Louise Hires a Contract Killer

  • Informationen zum Film
  • Louise Hires a Contract Killer

  • Originaltitel:
    Louise-Michel
    Genre:
    Komödie
    Produktionsland:
    Frankreich
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart Österreich:
    19.02.2010
    Kinostart Deutschland:
    24.09.2009
    Kinostart USA:
    15.01.2009
    Verleiher Österreich:
    Polyfilm
    Verleiher Deutschland:
    Kool Filmdistribution
  • Inhalt
  • Die Wirtschaftskrise fegt wie ein heftiger Orkan durch alle Länder. Kein Steinchen bleibt auf dem Anderen. Die Gegenwart ist nun bloße Geschichte – die Zukunft noch nicht da. Diese harte Erkenntnis müssen auch die Mitarbeiter eines Kleinstbetriebes erkennen, als nach einem erholsamen Wochenende die ganze Maschinerie der Kleiderproduktion vom Erdboden verschluckt worden zu sein scheint. Läppische 2000 Euro bekommt jede der Damen als Abfindung für ihre bis zu 20 jährigen Dienste. Alleine eine Unsumme, zusammen, wie sie finden, doch ein kleines Sümmchen. Doch was tun mit dem Geld, was für alle die einzige Zukunft bedeutet? Da fährt zögerlich eine Hand in die Höhe: Wir könnten den Chef umlegen lassen - von 'nem Profi. Die Anderen: Is' ne gute Idee…
  • Filmkritik
  • Was erhält man, wenn man den Transvestitismus in der heutigen Gesellschaft mit den kapitalistischen Folgen der ausbeuterischen Geldgier und dem brutalen Vorgehen eines Auftragskillers mischt? Einen verdammt witzigen Film!

    Wir wollen einen 'sozialen Western' von heute machen, in welchem die Netten böse sein können und die bösen Halunken der neuen Art sind.


    Die belgischen Auteurs Benoît Delépine und Gustave Kervern sind in ihrer Heimat schon so bekannt wie zwei bunte Hunde, die sich auf dem Kopf stellen und dabei die französischen Nationalhymne mit perfekter Akzentuierung bellen. Mag dieser Vergleich noch zu Beginn ein wenig abstrus anmuten, doch: Soll er ruhig. Denn nur so kann eine Metapher den Beiden auch nur Ansatzweise die Ehre erweisen. Delépine und Kervern sind die beiden Marxisten des heutigen Auteur-Kinos. Sozialistisch zerreißen sie seit ihren frühen Beginnen in der letzten Dekade die schnöde Fassade des verschönenden Kapitalismus. Schon in der Prä-Wirtschaftskrisephase begegnet der Zuschauer in den ersten Regiearbeiten, Aaltra und Avida, die Ausgebeuteten, die sich mutig und halsbrecherisch jenem Goliath stellen. Die Regisseure präsentieren in ihren Werken den ewigen Kampf des kleinen Mannes gegen die übermächtigen Monstern der Hierarchie. So erobern die Kreativen in Kleinproduktionen die Leinwand, um die Windmühlen des neuen Jahrtausends zu Fall zu bringen. Doch dieser verzweifelte Kampf eines Don Quichottes endet in einer gewaltsamen Utopie. Mit brachialer Brutalität zieht nun das Duo Louise und Michel in dem gleichnamigen Film (französischer Titel: Louise-Michel) gegen die Großen vor, um sie in die Welt der Quallen einzuladen. Die Idee zu Louise hires a Contract Killer kam den beiden originellen Schreiberlingen in der Geschichte der Unterdrückung. Denn schon in der Welt vor der Masse lebten die Menschen in dem Leiden der inneren Okkupation. In einem prä-republikanischen Frankreich des 19. Jahrhunderts regierte Napoleon III. im Namen aller aufgeklärten und absoluten Monarchen sein Volk hart und erbarmungslos. Die Unterschicht wird zu einem alternativen Universum, der sich die oberen Reihen verschließen. Nur eine Frau namens Louise-Michel kann diese unsichtbare Mauer durchbrechen, als sie versucht den Monarchen zu töten. Eine mutige Persönlichkeit, die mindestens 2 Protagonisten füllen müssten! In der neuesten Arbeit der beiden Auteurs begegnet das Publikum nun ein brachiales Duo, welches den Untergang des Kapitalismus bedeuten soll. Und wahrlich, kein Stein bleibt auf dem anderen in dem Streifzug durch die europäische Steuerparadiesen. Ein Unterfangen, welches vor nichts – und hier mein ich wahrlich vor NICHTS – halt macht. Beginnend mit der geschlechtlichen Verwirrung seiner Protagonisten und -innen über die absolute, verblendete Naivität in einer Welt der großen Fische bis hin zu der „Verwendung“ von Totgeweihten als Agenten des Todeskommandos. Delépine / Kervern ist einfach nichts heilig – und genau deshalb haben sie den Briten die Krone des schwarzen Humors aus ihren kalten Händen gerissen. Jede Minute ist absolut übertrieben, jede Szene wunderbar pointiert. Die klug antikapitalistische Satire ist herrlich verpackt in den schwärzesten Humor, der seit langem im Kino zu sehen und zu belachen war.

    Anyone who knows anything of history knows that great social changes are impossible without feminine upheaval. Social progress can be measured exactly by the social position of the fair sex, the ugly ones included. - Karl Marx


    Ein Satz, der allzu oft in den verschiedensten Filmkritiken ver(sch)wendet wird, ist ja die Bedeutung des Schauspielers. Zu gerne minimaliert der Rezensent die Gesamtwirkung des Films auf die „bloße“ Oberfläche des Filmischen. Der Schauspieler, der als das Mittel der Kinematographie betrachtet werden, erhält den ersten Rang in der Bewertungsmaschinerie. Doch manchmal muss man der Versuchung einfach nachgeben. Und mit diesem kurzen Prolog: Louise hires a Contract Killer ist neben seinem überaus gelungenen und unterhaltsamen Drehbuch besonders durch die schauspielerische Kraft der beiden in den Hauptrollen glänzenden Darstellern geprägt. So muss ich nach nur einem Monat erneut das subtile Spiel der französischen Edelmime Yolande Moreau bewundernd beschreiben. Kam die Schauspielerin in der Figur der zurückgezogenen Seraphine einem simple Gestus gleich, die den Naturalismus des Filmischen konkret auf den Punkt bringt, wird sie nun zu einem brodelnden Feuersturm. Furios stampft sie durch das simpel gehaltene Bild, beschlagnahmt die Aufmerksamkeit ihrer Umgebung. Moreau ist der gewaltsamen Versinnbildlichung des Proletariats in der Figur der Mutter aus Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin gleich. Doch dieses Mal darf sie zurückschießen! Der einfühlsame Fingerabdruck in Seraphine entwickelt sich zu einem tiefen Fußabdruck eines prähistorischen Urtiers. Dem müsse natürlich eine wesentliche sensiblere Kraft entgegenhalten. Und hier fanden Delépin und Krevern den plump wirkenden Bouli Lanners als perfekten Gegenpart. Scheint er noch in den ersten Minuten eine hässliche Analogie zu seiner mittelmäßigen Darbietung in der letzten Asterix-Realfilm-Adaption, durchbricht er jene oberflächliche Schale mit subtilem Antispiel. Mit der Qualität seines erfrischenden Spiels aus Mathilde und den humorvollen Facetten seines Voice Acting in dem subversiv-witzigen Panique au village erobert sich Lanners den wohl verdienten Gegenpart zu Moreau. Ein effektives Duo, welches den ganzen abstrusen tiefschwarzen Witz des kreativen Autorenteams einzufangen weiß!

    Fazit:
    Tief schwarz, unglaublich humorvoll und perfekt antikapitalistisch. Das sozialistische Louise hires a Contract Killer von den beiden marxistischen Auteurs Auteurs Benoît Delépine und Gustave Kervern ist eine herrliche Satire auf den globalisierten Kapitalismus, die mit einem tollem Hauptdarstellerduo aufkommen kann. Louise Michel ist eigentlich wie A Fish Called Wanda – nur dreimal so schwarz. So kann man abschließend nur vermerken: The King is dead – Viva le roi!
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    5,0
    Anspruch:
    3,5
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
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