Der Baader Meinhof Komplex

  • Informationen zum Film
  • Der Baader Meinhof Komplex

  • Originaltitel:
    Der Baader Meinhof Komple
    Genre:
    Action, Krimi, Biographie, Geschichte, Drama
    Produktionsländer:
    Frankreich, Deutschland, Tschechische Republik
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart Österreich:
    26.09.2008
    Kinostart Deutschland:
    25.09.2008
    Verleiher Österreich:
    Constantin Film
    Verleiher Deutschland:
    Constantin Film
  • Inhalt
  • Es sind die späten 60er in der ach so demokratischen Bundesrepublik Deutschland. Das Land ist aufgrund der antidemokratischen Bedingungen in rauen Aufruhr geraten. Die Bevölkerung versucht zwischen den ständigen Studentenaufständen und der polizeilichen Repression die politischen Verhältnisse zu verbessern. Die berüchtigte liberale Journalistin Ulrike Meinhof dichtet ihre antiautoritären Schriften gegen die momentane Situation. Der radikale Revolutionär Andreas Baader und seine Geliebte, Gudrun Esslin, machen mit Bombenanschläge ohne Opfer die Bevölkerung auf das Morden der Welt aufmerksam. Doch die Menschen schließen ihre Ohren gegen die Ankalge. Immer brutaler, immer fanatischer schlittern sie in die Kriminalität. Die Rote Armee Fraktion ist geboren …
  • Filmkritik
  • Die 60er waren eine Zeit der Revolutionen. Dekaden sind schon über die Länder gestrichen seitdem der westlichen Welt eine solch fundamentale Veränderung widerfuhr. Jene Ära war von einer Stimmung des Wechsels und der Unruhen geprägt. Man wollte die staatliche Gewalt nicht mehr über sich ergehen lassen, sondern sich gegen jegliche Tyrannei erheben. Aber aus der Idee des Freigeistes entstanden auch eine Reihe von antiautoritären Terror-Organisationen, welche zwar die richtigen Motivationslinien vertraten, jedoch diese durch Gewalt und Furcht durchzusetzen versuchten. Aus der Epoche der Liebe entstand der Hass gegen die Autorität. Die RAF war eine jener Gruppen, welche nicht nur den Staat, sondern auch die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzte.

    Der Erfolgsproduzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger und der deutsche Regie-Altmeister Uli Edel versuchen in ihrer dritten Zusammenarbeit, Der Baader Meinhof Komplex, die oben beschriebene Atmosphäre in der BRD der 60er und 70er auf die große Leinwand zu bannen. Bei diesem Vorhaben griff das eingespielte Team auf die interessante Buchvorlage von Stefan Aust zurück, welcher selber an den Geschehnissen in jener Zeit peripher beteiligt war (somit darf er sich auch über einige Kurzauftritte in dem Film erfreuen). Der größte Schwerpunkt, den sich die beiden Filmemacher für das Projekt gesetzt haben, war einen möglichst authentischen Film zu kreieren, welcher sowohl die damaligen Zeitzeugen als auch die Generationen danach die Ereignisse erneut bzw. zum ersten Mal miterleben lässt. Nach Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo und Letzte Ausfahrt Brooklyn will Edel erneuet mit Eichinger ungeschönte Bilder der Gewalt schaffen. Dem Regisseur gelingt eine eiskalt konzipierte Sprache des Filmes, welche dank genauen Rückgriffs auf Archivmaterial einen unangenehmen Flashback an die längst vergessenen Tagen verursacht. Jegliche Aufzeichnung jener Ära wird genützt, um in der Regie und auch im Schauspiel möglichst detailliert zu sein. Doch manchmal bricht Edel aus seinem eigenen Filmfluss aus, da der penible Drang zur Genauigkeit den Weg zum spröden, dokumentarischen Abfilmen offenbart. Oft folgen den atemberaubenden Szenen der rauen Wirklichkeit jene öden Sequenzen, welche den Fernsehnachrichten entsprungen zu sein scheinen.

    Eichinger wollte bei der Adaption des Bestsellers seine eigenen Gefühle für das Thema außen vorlassen. Aber immer wieder spürt man die Antipathie des Drehbuchautors für die gefürchteten Terroristen. Nach seinem letzten Drama der deutschen Geschichte um den schrecklichsten Diktator des 20. Jahrhunderts wendet sich der Erfolgsproduzent von der Perspektive eines einzelnen Protagonisten ab, um die RAF durch hundert verschiedene Augen zu porträtieren. Mit dem Bestreben der Authentizität setzt er seine so genannte „Fetzendramaturgie“ effektiv über die gesamte Spiellänge von 150 Minuten ein. „Das ganze heißt Der Baader Meinhof Komplex und nicht der ‚Baader Meinhof Simplex’“, berichtet der gewiefte Dichter in einem Interview, und man kann ihm nur vollkommen zustimmen. Ein solch intensives, verschachteltes Gebilde, wie eben die Aktivitäten der RAF in ihren Kindertagen, kann man nur in jener Form präsentieren, in welcher sich die Protagonisten abwechseln, den Film verlassen oder auch einfach sterben. Eichinger versucht in seinem neuesten Werk die Vorgänge zu entschlüsseln, durch welche aus einer Friedensbewegung ein fürchterlicher Tumor eines Landes wurde. Es ist faszinierend zu sehen, wie den Drahtzieher der RAF langsam, aber sicher die Fäden aus den Händen gleiten. Trotz dieser durchdringenden Analyse der Vergangenheit lässt sich Eichinger es nicht nehmen im Stile von Spielbergs Munich die heutige Lage des Terrorismus mit seinen subtilen Worten zu kommentieren. Am Ende seiner kaltherzigen Abrechnung mit der RAF warnt er die Bevölkerung noch einmal: „Ihr habt die Leute, nicht gekannt, hört auf sie zu sehen, wie sie nicht waren!“

    Fazit:
    Der Baader Meinhof Komplex ist eine intensive Vergangenheitsbetrachtung, welche versucht die Hintergründe und die Faszination für jene Gruppe aus einem der wichtigsten Kapiteln der Gewalt in Deutschland aufzudecken. Zwar manch einer Stelle etwas holprig erzählt und öde abgefilmt, dennoch ein Muss auf der deutschen Filmografie.
  • Wertungen
  • Story
    4,5
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
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