Rubljovka - Straße zur Glückseligkeit

  • Informationen zum Film
  • Rubljovka - Straße zur Glückseligkeit

  • Originaltitel:
    Rubljovka - Straße zur Glückseligkeit
    Genre:
    Dokumentation
    Produktionsland:
    Deutschland
    Produktionsjahr:
    2007
    Kinostart Österreich:
    22.02.2008
    Kinostart Deutschland:
    13.12.2007
    Verleiher Österreich:
    Filmladen
    Verleiher Deutschland:
    GM Films
  • Inhalt


  • Die Rubljovka ist die Straße, die vom Zentrum Moskaus hinausführt an den Stadtrand, in die Provinz. Schon zu Zeiten Iwan des Schrecklichen waren Grundstücke um diese Straße herum heiß begehrt, später sollten Zaren, Diktatoren und Präsidenten aber auch Künstler, Wissenschaftler und Minister ihre Datschen an der Hauptverkehrsader beziehen. Seit Anfang der 90er boomt das Geschäft mit den Immobilien, Grundstückspreise sind exorbitant hoch, die Siedlungen werden von eigenen Armeen und Sicherheitsleuten mit Argusaugen bewacht. Dennoch – ein paar Hütten der Armen sind übrig geblieben – ihre einfachen Bewohner trotzen dem russischen Neokapitalismus und sind gerade deshalb unter den Reichen verhasst. Die Straße scheint Welten zu trennen – nur wenn die streng bewachte Eskorte des Präsidenten vorbeizischt, scheinen alle gleich...
  • Filmkritik
  • „Alle“ sind in diesem Fall Menschen unterschiedlichster sozialer Gruppierungen, die Irene Langemann durch ihren Alltag begleitet. Die „Rubljovka“ zieht sich dabei wie der berüchtigte rote Faden durch den Film. Die Regisseurin kommt immer wieder auf die Straße zurück – besonders scheinen es ihr Autokolonnen wie die des Staatspräsidenten Putin angetan zu haben. Diese Aufnahmen entstanden unter schwersten Bedingungen, da man die Kolonne des Präsidenten schlicht und einfach nicht filmen darf. Überhaupt scheint die Entstehungsgeschichte des Films ebenfalls filmreif zu sein: Durch diverse Ordnungskräfte empfindlichst bei der Arbeit gestört schuf Langemann allen Widerständen zum Trotz ein ansehnliches Portrait eines neuen russischen Lebensstils.

    Da gibt es zum einen die „Emporkömmlinge“ - die russischen Superreichen, hier allerdings schon in zweiter Generation verkörpert: Die 27 jährige Marjusa stammt aus äußerst wohlhabenden Verhältnissen, macht selbst aber nichts, außer zwischen Fitnesscenter, Portraitmaler (der übrigens Putin Portraits in napoleonischer Pose anfertigt) und Schicki-Micki Party hin und her zu pendeln. Auf der Suche nach einem Mann hofft sie, dass dieser wie „der edle Prinz auf dem Schimmel“ bei ihr ankäme – solange er zumindest ein Grundstück an der Rubljovka besitzt, sei ihr alles recht. Am Schluss landet sie in den Armen eines Mannes, der ihre Ängste im Gespräch entlarvt und entsprechend reagiert. Ob er Marjusas Prinz werden sollte, wird im Film nicht mehr beantwortet.

    Anders ist es um die Familie des 12 jährigen Roma bestellt, der im Filmverlauf gemäß dem Motto, dass Kinder und Narren die Wahrheit sagen, einige sehr gewagte Aussagen zur russischen Gesellschaft und zu ihrem Demokratieverständnis liefert. Sein Vater ist Physiker, seine Mutter Architektin und wer sich vorstellt, wie diese beiden Disziplinen ineinander verschmelzen, kann sich auch in etwa ausmachen, welche Häuser die beiden designen. Auch sie haben es einigermaßen zu Wohlstand gebracht – auch wenn „Kreative nie Geld haben“. Immerhin wird schon über unterirdische Gänge und fahrbare Terrassen nachgedacht, während das Zimmer des Sohnes immer noch nicht fertig ist.

    Und schließlich die 70 jährige Ljubov Jermilina, die in einer kleinen Hütte an der Rubljovka haust, also den Reichen und Mächtigen ein Dorn im Auge ist. Dass sie trotzdem hofft, Putin würde ein drittes, ja sogar viertes Mal Präsident werden, darf als paradox angesehen werden, ist aber charakteristisch für die Ambivalenz aller Charaktere, denen die Kamera im Laufe des Films begegnet. Durch die wenig um Effekt bemühte und vermutlich gerade deswegen so treffende Filmmusik von Irene Langemanns Sohn Michael schafft sie zusätzliches Spannungsverhältnis zwischen Bild und Ton.


    Mit Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit bekommt die Bedeutung des Begriffes „Roadmovie“ wieder eine ganz neue Dimension. Hier ist es weniger die Bewegung, sondern viel mehr das genaue Hinsehen, das Einfangen von Momentaufnahmen in einer im Umbruch befindlichen Gesellschaft. Deren Dekadenz lädt zum Lachen ein, deren Naivität manchmal - und fast leider - aber auch zum Nachdenken!

    Gewinner des Standard-Publikumsjurypreises der VIENNALE 2007.

    NEU: Ein exklusives Interview mit Irene Langemann gibt es unter obigem Link nachzulesen!

    (Bildquelle: filmladen)
  • Wertungen
  • Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
    Bestellen bei:
    Jetzt auf Amazon bestellen

Komentare (0)

Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.

 

Weitere Diskussionen zu diesem und vielen anderen Themen findest du im Forum von DVD-Forum.at.

Rechtliche Hinweise:
Die in den Kommentaren geäußerten Meinungen geben ausschließlich die Ansichten der User wieder, von denen sie gepostet wurden. Diese müssen sich nicht mit der Meinung der Redaktion von DVD-Forum.at sowie deren Partnern decken. Wir behalten uns vor, Kommentare die gegen unsere Nutzungsbedingungen oder gegen straf- oder zivilrechtliche Normen verstoßen bzw. dem Ansehen von DVD-Forum.at schaden können auch ohne Angabe von Gründen zu löschen. Gegen diese Schritte können keine Ansprüche geltend gemacht werden. Bei wiederholten Verstößen ist mit einem Ausschluss aus unserer Community zu rechnen, weiters behält sich DVD-Forum.at bei schwerwiegenden Verstößen wie strafrechtlich relevanten Tatbeständen vor Anzeige zu erstatten und/oder Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Userkritiken

Userkritiken

Um eine Kritik auf DVD-Forum.at abzugeben musst du angemeldet sein.

Cover

Cover

Bewerte den Film!

Meine Wertung:


Community Wertung:

ø Wertung: 0/10 | Wertungen: 0 | Kritiken: 0

Anzeige

Anzeige