The Lost Boys

  • Informationen zum Film
  • The Lost Boys

  • Originaltitel:
    The Lost Boys
    Genre:
    Komödie, Thriller, Horror
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1987
    Kinostart Deutschland:
    14.01.1988
    Kinostart USA:
    31.07.1987
    Verleiher Deutschland:
    Warner Bros.
  • Inhalt
  • Tagsüber schlafen sie. Nachts jagen sie auf Motorrädern durch die Vergnügungsanlagen des Küstenstädtchens Santa Carla: Die „Lost Boys“, eine Gang moderner Vampire. Michael, mit Mutter und Brüderchen frisch in die Gegend gezogen, gerät in die Fänge dieser Herren der Finsternis…
  • Filmkritik
  • Ende der 80er Jahre schafften es zwei Vampirfilme das seit einiger Zeit darbende Sub-Genre des Blutsauger-Films wiederzubeleben: Der eine Film – „Near Dark“ von Regisseurin Kathryn Bigelow – wurde damals vom Publikum kaum beachtet und „erkämpfte“ sich seinen Kultstatus erst über mehrere Jahre (ein Problem übrigens, das viele Bigelow Filme haben: An den Kinokassen sang- und klanglos untergegangen aber in Retrospektive entpuppen sie sich als Genre-Highlights), der andere Film – „The Lost Boys“ von Joel Schumacher – war schon bei Erscheinen ein riesiger Erfolg und kann auf eine immer noch treue Fangemeinde verweisen (die immerhin zwanzig Jahre auf eine Fortsetzung warten musste). Mit vielen damals bekannten „Jungstars“, darunter Kiefer Sutherland, Corey Haim und Corey Feldman, schuf Regisseur Schumacher eine eigenwillige Interpretation des Vampirstoffes, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: „Was wäre, wenn Peter Pan ein Vampir wäre“ (allein schon der Titel – „The Lost Boys“ – ist eine Anspielung auf die Gruppe von Kindern, die Peter Pan um sich scharte und die mit ihm gegen den bösen Captain Hook kämpften).

    Tatsächlich ist es gerade die schon märchenhafte Atmosphäre, die den Film so faszinierend macht. Denn ein wirklich straffer Spannungsbogen ist nicht vorhanden; Tempo bekommt der Film erst in der letzten halben Stunde. Vorher lässt sich Schumacher viel Zeit, die „Lost Boys“ zu porträtieren – diese Gruppe von Ausgestoßenen, die in einer Höhle wohnen, nachts auf Motorrädern umherfahren und von denen dennoch (oder gerade deswegen?) eine enorme Faszination ausgeht – eine Faszination, der auch Hauptcharakter Michael schnell verfällt. Auf subtile Art und Weise zeigt Schumacher die Ängste damaliger Heranwachsender: die Angst vor Einsamkeit, mangelnder Akzeptanz von Seiten einer konformistischen (meist erwachsenen) Gesellschaft und der Angst, die große Liebe nie zu erleben oder dann wieder zu verlieren. Dabei werden die Vampire in der ersten Hälfte des Filmes nicht negativ dargestellt (zu sehen daran, dass ihre Morde Anfangs nur im Off geschehen) – vielmehr stellen sie einen Ausweg aus den jugendlichen Ängsten dar und bieten einen „alternativen“ Lebensweg. Bis es schließlich zum Bruch kommt und Schumacher an den konservativen Idealen einer intakten Familie festhält (so hilft Michaels jüngerer Bruder Sam seinem „vampirisierten“ Familienmitglied und trägt aktiv zur Vernichtung der „Lost Boys“ bei). Von nun an sind die Vampire Raubtiere – zu sehen in der wohl grafischsten Szene des Filmes, in denen friedlich feiernde Punks von den Blutsaugern überfallen und brutal niedergemetzelt werden. Dieser Bruch/ Umschwung, der die Vampire vom Vorbild zur Bedrohung werden lässt, ist im Film sehr harmonisch visualisiert worden – und deswegen auch nicht unbedingt ein Kritikpunkt. Vielmehr lässt der Film seinen Hauptdarsteller frei entscheiden, was er wählen wird. Und erst die Liebe lässt ihn sich von den „Lost Boys“ abwenden.

    Interessant ist, dass sich sowohl „Near Dark“ als auch „The Lost Boys“ mit dem Thema Familie auseinandersetzen – und dann trotz völlig unterschiedlichem Blickwinkel zu dem selben Ende kommen. Die „menschliche“ Familie triumphiert über die vampirische Gemeinschaft, deren Überleben letztendlich nicht gewährleistet werden kann (auch in beiden Filmen kann der Hauptdarsteller seine Geliebte aus den Klauen der Blutsauger befreien und sie von ihrem vampirischen Fluch erlösen). Beide vampirischen Familien können den anfänglichen Reiz ihres Lebens nicht aufrechterhalten – ein Leben, das nur auf Kosten anderer (unschuldiger) Menschen funktioniert – und gerade daran im Endeffekt scheitert. „Near Dark“ behandelt dieses Thema wesentlich ernsthafter und „erwachsener“ als „The Lost Boys“ – aber gerade dessen Bezug auf den Peter Pan Mythos lässt seinen „kindlichen“ Ton beinnahe unabdingbar werden – denn schließlich sind die Kinder in „Peter Pan“ die Hauptfiguren. Pointiert (aber damit nicht negativ) formuliert ist „The Lost Boys“ der „Goonies“ Film des Horrorgenres.

    Was man allerdings „Near Dark“ zu Gute halten muss und bei „The Lost Boys“ heutzutage negativ auffällt, ist dessen Zeitlosigkeit. „Near Dark“ sieht man die zwanzig Jahre nicht an, die seitdem ins Land gezogen sind… „The Lost Boys“ schon. Gerade weil er sich so sehr an der damaligen Jugendkultur orientierte um sie dann porträtieren zu können, so sehr bleibt der Film ein Kind seiner Zeit und Kleidung wie Frisuren würde man heutzutage eher lächerlich finden – und überhaupt nicht mehr „cool“. In diesem Bewusstsein sollte man „The Lost Boys“ sehen, ansonsten wirkt der Film an einigen Stellen doch unfreiwillig trashig bis komisch.

    Doch bis auf den Aspekt der Zeitbezüglichkeit und dem fehlenden Spannungsbogen ist „The Lost Boys“ ein immer noch sehenswertes Stück Horrorkino, gerade durch seine fast einmalige, märchenhaft/ kindliche Art und Weise, seinen zum Teil geschickt eingebauten Humor und dem durchaus gelungenen Versuch, die Ängste, Sorgen und Wünsche der damaligen Jugend ins Horrorgenre zu transportieren. Kameraarbeit wie Schnitt und Sound sind exzellent – allerdings bei solch einer Produktion auch nicht anders zu erwarten (Warner Brothers als Studio).

    Ein weiterer Punkt, der zum Gelingen des Filmes führte, ist wohl der exzellente „Cast“. Viele damalige Kinderstars (auch wenn sie heute meist eher unbekannt sind) zusammen mit namenhaften Schauspielern bietet eine gelungene Mischung. Besonders herausragend spielen wohl Kiefer Sutherland und Corey Feldman, die in ihren Szenen den Film an sich reißen können und eine ungebremste Spielfreude entwickeln (so ist es auch kein Wunder, dass man Feldman für das vor kurzem erschienene Sequel wieder verpflichtete – und auch dort macht er seine Sache sehr gut).

    Auch der Soundtrack ist mehr als gelungen (ein Punkt, der „Near Dark“ fehlt) und vor allem das Titellied „Cry little Sister“ trägt viel zur gelungenen Atmosphäre bei.
    Wer Vampirfilme vor allem wegen ihrer blutigen Szenen schätzt, dürfte bei „The Lost Boys“ eine mittelgroße Enttäuschung erleben. Erst in der letzten halben Stunde sind gorige Effekte überhaupt zu verzeichnen (auf den Grund bin ich weiter oben ja schon eingegangen) und selbst dann sind diese relativ kurz und knapp gehalten. Lediglich der Kampf gegen die „Lost Boys“ zeigt dann den ein oder anderen kruden Effekt – nichts allerdings, was „Gorehounds“ zufrieden stellen würde – doch an die richtet sich der Film ja auch nicht.

    Fazit:
    „The Lost Boys“ ist nicht ohne Grund einer der Kultfilme des Vampirgenres der 80er Jahre. Seine märchenhafte Atmosphäre, die interessante Grundstory und deren subtilen Untertöne, zusammen mit tollen Darstellern und einem großartigem Soundtrack machen den Film auch heute noch zu einem sehenswerten Erlebnis. Da fallen kleinere Ärgernisse (die fehlende Zeitlosigkeit und daraus resultierende modischen Entgleisungen ebenso wie die fehlende Spannung) kaum ins Gewicht. Wie oben schon einmal erwähnt: „The Lost Boys“ ist eine Art „Goonies“ des Vampirhorrorfilms. Wenn man sich darauf einlassen kann wird man knappe neunzig Minuten aufs Beste unterhalten und sieht dazu noch einige bekannte Gesichter der 80er Jahre wieder.
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    2,0
    Spannung:
    2,0
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
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