Die Jungfrauenquelle

  • Informationen zum Film
  • Die Jungfrauenquelle

  • Originaltitel:
    Jungfrukällan
    Genre:
    Krimi, Drama
    Produktionsland:
    Schweden
    Produktionsjahr:
    1960
    Kinostart USA:
    14.11.1960
  • Inhalt
  • Ein schwedisches Volkslied aus dem 12. Jahrhundert erzählt folgende Weise:
    Rund um den stolzen Großbauern Töre (Max von Sydow) schart sich eine breite Gefolgschaft aus Familie und Dienstboten. Die Tochter einer seiner Mägde, Ingeri (Gunnel Lindblom), ist unverheiratet schwanger – sie ist zwar dem Verstoß ihrer Familie entgangen, bleibt aber der Schandfleck. Deshalb betet sie heimlich zu Wotan, dem obersten germanischen Gott, er möge Karin (Brigitta Pettersson), die einzige Tochter Töres und seiner Frau (Brigitta Valberg) verderben.
    Am nächsten Morgen soll Karin – wie es der religiöse Brauch will – die Marienkerzen in der Kirche weihen lassen. Zunächst verschläft sie die Frühmesse, denn noch am Abend zuvor war sie außer Haus – dann will sie auch noch ein ganz besonders schönes Kleid tragen. Sowohl Mutter als auch Vater Töre erziehen ihre Tochter mit leichter Hand und wenig Strenge, dennoch erinnern sie sie daran, stets tugendhaft zu bleiben, da ihre Seele sonst dem Teufel anheim falle. Ingeri findet auf dem Boden eines Lagerraumes einen Frosch, den sie der verhassten Karin zwischen das Brot steckt. Beide machen sich gemeinsam auf den Weg in die Kirche, doch die schwangere Ingeri kann schon nach kurzer Zeit nicht mehr weiter, als sie bei einem Haus einem alten Mann begegnen, der sie anspricht. Ingeri bleibt bei ihm und er gibt sich ihr als Anhänger der germanischen Götter zu erkennen. Da er ihr zu nahe kommt, flieht sie aus dem Haus und versucht, Karin einzuholen. Die hat inzwischen Bekanntschaft mit drei jungen Ziegenhirten gemacht, die sie dazu überreden, mit ihr zu speisen. Die drei bedrängen das Mädchen immer mehr, vergewaltigen und töten es schließlich, während Ingeri aus sicherer Entfernung dem Treiben zusieht.
    Am Abend kommen die drei Hirten an den Hof Töres, wo sie übernachten wollen. Die Eltern sind bereits in großer Sorge um ihre Tochter, lassen sich aber vor ihren Gästen nichts anmerken. Mitten in der Nacht wird die Mutter durch einen Schrei geweckt, sie vermutet, dass die zwei Brüder ihren dritten, jüngeren, verprügeln. Um sie zufrieden zu stellen, schenkt einer der drei der Mutter das kostbare Kleid Karins, welches sie sofort erkennt. Sie eilt zu ihrem Mann, der weiß, was er zu tun hat. Zunächst verriegeln sie den Stall, in dem die drei schlafen, dann geißelt sich Töre selbst mit den Zweigen eines Baumes um schließlich den Mord an seiner Tochter zu rächen.
    Ingeri führt die Familie zur Leiche Karins und Töre gelobt, an diesem Ort eine Kapelle aus Kalk und Stein zu bauen. Als sie Karin wegtragen, entspringt an der Stelle, an der sie gelegen hat, eine Quelle mit klarem und reinem Wasser.
  • Filmkritik
  • Ingmar Bergman, geboren am 14.7.1918 in Uppsala, Schweden, verstarb am 30. Juli 2007 – im Alter von 89 Jahren. Der vermutlich beste Regisseur aller Zeiten ist nicht mehr. Grund genug, sich zumindest einem seiner besonderen Filme, welche zumeist sich zumeist um religiöse Fragen oder „Frauenwelten“ drehten, zu widmen. Die Jungfrauenquelle aus dem Jahr 1960 war bereits der zweite Film Bergmans – nach Das siebente Siegel der einen Oscar sowie auch einen Golden Globe als bester Fremdsprachiger Film erhielt. Außerdem sollte Bergman und seine Arbeit in weiterer Folge noch einige Skandale in der Öffentlichkeit, in der Presse und bei Zensurbehörden evozieren, Die Jungfrauenquelle ist gewissermaßen der erste Film in dieser „Reihe“, und machte seinen Regisseur, der vorher eher einem kleinen Publikum – vor allem im deutschsprachigen Raum – bekannt war, salonfähig. Das „corpus delicti“ war die Vergewaltigungsszene, in der die Zuschauer wohl mehr als sie es – zumindest für die damalige Zeit – möchten, zu Voyeuren macht. Doch auch heute hat dieser Moment nichts an seiner Kraft und seinem Ausdruck verloren, immer noch hat das Keuchen der jungen Karin, schockiert, erschöpft und zu tiefst gedemütigt eine ungemeine Intensität, eine Intensität, die beispielsweise Wes Cravens Quasi-Remake Last house on the left (1971) vermissen lässt. Cravens Film transportiert die mittelalterliche Fabel ins proletarische Amerika der Hippie-Zeit und lässt jegliches Feingefühl für die Zeichnung seiner Charaktere vermissen – sondern setzt auf mehr oder weniger plakative Exploitation. Eines ist sowohl Cravens als auch Bergmans Film gemein: Beide gelangten ins Visier der Zensurbehörden und so wurden aus der Jungfrauenquelle immerhin 16 Meter Film entfernt. Der Skandal war perfekt, das Publikum strömte in Scharen die Kinos und Bergman war einmal mehr „en vogue“, obwohl er bereits zuvor mit Filmen wie Das Lächeln einer Sommernacht (1955), Das siebente Siegel (1956) und Wilde Erdbeeren (1957) erfolgreich war.
    Auch in diesem Film des Pastorensohns spielt die Suche nach der Religion eine wichtige Rolle – einzelne Einstellungen oder Bilder sind religiösen Motiven zugeordnet, Gott ist zumindest in den Dialogen allgegenwärtig, die Verdrängung der heidnischen Urreligion ebenso und als Ingeri am Schluss mit dem Wasser aus der Quelle ihr Gesicht reinwäscht, ist dies fast schon eine vielschichtige religiöse Formel: Bekehrung der heidnischen Sünderin auf den tugendhaften Pfad Gottes, Abwaschen der Vergangenheit etc.
    Auch Töre ist vor seinem Rachefeldzug gegen die drei Hirten ganz der „gute“ Christ, der sich selbst geißelt und seine Hände wäscht, bevor er das Todesurteil vollstreckt. Die drei Hirten wiederum sind drei ungleiche Brüder – einer davon ein kleiner stummer Bub, der zweite ohne Zunge, nur der dritte ist fähig zur Kommunikation mit anderen. Nach ihrer Schreckenstat verlassen die beiden ältesten unter Schock den Ort des Geschehens und ihren kleinen Bruder, der alleine zurückbleibt und beginnt, die Leiche Karins mit Erde zu bedecken. Er ist unschuldig, doch trifft auch ihn am Schluss der rasende Zorn des Vaters, wohl auch sehr zum Erschrecken der Mutter, die den kleinen in letzter Sekunde retten will.
    Auf dem Weg zu Karins Leiche sagt sie Töre wohl elementarste Dinge über sie und ihre Beziehung zu ihrer Tochter: Da sie erkannte, dass Karin ihren Vater weitaus mehr liebt als sie, begann sie, sie zu hassen – Gott habe ihr nun diese Strafe auferlegt. Dadurch gibt sie Preis, dass die Konstellation der Familie weitaus komplexer ist, als man zu Beginn vermuten möchte. Doch erst mit dieser Information bekommt eine der Schlüsselszenen am Anfang tiefere Bedeutung, nämlich als die Mutter Karin weckt und sie für ihren Kirchengang vorbereitet: Sie verweigert ihr zunächst das schöne Kleid, da sie es für unter der Woche nicht angebracht hält, lässt sich dann aber doch breit schlagen, wohl nur, um so noch mehr Liebe ihrer Tochter zu erhalten. Als Töre das Zimmer betritt, rückt die Mutter sofort in den Hintergrund des Geschehens, so als sei sie gar nicht mehr präsent, da Vater und Tochter sofort zu scherzen und zu lachen beginnen.
    Bergmans Stammkameramann Sven Nykvist (seit Abend der Gaukler dabei) komponiert für diesen Film simple, sowie atemberaubende Bilder, Einstellungen und Kamerafahrten, die stark-ikonischen Charakter besitzen: Von der Anfangszene in dem dunklen Zimmer Ingeris, die sich an eine Stange schmiegt, über Bilder, die dem des letzten Abendmahls nachempfunden sind, bis hin zu wunderbaren Schwenks während des Ritts zur Kirche – dank einer sehr präzise gesetzten Beleuchtung kommt in dem schwarz-weiß Film eine ungeheure Stimmung zur Geltung (in den Screenshots sind ein paar dieser Momente festgehalten). Der spärliche Einsatz der Filmmusik und die durchwegs überzeugenden darstellerischen Leistungen (Max von Sydow ist allerdings der einzige „echte“ Stammschauspieler Bergmans in diesem Film) ist Die Jungfrauenquelle noch heute ein Film, der von seiner Bildgewalt nichts verloren hat und seinen festen Platz in der Geschichte des Films besitzt. Gerade jetzt, kurz nach dem Tod seines Schöpfers, bietet es sich an, das Werk Bergmans (wieder) zu entdecken – mit diesem nicht all zu schwer zugänglichen Film, kann ein lohnenswerter Anfang gemacht werden!
  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    2,5
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    4,0
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    4,0
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