The End of the Neubacher Project

  • Informationen zum Film
  • The End of the Neubacher Project

  • Originaltitel:
    The End of the Neubacher Project
    Genre:
    Dokumentation
    Produktionsländer:
    Österreich, Niederlande
    Produktionsjahr:
    2007
    Kinostart Österreich:
    18.01.2008
  • Inhalt
  • Acht Jahre lang ging Regisseur Marcus J. Carney mit dem (hinter)fragenden Blick der Kamera seiner Familiengeschichte mütterlicherseits nach. Diese ist durchtränkt von nicht Aufarbeitung ihrer Nazivergangenheit, denn Hermann Neubacher, der Onkel seiner Mutter, war einer der schillerndsten Persönlichkeiten der österreichischen Naziszene. Bei seiner filmischen Reise entfaltet Carney aber immer mehr, dass Vergangenheitsleugnung und Verdrängung nicht Probleme sind, die nur eine einzige Familie betreffen, sondern symptomatisch für den „morbus austriacus“ – die österreichische Krankheit sind.
  • Filmkritik
  • Das Neubacher Projekt ist zwar zu Ende, doch die filmische Aufarbeitung einer Familiengeschichte hinterlässt tiefe Spuren. Denn das Argument „die Vergangenheit ruhen zu lassen“ ist nicht nur bekannt, sondern geradezu österreichisch-symptomatisch. Dass dieses Land und seine Bewohner noch lange nicht einmal ansatzweise dafür bereit sind, zeigt Carney mit seinem Film auf eindrückliche Art und Weise. Acht Jahre lang begleitet er mit der Kamera seine Familie, streut Archivaufnahmen und private Familienfilme ein und kreiert ein „gigantisches home movie“. Mit fortschreitender Laufzeit taucht er tiefer und tiefer in die Familiengeschichte ein und fördert ans Tageslicht, was besser verborgen bliebe: Seine Oma weicht seinen Fragen im Bezug auf die Nazizeit aus, sagt nur, es sei die beste Zeit in ihrem Leben gewesen, doch wenn man so etwas sage, wäre man automatisch ein Nazi. Sein Onkel, passionierter Koch und Jäger zweifelt indessen offen an der Aussage, dass unter der NS Herrschaft sechs Millionen Juden umgekommen seien. Nazis wollen sie alle nicht sein. Und über Onkel Hermann wird nur Gutes in der Familie gesprochen.

    Erst mit Marcus Mutter scheint dieses Bild zu zerspringen. Sie will anfangs nicht gefilmt werden, willigt mehr und mehr aber doch ein. The End of the Neubacher Project sollte laut Carney ein Film über seine Familiengeschichte werden, wurde für ihn aber ein Film darüber, wie sehr er seine Mutter lieben sollte. Diese organisiert zu Beginn noch Hilfslieferungen in die Ukraine, ist engagierte Ärztin und pflegt ihre sterbende Mutter. Am Schluss siecht sie selbst am Krebs dahin, ein Leidensweg, den Carney ausführlich und schonungslos bis zum bitteren Ende begleitet. Und dabei vielleicht auch eine Spur zu weit geht, was die Darstellung der Agonie anbelangt. Bereits zuvor zeigt er auch in ausführlichen Bildern seine dahin sterbende Oma. Bilder, die den Zuschauer anrühren und bewegen – wie auch der Rest des Films.

    In der Jury-Begründung für den First Steps Award für The End of the Neubacher Project findet sich vielleicht der treffendste Satz über den Film: „Eine Geschichte, die so privat zu sein scheint, dass man sie wegschließen möchte.“ Eine Geschichte jedenfalls, die nach dem Film noch lange nicht zu Ende ist.
  • Wertungen
  • Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
    Bestellen bei:
    Jetzt auf Amazon bestellen

Komentare (0)

Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.

 

Weitere Diskussionen zu diesem und vielen anderen Themen findest du im Forum von DVD-Forum.at.

Rechtliche Hinweise:
Die in den Kommentaren geäußerten Meinungen geben ausschließlich die Ansichten der User wieder, von denen sie gepostet wurden. Diese müssen sich nicht mit der Meinung der Redaktion von DVD-Forum.at sowie deren Partnern decken. Wir behalten uns vor, Kommentare die gegen unsere Nutzungsbedingungen oder gegen straf- oder zivilrechtliche Normen verstoßen bzw. dem Ansehen von DVD-Forum.at schaden können auch ohne Angabe von Gründen zu löschen. Gegen diese Schritte können keine Ansprüche geltend gemacht werden. Bei wiederholten Verstößen ist mit einem Ausschluss aus unserer Community zu rechnen, weiters behält sich DVD-Forum.at bei schwerwiegenden Verstößen wie strafrechtlich relevanten Tatbeständen vor Anzeige zu erstatten und/oder Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Userkritiken

Userkritiken

Um eine Kritik auf DVD-Forum.at abzugeben musst du angemeldet sein.

Cover

Cover

Bewerte den Film!

Meine Wertung:


Community Wertung:

ø Wertung: 0/10 | Wertungen: 0 | Kritiken: 0

Anzeige

Anzeige