Gutterballs

  • Informationen zum Film
  • Gutterballs

  • Originaltitel:
    Gutterballs
    Genre:
    Komödie, Sport, Horror
    Produktionsland:
    Kanada
    Produktionsjahr:
    2008
  • Inhalt
  • Derbe Späße beim Bowling enden mit einer abscheulichen Vergewaltigung der jungen Lisa. Trotzdem geht das Spiel weiter, jedoch haben sich die Regeln geändert. Ein jugendliches Großmaul nach dem anderen fällt einem sadistischen Killer zum Opfer. Doch wer ist der unheimliche Mörder, der seinen Rachefeldzug unerbittlich vollzieht? Wer wird den nächsten Morgen noch erleben? Und wessen Kopf wird rollen?
  • Filmkritik
  • „Gutterballs“ ist, nach dem bei Fans und Kritikern eher negativ aufgenommenen „Live Feed“, der zweite Horror-Spielfilm des Regisseurs Ryan Nicholson. Dieser machte sich seit Mitte der neunziger Jahre einen Namen als Spezial-Effekt-, bzw. Make-up-Künstler, wirkte unter anderem in Filmen wie „Der 13te Krieger“, „Hemoglobin“ und „Final Destination“ mit, und kam im Laufe seiner Karriere auch mit den kreativen Köpfen der „August Underground“-Reihe in Berührung. Das Produktionsteam um den Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller Fred Vogel hat es sich (wohl) zur filmischen Lebensaufgabe gemacht, krasse Horrorfilme zu drehen – meist in Form fiktiver Snuff-Aufnahmen, in denen man zu sehen bekommt, wie wehrlose Opfer auf die brutalste und krasseste Art und Weise gefoltert und schließlich getötet werden; dass alles ohne Handlung, mit einer Videokamera aufgenommen, sodass man als (geneigter?) Konsument denken kann und auch soll, es handele sich wirklich um echte Aufnahmen. Und man kann sagen, dass Ryan Nicholson von dieser Art des „Schock-Filmemachens“ bewusst oder unbewusst beeinflusst wurde. Bei „Live Feed“ war dieser Umstand per se nicht einmal negativ – denn gerade diese uneingeschränkte Konsequenz zeichnete sein „Hostel-Rip-off“ noch aus. Wo das Vorbild heftige Gewaltexzesse lediglich versprach, dieses Versprechen aber nicht völlig einlösen konnte, zeigt „Live Feed“ wirklich das, was er ankündigt (über die filmischen Qualitäten sollte an dieser Stelle lieber geschwiegen werden). Nur ist „Gutterballs“ anderen (Horror-) filmischen Traditionen verbunden, und Nicholsons filmische Einstellung wird hier zum großen Stolperstein.

    Denn gerade Slasherfilme leben doch von einer eher gelösten, ja sogar gemütlichen Atmosphäre, in der sich der Zuschauer befindet. Diese Filme sollen Spaß machen, ähnlich einer Achterbahnfahrt, während man der sich zwar manchmal ängstigt, die aber dennoch die ganze Zeit über Spaß macht, wie große Regisseure dieses Sub-Horror-Genres immer gerne sagen. Und genau hier liegt der Knackpunkt des Filmes. Denn Nicholson vergreift sich während der Laufzeit mindestens zwei Mal so derbe im Ton, dass das negative Konsequenzen für den ganzen Film hat. Die abstoßende, mehrere Minuten andauernde, Vergewaltigung der jungen Lisa dürfte wohl der negative Höhepunkt sein – und erinnert eher an provokante/ schockierende Filme wie „I spit on your grave“, denn an „Freitag der 13te“. Während solch eines Momentes fällt einfach auf, dass der Regisseur seinen Stoff nicht im Griff hat – es wirkt, als hätte Nicholson immer wieder Probleme, die genretypischen Regeln einer Slasher-Komödie funktionierend einzubauen: So kann fast keiner der eingestreuten Witze den Zuschauer wirklich zum Lachen bringen und sowohl Timing wie auch Atmosphäre, die eine ironische Hommage erst funktionieren lassen, fehlen vollkommen.

    Wahrscheinlich hatte Nicholsons zwar die Idee, einen Fun-Slasher zu drehen, der, durch ironisches Übertreiben der Genre-typischen Regeln noch humoristisch daherkommt, über ein tolles Setting und krude, bzw. kreative Morde verfügt, doch gleichzeitig konnte (und wollte?) er wohl seine filmischen Wurzeln nicht verleugnen, vielleicht auch seine bisherigen Fans nicht enttäuschen, und baute deswegen mehrere krasse Schock-Szenen ein, die eher an die „August Underground“ Werke erinnern und in einem Fun-Slasher nicht unbedingt etwas zu suchen haben. Dadurch verschenkt Nicholson leider die Möglichkeit, „Gutterballs“ zu einem rundum homogenen Film zu machen, denn das Resultat dieser eingestreuten „Brachial-Momente“ ist, dass man als Zuschauer das Gefühl nicht los wird, er wäre sich selber nicht sicher, wie der Film denn nun hätte aussehen sollen.

    An einem weiteren Punkt zeigt sich diese Unentschlossenheit ebenfalls: Dem Fluchen. Und das ist in „Gutterballs“ wirklich dermaßen exzessiv eingesetzt, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. In jedem Satz gleich mehrere „bad words“ und würde man wohl alle Schimpfworte aus dem Drehbuch streichen, so hätte man dieses um mehr als die Hälfte gekürzt. Dazu kommt noch ein dermaßen abwertendes Frauenbild, dass man so auch schon lange nicht mehr in einem Film gesehen hat: Frauen braucht man für Sex und zum Bierholen – das war es auch schon. Dazu tituliert wirklich jeder männliche Darsteller die weiblichen Parts mit abwertenden Begriffen wie „Bitch“, „Cunt“, etc. Hier ist es für den Zuschauer schwer abzuschätzen, ob es ironisch, beziehungsweise lustig gemeint ist und einfach nicht funktioniert – so hat zum Beispiel„South Park“ bewiesen, dass gut übergelegt eingesetzte Schimpfworte wirklich zum Humor der Handlung beitragen können, doch Nicholson gelingt dies nicht einmal ansatzweise – oder ob es „ernst“ gemeint ist, zum „Schock-Part“ des Filmes gehört und dann einfach nur deplaziert ist.

    Dabei ist längst nicht alles schlecht an „Gutterballs“. Die Ausgangsidee und auch die Handlung an sich sind wirklich gelungen – daraus hätte tatsächlich eine witzige Hommage an Slasherfilme wie „Freitag der 13te“, „Brennende Rache“ oder „Blutiger Valentinstag“ werden können. Auch die Morde sind fast alle Highlights – wirklich originell, krude und blutig, zumal sie auch etwas mit den Utensilien eines Bowling-Centers zu tun haben: Hier rennt der Mörder nicht einfach nur mit einem Messer herum, hier werden mit Kegeln Augen ausgestochen, mit Kugeln Köpfe zermanscht und mit Bowlingschuhen Frauen erwürgt - in diesen Momenten kann man sehen, dass der Regisseur sich über sein Thema Gedanken gemacht hat und nicht einfach nur irgendein Setting auswählte. Die Umsetzung der Morde ist rundum gut gelungen, zwar nie wirklich aufwendig, aber die Effekte sehen allesamt sehr gut aus und können den Zuschauer überzeugen.

    Auch die Schauspieler machen ihre Sache recht gut – doch durch die Unsicherheit des Filmes wirken einige Akteure leider deplaziert, beziehungsweise fallen durch ihr Agieren negativ auf; was aber nur bedingt an den Darstellern selber liegt, sondern eher an dem unentschlossenen Drehbuch/ Film. Insgesamt gibt es aber keine Totalausfälle; der Besitzer der Bowlingbahn bleibt sogar mehr als positiv in Erinnerung.

    Ebenfalls positiv ist die musikalische Gestaltung des Filmes, die mit 80er Jahre Feeling eine hübsche Atmosphäre kreieren kann; auch hier zeigt sich, dass Nicholson wirklich ein Konzept, wie auch genügend gute Ideen hatte.

    Fazit:
    „Gutterballs“ sitzt leider zwischen den Stühlen und wirkt deswegen unentschlossen, welche filmische Klientel er denn nur bedienen soll. Durch diese Unsicherheit verliert der Film leider stark an Atmosphäre und als Zuschauer bleibt man nach einigen Szenen ratlos zurück, wie das Gesehene wohl gemeint war. Egal wie man den Film für sich kategorisiert, Regisseur Nicholson fehlt es eindeutig an Gespür für Timing und den richtigen Ton seines Filmes und so vergreift er sich dann auch das eine oder andere Mal recht heftig in demselben. Das ist wirklich schade, denn Grundidee wie visuelle Umsetzung der Morde (und die machen Slasherfilme ja auch zu einem Teil aus) sind durchaus gelungen, ebenso wie die Musik und die Akteure. Es bleibt somit festzuhalten, dass „Gutterballs“ in fähigeren Händen ein deutlicher besserer Film geworden wäre und dann tatsächlich „die Hommage an die Slasherfilme der 80er“ (Cover-Werbespruch) sein würde.
  • Wertungen
  • Story
    1,5
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    2,0
    Anspruch:
    0,5
    Spannung:
    2,0
    Darsteller:
    2,0
    Gesamt:
    2,5
    Verfasst von:
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USA, irgendwo auf einer Bowlingbahn: Zwei Gruppen Jugendlicher freffen sich nach Feierabend. Es kommt zu einem heftigen Streit, das eigentliche Spiel wird auf den nächsten Tag verlegt. Viele verlassen die Bowlingbahn, doch nicht alle. Als eines der ...

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geschrieben am 25.07.2011 um 14:21

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ø Wertung: 6,7/10 | Wertungen: 13 | Kritiken: 1

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