Rachels Hochzeit

  • Informationen zum Film
  • Rachels Hochzeit

  • Originaltitel:
    Rachel Getting Married
    Genre:
    Romanze, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart Österreich:
    22.05.2009
    Kinostart Deutschland:
    02.04.2009
    Verleiher Österreich:
    3L Filmverleih
    Verleiher Deutschland:
    Sony Pictures
  • Inhalt
  • Aufregen, Anspannung und die typischen Hochzeitswirrungen. Rachel macht dieser Tage die Vorbereitungen für ihre Traumvermählung mit dem charmanten Simon. Aber all diesen Gefühlswallungen vor so einem Tag des Feierns wird ein gewisser Faktor hinzugefügt. Eine Frau wird losgelassen und bahnt sich mit egozentrischer Brutalität ihren Weg durch die Irrungen der Vorbereitungen. Kym, die Schwester der zukünftigen Braut, wird Tage zuvor von der hiesigen Rehabilitationsklinik entlassen. Vor Jahren kam ihr Bruder durch einen von ihrem Drogenkonsum verursachten Autounfall um – seitdem ist sie für die zerrüttete Familie (gerade in einer derartigen Situation wie Rachels Hochzeit) wie eine Naturkatastrophe, der man Einhalt gebieten müsse. Trotz Kyms Wunsch, sich zu ändern, fühlt sie sich immer stärker unter Druck gesetzt. Kein Entkommen vor den Augen ihrer Hüter. Die Paranoia zerfrisst die Sippe…
  • Filmkritik
  • Filme können die Lebensträume von Regisseuren sein. Andere wiederum sind die Geldträume von Produzenten. Manche jedoch sind die Träume von einem "Mehr", die sich einige Schauspieler leisten. Denn viele Darsteller werden oft zu Unrecht – manchmal auch zu Recht – in Sparten verfrachtet, denen sie nie entrinnen können. Falls ein Ausbruchsversuch gestartet werden sollte, muss er aufjedenfall eines sein: Brutal. Rachels Hochzeit ist ein Film jenes Genres. Die Rehabilitierung Anne Hathaways hat begonnen.

    Anne Hathaway – ein Name, der zweierlei Sparten abdeckt. Einerseits Mädchenfilme aller Art, andererseits die unangenehme Frau des berühmten Schriftstellers. Somit zwei Nischen, die nur äußerst peripher das tragische Genre tangieren. Trotz dieser scheinbaren Unmöglichkeit findet sich gerade jener Name groß auf dem Poster einer renommierten Tragödie. Da es sich hier sicherlich nicht um jene Frau Shakespeares aus dem 16. / 17. Jahrhundert handelt, muss es sich bei dieser Namensgleichheit doch tatsächlich um Anne Hathaway, das strahlende Gesicht Hollywoods, handeln. Eines muss man der jungen Darstellerin lassen: Sie zieht alle Register, um dieses strahlende Mädchenimage aus ihrer Filmografie zu tilgen. Anstelle des Lipglos trägt sie eine triste Zigarette in den Mundwinkeln. Lebte Hathaway früher von Luft und Liebe, sind jetzt wohl eher Alkohol und Drogen ihr Lebenselixier geworden. Und wurden in anderen Filme ihr Mann des Herzens nicht einmal ein Zungenkuss gestattet, begrüßt sie in Rachel Getting Married, so der originäre Titel, den nächstbesten Gefährten mit „vollem Körpereinsatz“. Reicht dies nicht schon, um als eine gewandelte Person zu wirken, der ihre Schauspielkunst wichtiger als ihr Ruf in der Boulevardpresse ist? Ich sage, Ja. Hathaway beweist mit dieser mutigen Umkehrung ihres Image, dass sie auch anders kann. Und reicht es nicht, um ihr hier und gleich einen Oscar für diesen Verdienst zu erhalten? Was, halt mal - Nein! Auf keinen Fall! Selbst die Oscarnominierung kann der hier schreibende Kritiker nicht nachvollziehen. Hathaway bemüht sich sichtlich eine beachtliche Performance für ihr Publikum abzugeben, und dies geschieht ihr in manch einen Moment wirklich fabelhaft. Der Zuschauer verdrängt vollkommen seine Vorurteile und genießt die wunderschöne Darbietung, der es gelingt ihre eigene Ästhetik auch in ihre Körpersprache und Mimik zu führen. Doch leider wirkt ihr Stil trotz all dieser Bemühungen sehr hektisch, man will schon sagen, nervig. Die Schauspielerin hatte wohl nichts anderes in Sinn, als so schnell wie möglich mit ihrem Projekt fertig zu werden, um ihre Rehabilitierung ausgiebig (mit der Oscar-Jury) zu feiern, und so „verhaspelt“ sie sich in ihrem eigenen Spiel. Sie stolpert über Gestik und Mimik und fällt schlussendlich immer wieder in ihrer Hast auf die filmische Drogen-Stereotypie herein. Man kann ihren beeindruckenden Wandel zum Besseren nur schwerlich leugnen, aber die Vorstellung, dass sie tatsächlich zu den fünf besten Darstellerinnen des Vorjahrs gehört, zerbröckeln schnell in der Luft. Scheinbar hat die Jury des Academy Award jene Hast gepackt, die von Hathaways Spiel ausging und wollten diese (einmalige?) Chance ihr wenigstens die Oscar-Nominierung zu überreichen nicht verpassen. Da sollte dieses Gremium lieber noch einige Jährchen warten, denn das Potential hat sie hier schon bewiesen und muss es nur noch umsetzen – dann kann diese Nominierung auch gerne ernst genommen werden.

    Der oscarprämmierte Regisseur Jonathan Demme, der für Werke wie Philadelphia oder The Silence of the Lambs verantwortlich ist, hat nach einigen bemerkenswerten Musikdokumentarfilmen und weniger gelungen Spielfilmen mit Rachel Getting Married versucht, wieder an seine früheren Erfolge anzuschließen. Das Besondere an diesem Versuch: Er geht genau in eine vollkommen verdrehte Richtung. Er versucht mutig weder inhaltlich noch formal an seine früheren Arbeiten zu erinnern, sondern will, etwas völlig Neues kreieren. Mit diesem neuen Stil, der öfters als einmal an ein Homevideo anmutet, versucht er, wie so viele vor ihm, eine gewisse Lebendigkeit einzufangen. Doch jenes Detail, welches Demme von derlei visuellen Genies des Genres wie Ryan Fleck trennt, ist die simple Tatsache, dass dies einfach nicht Demme ist. Der Regisseur hat in seiner mehr als 30 jährigen Erfahrung eine ganz bestimmte Stilistik für sich ausgearbeitet, welche in seinen bisherigen Filmen immer wunderbar wirkte. Indem er hier den Trend der intimen Handkamera folgt, verliert er in vielen Szenen seine eigene Originalität. Oft wirkt die Inszenierung, ähnlich dem Spiel Hathaways, hektisch, unangenehm. In diesen Szenen wird der Filmemacher vom rasanten „real life“ mitgerissen und kümmert sich zu wenig um seine Protagonisten. Aber wenn sich Jonathan Demme jene Zeit für seine Schauspieler, für seine Figuren, für die Handlung und für sich selbst, seine Regie, nimmt, dann gelingen ihm die verblüffendsten Szenen. Immer wieder, wenn der Film am Abgrund seiner Kreativität steht, reißt der Regisseur das Ruder um und bietet ein intensives, beklemmendes Familiengefühl. In diesen superben Sequenzen pulsiert großes Kino in den manchmal stereotypen Handlungsadern.

    Fazit:
    Eines steht fest: Oscargewinner Jonathan Demme gelangt mit seinem neuesten Werk sicherlich nicht zu dem Höhepunkt seines eigenen Schaffens. Aber: Erfüllt Rachel Getting Married auch nicht jene hohen Erwartungen, kann das wilde Hochzeitsgedränge zwischen Drogen und Sex dennoch manchmal einen intimen Blick in die Strukturen einer zerrütteten Familie werfen. Die Devise lautet: Erwartungshaltung hinunterschrauben und Film genießen.
  • Wertungen
  • Story
    3,0
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    2,5
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    3,0
    Verfasst von:
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