Der Ghostwriter

  • Informationen zum Film
  • Der Ghostwriter

  • Originaltitel:
    The Ghost Writer
    Genre:
    Thriller, Mystery
    Produktionsländer:
    Frankreich, UK, Deutschland
    Produktionsjahr:
    2010
    Kinostart Österreich:
    19.02.2010
    Kinostart Deutschland:
    18.02.2010
    Kinostart USA:
    19.03.2010
    Verleiher Österreich:
    Filmladen
    Verleiher Deutschland:
    Kinowelt
  • Inhalt
  • Eine Leiche wird an die Küste geschwemmt und ein neues Leben beginnt. Denn als Mike, der Ghostwriter von dem ehemaligen britischen Premierminister Adam Lang, aufgrund eines schlimmen Unfalls von den Untiefen des Ozeans verschluckt wird, muss schnellstens ein neuer Schreiberling her, der die Memoiren Langs in kurzer Zeit fertig stelle. Ein neuer Ghost solle den Worten und Geschichten des alteingesessenen Provokateurs eine frische Eleganz verleihen. Er soll für diese vierwöchige Arbeit im Hintergrund eine Viertel Millionen erhalten. Doch als das Leben des ehemaligen Politikers immer abstruser und merkwürdiger wird, entdeckt jener, dass der einfache Auftrag wohl doch nicht so simpel ist. Welche Rolle verbirgt Lang in seiner Vergangenheit? War Mikes Tod wirklich ein Unfall? Und in welcher Gefahr schwebt er selber …
  • Filmkritik
  • Die Ruinen von Pompeji lässt „der“ polnische Filmemacher nun endgültig in Friede ruhen. Denn die antike Kulisse um Korruption und Dekadenz muss der britischen Bühne der Intrige und Eitelkeit weichen. Und in all diesen Wirren: The Ghostwriter.

    Every failure made me more confident. Because I wanted even more to achieve as revenge. To show that I could. - Roman Polanski


    Kaum ein anderer Regisseur, wie der polnische Maestro Roman Polanski, kann mit einem derartig wilden Filmtreiben aufkommen. Auf beinahe jedem Genre tummelte sich der 76-Jährige, und jedem dieser bot er ein Meisterwerk. Von der Vampirgroteske Dance of the Vampires über den Horrrortrip Rosemary's Baby bis hin zu das Weltkriegsdrama The Pianist. Was er anfasst, verwandelt sich in pures Gold. Teilweise konnte jener Joungleur der Bilder sogar jene Facetten der Kinematographie von grundauf umstrukturieren, manche sogar perfektionieren. Und nun, nach mehr als 10 Jahren, erweist der Regisseur dem zeitgenössischen Thriller erneut die Ehre. Da darf man sich nicht wundern, dass , nach dem erfolgreichen Okkultthriller Neun Pforten, die Erwartungen erneut hoch geschraubt werden. Und dabei sollte das Sujet des neuen Polanski-Streifen mehrere tausend Jahren zurückliegen. Denn der Pole wollte zwar ebenfalls ein Buch von Robert Harris adaptieren, jedoch sollte es sein viel gefeiertes Pompeji-Thrillerdrama sein. Die (Film-)Welt wollte es nicht. Doch die Zusammenarbeit der Beiden sollte nicht dem Pfad jener antiken Stadt verfolgen. So setzten sie sich der Entscheidung – zumindest zum Teil – entgegen. Trotzig lässt Polanski sein Projekt fallen, um sich der neuesten Arbeit des Autors zu widmen: The Ghost. Ein Polit-Thriller über die Mächte hinter der Fassade. Besetzt mit schauspielerischen Größen des Britkinos, von Ewan McGregor über Tom Wilkinson bis hin zu Pierce Brosnan, machte sich der Regisseur auf, Spannung neu zu definieren. McGregor, der als „Ghost“ in Erscheinung tritt, bietet eine merkwürdige Darstellung des „John Does“, des Jedermanns. Ein fulminanter Kniff: All die politischen Giganten werden in den Hintergrund gedrängt, um einem leeren Blatt die Bühne zu eröffnen. Zwar bot der schottische Darsteller auch schon subtilere Darbietung, dennoch überzeugt er in jenem Körper des Unbekannten. Die Vergangenheit verschwindet im Nichts. Vielmehr wird der „Ghost“ in die Reihen aufgenommen, von dem Hintergrund absorbiert. In dieser Simplifizierung der charakterlichen Facetten versucht Polanski seine Geschichte in eine Metaebene zu heben. Doch, fragt man sich, was verspricht eigentlich die thematische Anlehnung an Tony Blair & Co. ? So muss man enttäuscht antworten: Leider nicht viel. Denn die platte Auseinandersetzung mit der heutigen Politiklandschaft ist nicht mehr als ein purer Schauplatz, der kaum jene Raffinesse der heutigen Welt von Obama, Scharon und Jintao wiedergeben kann. Die Spannung des Wortes, die der Cienast aus derartigen Politallegorien a la Good Night. And Good Luck und Frost / Nixon kennt und liebt, wird grobschlächtig von der Spannung der Tat – bzw. der „Untat“ - ersetzt. Denn wenn The Ghost Writer unter kritischen Blick betrachtet wird, der Plot entschlüsselt, zeigt sich eine graue Reihe des Einfachen. Schnell ohne großes Geschick eilt Handlung simpelst gen Ziel. Ob Google-Suche, schnelle Auflösung oder auch abruptes Finale, so löst der Film sein Mysterium einfach zu einfach auf. Beginnt das Werk noch ruhig und sanft, hat der Zuschauer beinahe Angst, dass eben jenes im Schlusssprint über sich selber stolpern könnte. Da hilft dann schlussendlich auch nicht, die zu Staffagen geschrumpften Stars. Brosnan kann nur bedingt in seiner aalglatten Darbietung McGregors passablen Ghost gegenüber treten. Und so stampft der schottische Ghost durch eine Handlung, welche anfänglich von einem ominösen Nebel verdeckt wird. Lüftet sich dieses meteorologische Phänomen, bleibt ein roter Faden, der nicht geradliniger sein könnte.

    Cinema should make you forget you are sitting in a theater. - Roman Polanski


    Trotz fehlendem Tiefgang und der doch arg schnörkellosen, beinahe langweiligen Geschichte, fasziniert Polanski mit The Ghost Writer wie eh und je. Man runzelt die Stirn über das unzureichende Drehbuch von Polanski und Harris, und gleichzeitig muss man sich selber dabei erwischen, sich in dem Sessel zu verkriechen. Denn allen Fehlern zum Trotz, die sich möglicherweise hinter der Fassade verbergen mögen, bleibt The Ghost Writer einfach spannend. Aber, warum bloß? Ein Schlagwort als Antwort, für all das Gute, was sich hinter dem polnischen Filmemacher steckt: Atmosphäre! Man mag es sich kaum vorstellen, doch all die kleinen und größeren Unzulänglichkeiten verschwinden im Nichts der perfekt positionierten Bilder. Die moderne Architektur wird zu einem Bau der seelischen Grausamkeiten. Während in der Londoner Metropole, die Kompositionen noch an dem großen – und wesentlich besseren! - Bruder, die BBC-Polit-Reihe State of Play, erinnern mögen, verschwindet jegliche Annalogie in der perfid genial inszenierte Insel. Die Räume, welche in vielen Szenen nicht einmal von einem Score untermalt werden, sperren die Protagonisten in psychische Gefängnisse. Ein Gefühl der baulichen Beklemmung eines Punch-Drunk Love überkommt das Publikum. Die Zuschauer graben ihre Finger in die Sessellehnen, während die triste Dünenlandschaft die Hauptdarsteller zu verschlucken droht. Düstere Wolken hängen stets über jene Szenerie der Skandale und bauen das Gefühl der Paranoia in seine Perfektion aus. Die Stille, welche nur durch die vereinzelten Regenschauer und den kalten Wind durchbrochen wird, ist ein unheilvoller Begleiter der Schauspieler. Dort, wo die Geschichte das Auditorium ein wenig in der Luft hängen lässt, zerrt Polanski mit der genialen Atmosphäre seinen Zuschauer auf dem Kinosessel zurück. Und dort wird er in der Laufzeit von über 2 Stunden bleiben! Schwitzend und mit rasendem Herzen!

    Fazit:
    Verzettelt sich The Ghost Writer in manch einer erzählerischen Unzulänglichkeit, kann der mit Star-Aufgebot aufwartende Politthriller mit dem Namen seines Schöpfers alles wettmachen: Altmeister Roman Polanski baut eine überaus geniale Atmosphäre auf, die den Zuschauer völlig in seinen Bann lockt. Also: Regenschirme aufspannen und auf die Insel des ewigen Schlechtwetters!
  • Wertungen
  • Story
    3,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    3,5
    Verfasst von:
    Bestellen bei:
    Jetzt auf Amazon bestellen

BILDER ZUM FILM

Komentare (0)

Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.

 

Weitere Diskussionen zu diesem und vielen anderen Themen findest du im Forum von DVD-Forum.at.

Rechtliche Hinweise:
Die in den Kommentaren geäußerten Meinungen geben ausschließlich die Ansichten der User wieder, von denen sie gepostet wurden. Diese müssen sich nicht mit der Meinung der Redaktion von DVD-Forum.at sowie deren Partnern decken. Wir behalten uns vor, Kommentare die gegen unsere Nutzungsbedingungen oder gegen straf- oder zivilrechtliche Normen verstoßen bzw. dem Ansehen von DVD-Forum.at schaden können auch ohne Angabe von Gründen zu löschen. Gegen diese Schritte können keine Ansprüche geltend gemacht werden. Bei wiederholten Verstößen ist mit einem Ausschluss aus unserer Community zu rechnen, weiters behält sich DVD-Forum.at bei schwerwiegenden Verstößen wie strafrechtlich relevanten Tatbeständen vor Anzeige zu erstatten und/oder Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Userkritiken

Userkritiken

Um eine Kritik auf DVD-Forum.at abzugeben musst du angemeldet sein.

Die Leichtigkeit, der Schabernack, der typisch britische Humor all das sind die Atribute und Vozüge, des von Ewan McGregor ( The Island ) verkörperten Ghostwriters, im gleichnamigen Film von Altmeister Roman Polanski. Die Atribute schwinden im Verl...

Weiterlesen...

geschrieben am 27.10.2012 um 03:07

Cover

Cover

Bewerte den Film!

Meine Wertung:


Community Wertung:

ø Wertung: 8/10 | Wertungen: 6 | Kritiken: 1

Anzeige

Weitere Trailer

Anzeige