessere Darstellerin wünschen, hat sie doch mit ihrer Elizabeth nicht nur eine der stärksten Figuren der Filmgeschichte, sondern auch des Geschichtsfilms geliefert. In ihrer Performance wird Marion zur emanzipierten Frau, fern von jeglicher Hilflosigkeit. Wenn sie in Schwierigkeiten gerät, nützt sie ihre eigenen (körperlichen und metallenen) Waffen, um sich zu befreien. Ihre männlichen Gegenparts, ihr blinder Schwiegervater und ihr abwesender bzw. getöteter Gatte, sind impotent in ihrer Visualität. Die Mime ist eine Femme Fatale, die den Platz jener einnimmt. Doch dieser Idealzustand der Powerdame, welche seit dem 1990er auch auf der Leinwand des Mainstream sich herumtollt, ist nur von kurzer Dauer und wird gegen Ende sogar zum grotesk Paridoistischen. Der erste Schritt, den Russel Crowe auf ihr Land setzt ist ihr Untergang. Die Fassade des subversiven Films zerbröckelt im Blick der Analyse. Denn umso weiter Robin Hood seine schelmischen Heldentaten treibt, desto mehr tollt Ridley Scott in der Welt des Mythos umher. In diesen Momenten erkennt der Zuschauer schnell, wie der Eitle und der Böse gegen den Starken und der Schönen kämpft. Denn der Freiheitskampf endet dort, wo alles anderes beginnt. Nicht nur inhaltlich, sondern auch ideologisch: Allen Überlegungen und subversiven Vorgehensweisen zum Trotz mündet Robin Hood zielstrebig in dem grünen Traumwald. Dessen idyllisches Licht leuchtet einen Archetypus von Mann aus, der die Frauenherzen mit Charme erobert und die Anerkennung der Männer mit Mut und Stärke gewinnt. Wir landen direkt bei Russel Crowe, welcher diesen Typus des Alphamännchen schon in Gladiator propagierte.

    It means never give up


    Doch verdammen wollen wir Scott hierfür nicht. Denn unser Wissen um den Film macht uns stärker: Sobald der Zuschauer erfährt, dass jegliche Möglichkeit der Subversion in seinem eigenen Zelluloidkeim erstickt wird, kann das Publikum eigentlich recht gut damit leben. Sichtlich befinden wir uns nur in der Fassade eines (post)modernen Films, der äußerlich die Film- und Literaturschnippsel vorangegangener Versuche neu durchmischt, aber innerlich schlägt weiterhin das Herz des edlen Ritters aus den Legenden. Die feministische Subbotschaft ist nur eine Ablenkung, um in der Verkleidung des Progressiven die starke Frau in ihrer Rolle der zu rettenden Maid zu präsentieren. Die Dekonstruktion des (Super)Helden ist bloßer Vorwand, um Robin Hood weiterhin legendär zu machen. Verabschieden wir uns einfach von dem Gedanken, ein zweites Alien oder Blade Runner zu erwarten, und schon erstrahlt Robin Hood in seiner gänzlich formalistischen Pracht. Möge auch britischer Kultregisseur Ridley Scott nicht seine ganzen Kunstfertigkeiten im vollendet Filmischen perfektionieren, kann der Filmemacher dennoch sein neuestes Werk in einer technischen Perfektion hüllen. Der Regisseur erwählt erneut „seine“ beiden Mitarbeiter, John Mathieson hinter der Kamera und Pietro Scalia am Schnitttisch, zu den wichtigsten Komponenten seines Handwerk. Seit mehr als 10 Jahren begleiten die beiden Künstler Scott in seinem Schaffen. Sie sind die prägnantesten Elemente einer Neudefinition seiner Visualität. Schon in Gladitor und Hannibal ergaben Bild und Schnitt eine perfekte Symbiose, die in Robin Hood nun vielleicht keinen Schritt weiter geht, aber das hohe Niveau zu halten weiß. Die brutalen schmutzigen Szenen, wundervoll von Mathieson eingefangen, werden hart aufeinander geschnitten. Scalia reißt die Bilder auseinander und setzt sie quer aufeinander. Hart, wild und unbewältigt. Genau so soll Film sein!

    Fazit:
    Kultauteur Ridley Scott erfindet zwar den Bogen nicht neu, aber kann wieder sein besonderes Geschick im (Film)Schießen präsentieren. Gerade die neue Zusammenarbeit mit dem zweifachen Oscar-Preisträger Cutter Pietro Scalia und dem Oscar nominierten Kameramann John Mathieson helfen dabei, über die Schwächen des Archetypen-Drehbuch von Brian Helgeland hinweg zu trösten: Perfekte Bilder, dynamische Schnitte. Hier wird Robin Hood zu einem wahren Genuss. Möglicherweise kein Schuss ins Schwarze, aber ein unterhaltsamer Abend.
  • Wertungen
  • Story
    3,0
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    2,5
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
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Manchmal muss man den Anfang erzählen um die legende zu kennen.


Robin, ein Krieger mit geschickt im Umgang mit Pfeil und Bogen, wird zum Gesetzlosen, als er sich mit einer Gruppe mutiger Männer gegen den Englischen König auflehnen der schwach...

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geschrieben am 26.07.2011 um 11:41

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ø Wertung: 7,3/10 | Wertungen: 18 | Kritiken: 1

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