Masked and Anonymous

  • Informationen zum Film
  • Masked and Anonymous

  • Originaltitel:
    Masked and Anonymous
    Genre:
    Komödie, Musik, Drama
    Produktionsländer:
    USA, UK
    Produktionsjahr:
    2003
  • Inhalt
  • Nach Jahren am unteren Ende der Nahrungskette wird die vergessene Rocklegende Jack Fate aus seinem Exil gerufen. Der Sänger musste extra aus dem Gefängnis freigekauft werden, um als letzte Hoffnung für den verzweifelten Uncle Sweetheart ein Ein-Mann-Benefiz-Konzert zu geben. Die Augen des Künstlers sehen in der neu gewonnen Freiheit eine andere Welt. Der Staat ist in einem Dauerbürgerkrieg verhaftet und ohne Hoffnung auf Entkommen. Schon lange wissen die einzelnen Parteien nicht, warum gekämpft wird. Jack muss sich nun in einem ihm fremden Universum zu Recht finden …
  • Filmkritik
  • Der Ausnahmekünstler Bob Dylan stand für den Film Masked and Anonymous nicht nur als Hauptdarsteller und Musiker zur Verfügung, sondern schrieb für den seltsamen Genremix auch mit Regisseur Larry Charles das Drehbuch (beide im Sinne des Filmtitels in Pseudonym). Immer wieder versuchte Dylan auch im Filmgeschäft Fuß zu fassen und einen eigenen Weg zu finden, doch bisher blieb ihm der übermäßige Erfolg versagt. Als die beiden Filmemacher 2003 das Projekt beendeten, hatten sie großes im Sinn: „When I made the Bob Dylan movie, I wanted to make a Bob Dylan movie that was like a Bob Dylan song. One with a lot of layers, that had a lot of poetry, that had a lot of surrealism and was ambiguous and hard to figure out, like a puzzle” (Larry Charles).

    Um ihren Vorsätzen gerecht zu werden, versuchte das Drehbuchautorenduo eine ganz besondere Welt zu schaffen, die all ihre philosophischen Errungenschaften beinhalten könnte. Das Ergebnis ist jenes ganz neue Universum, welches den Protagonisten Jack Fate und auch das Publikum unfreundlich begrüßt. Dabei benützen die beiden Autoren einfach jeglichen politischen Konflikt, den man sich in den letzten Jahrzehnten erlebte. Von den afrikanischen Bürgerkriegen bis hin zu den nationalsozialistischen Konzentrationslagern findet man einfach alles in dem Werk. Vielleicht ist diese Art die einzige Möglichkeit, um die Unsinnigkeit des Krieges in seiner gänzlichen Pracht zu verfilmen – doch dies kümmert einen interessierten Filmzuschauer denkbar wenig. Der Plot und seine Welt wirken einfach unrund und unnötig voll gestopft. Dylan hätte seine pseudophilosophischen Gequassel und Storywirrungen dieser Geschichte, welche einfach keine richtige Handlung besitzt, ein wenig runterschrauben müssen. Doch nun wird dem Publikum ein undurchsichtiger Dschungel aus halbgaren, chaotischen Ideen vorgesetzt – kaum durchdacht, mäßig interessant. Man nehme politische Krisen als Ziegeln, religiöse Unruhen als Zement und apokalyptische Pop-Rockkultur. So entsteht das wacklige Gebilde namens Masked and Anonymous.

    Nicht viel besser ist die Regiearbeit von dem Erfolgsproduzenten und Regiedebütanten Larry Charles ausgefallen. Seine Bildsprache kann leider nie jenes Niveau erreichen, welches man von einem solchen Titel in der Kinohalle erwartet. Vielmehr bewegen sich die Einstellungen auf der qualitativen Ebene einer Prime-Time-Sendung eines Privatsenders. Später in seinem Leben zeigt sich mit seinen weiteren Filmen Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan und Religulous ein gewisses Interesse für Dokumentationskomödien. Diese Projekte, welche zwischen Fiktion und Wahrheit geschickt hin- und herpendeln, werden eindeutig mehr sein Metier sein, als jene abgeschleckte 0815-Ästhetik, die Masked and Anonymous umhüllt. Obendrein verbindet der Filmer manchmal seine Bilder in teilweise schon unharmonischen Schnitten, die dem Zuschauer aus dem Filmfluss reißen. Alles in allem überzeugt die erste Regiearbeit von Larry Charles Debüt nur mäßig.

    Doch was die meisten Zuseher ansprechen wird, sind die Namen auf dem Poster: John Goodman, Jeff Bridges, Penélope Cruz, Jessica Lange, Luke Wilson, Ed Harris, Val Kilmer, Chris Penn, Mickey Rourke, Christian Slater, und als köstliche Edelkirsche auf dem Sahnehäubchen niemand geringerer als Robert Zimmermann, alias Bob Dylan. Die meisten Mitglieder des Starensembles verzichteten auf eine hohe Gage, damit sie mit dieser Legende des Musikgeschäftes zusammenspielen können. Doch leider scheint das Staraufgebot oft nur eine Fassade zu sein. Zwar bieten die meisten der Schauspieler eine gute Darbietung, doch man hat von ihnen schon so viel besseres gesehen. Goodmans Südstaaten-Akzent ist einfach köstlich, doch er wiederholt sich in seiner Gestik als verzagter Uncle Sweetheart. Ähnlich ergeht es Jeff Bridges, der immer wieder in der gleichen aggressiven Art versucht Dylans Figur anzugreifen und aus der Reserve zu locken. Doch als Enttäuschendsten stellte sich der Hauptdarsteller an sich heraus. Der Ausnahmekünstler geht lakonisch durch seine eigene Welt. Bei all diesen Grausamkeiten scheint ihm nur ein einziger Gesichtsausdruck möglich. Beinahe in Lethargie verhaftet schlendert Dylan mit müdem Blick durch die Landschaft. Bob Dylan spielt nicht „Jack Fate“. Vielmehr schlüpft Robert Zimmermann in seine Paraderolle „Bob Dylan“. Doch zum Glück wertet der Musiker dies mit seiner gottesgleichen Stimme auf. So dürfen sich Fans von diesem Genie der Melodie über die Filmmusik freuen, die sich ausschließlich aus Covers von Dylan und von ihm selbst gesungen Liedern zusammengestellt. Ein wahrlich traumhafter Soundtrack.

    Fazit:
    Masked and Anonymous erhofft philosophisch vielschichtig, politisch tiefgründig und dazu noch unterhaltsam zu sein – also alles, was einen genialen Bob-Dylan-Song ausmacht. Das Ergebnis ist hingegen leider höchst mittelmäßig ausgefallen. Wirre Geschichte, pseudophilosophische Dialoge und eine müde Kinematographie. Dylan-Fans können sich noch auf dem vom Maestro verfassten Score erfreuen, aber da könnte man sich gleich eines seiner grandiosen Alben anhören. Das wären besser verwendete 112 Minuten.
  • Wertungen
  • Story
    2,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    2,5
    Anspruch:
    1,5
    Spannung:
    2,5
    Darsteller:
    3,0
    Gesamt:
    2,5
    Verfasst von:
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