Eastward [Nintendo Switch – Review]

Ein echtes Klassiker-Genre!

Action-Rollenspiele haben vor allem mit dem Aufkommen der 8 Bit-Konsolen wie dem NES ihren Siegeszug begonnen. Man denke nur an das erste Abenteuer von Link auf Nintendos grauem Brotkasten oder späteren Meisterwerken wie dem zeitlosen Klassiker „Secret of Mana“ für das SNES.

Doch im Zuge des 3D-Hypes mit PlayStation & Co. verschwand das Genre aus dem Fokus der Entwickler und wurde eher zu einer Nische für Liebhaber. Mit dem Aufkommen der Retro-Welle vor einigen Jahren und der wiederentdeckten Liebe für detailreiche 2D-Pixelwelten, wurden auch die Action-Rollenspiele wieder beliebter, vor allem bei Indie-Entwicklern.

Eines dieser Spiele hört auf den Namen „Eastward“, erschien im September vergangenen Jahres für Switch, PC und Mac und konnte sowohl Kritiker*innen wie auch Spieler*innen überzeugen. Im Rahmen des Releases als physische Version haben wir uns nun das endzeitliche Abenteuer nochmal angeschaut und verraten euch, ob sich ein Kauf lohnt.

Endzeit-Höhlen

Nachdem eine seltsame Plage namens MIASMA die Erdoberfläche unbewohnbar gemacht hat, flüchten die letzten Überlebenden in unterirdische Katakomben und bauen dort eine neue Zivilisation auf. Und hier treffen wir auch auf Sam und John, die in einer dieser Siedlungen – Potcrock Isle – unter der Erde leben. 

Während John der harten Arbeit als Minenarbeiter nachgeht, wissen wir über Sam nicht gerade viel. Doch als sie eines Tages endlich die Möglichkeit bekommt auf die Schule zu gehen, ändert sich auch der ruhige Alltag der beiden ziemlich drastisch. Vor allem weil Sam recht schnell mit ihren Klassenkamerad*innen aneckt und es zahlreiche mysteriöse Vorfälle gibt, die vor allem dem Bürgermeister von Potcrock Isle ein Dorn im Auge sind. 

Nach einer größeren Auseinandersetzung mit diesem verbannt er euch an die Oberfläche und aus dem Dorf. Im Zug dorthin erwarten Sam und John zwar das Schlimmste, aber „Eastward“ hält eine Überraschung für die beiden parat.

 

 

Es gibt auf den Deckel!

Wie oben schon erwähnt, orientiert sich „Eastward“ an den klassischen Action-Rollenspielen aus 8- und 16 Bit-Zeiten und präsentiert euch das Spielgeschehen aus der Vogelperspektive. Dabei sind Sam und John zum größten Teil zusammen unterwegs, man kann die beiden per Tastendruck aber auch voneinander trennen. Dieses Feature wird vor allem für einige Rätsel-Segmente verwendet, ist aber erst ab einem gewissen Zeitpunkt im Spiel verfügbar. Denn während sich John dank seiner Bratpfanne schon von Beginn ab Feinden gegenüber behaupten kann, wird Sams Energieschuss erst zu einem späteren Zeitpunkt aktiv.

Während des Spielverlaufs könnt ihr weitere Waffen und Fertigkeiten freischalten, so könnt ihr euch dann auch mit einer Pistole oder einem Flammenwerfer verteidigen. Letzterer ist nicht nur für den Kampf nützlich, ihr könnt damit auch Unkraut vernichten und kommt so an einigen, vorher nicht passierbaren Stellen weiter. 

In eurem Rucksack verstaut ihr währenddessen nicht nur die Waffen, sondern auch Munition oder selbstzubereitetes Essen. Findet ihr in der Spielwelt einen Herd, könnt ihr dort aus den gefundenen Zutaten etwas kochen. Je nach gewähltem Inhalt kann sich der Verzehr auf eure Statuswerte auswirken und gewährt euch zum Beispiel einen zeitlich begrenzten, stärkeren Angriff.

Neben den Kämpfen und ein paar Rätseleinlagen, besteht ein großer Teil des Gameplays aber aus Dialogen. „Eastward“ ist ein sehr redseliges Spiel und erinnert mit seiner Textvielfalt teilweise schon an Visual Novels. Ach ja…als kleinen Gag hat Entwickler Pixpil noch ein Retro-Rollenspiel eingebaut. „MotherBound“ orientiert sich dabei an den großen Genre-Klassikern und kann an auffindbaren TV-Geräten in der Spielwelt gezockt werden. 

Pixel, die euch den Atem rauben

„Eastward“ ist nicht nur spielerisch ein klarer Liebesbeweis an die frühen Zeiten des Action-Rollenspiels, auch in Sachen Grafik hat das Entwicklerstudio seine Hausaufgaben gemacht. Das Ergebnis ist teilweise wirklich atemberaubend und während schon in dem Anfangsgebiet unter der Erde vor allem die Details und die schönen Lichteffekte auffallen, setzt man an der Erdoberfläche nochmal einen drauf. Egal ob mysteriöser Wald oder eine Kleinstadt im japanischen Stil, an jeder Ecke entdeckt man ein Easter Egg oder ein Detail, das einen an etwas anderes aus der Popkultur erinnert. Ganz großes Kino! Wie schon gesagt, obendrauf gibt es sagenhaft schöne Beleuchtungseffekte und fertig ist die perfekte Spielwelt. Untermalt wird diese von einer tollen, stimmungsvollen Musik, die sich immer wieder der jeweiligen Situation anpasst.

„Eastward“ lief während unseres Tests auf der Switch sowohl im mobilen wie auch angedockten Zustand wie eine Eins. Aber das sollte die Hardware bei solch einem Titel auch schaffen…

Die Steuerung ist übersichtlich und so kann man schnell auf andere Waffen, die Items aus dem Rucksack oder eben den zweiten Charakter und seine Fertigkeiten zurückgreifen. 

Etwas problematischer ist da die Situation rund um die Lokalisierung. Denn das Spiel ist leider nur in Englisch, Französisch, Chinesisch und Japanisch spielbar. Was fehlt? Ganz klar…Deutsch. Denn „Eastward“ bietet den Spieler*innen kein leichtes Schul-Englisch und verwendet viele Redewendungen oder Dialekte, die man vielleicht nicht kennen könnte. Das macht den Zugang schwierig. Immerhin soll ein entsprechender Patch noch erscheinen, konnte aber aufgrund von Corona noch nicht veröffentlicht werden.

 

 

  • Story
  • Grafik
  • Gameplay
  • Spielspaß
3.8

FAZIT: Wunderschönes Retro-Rollenspiel mit Macken

Auch wenn „Eastward“ ein echter Kritiker-Liebling ist und schon eine große Fangemeinde besitzt, fiel mir der Einstieg in das Spiel schwer. Es gibt relativ wenig Vorgeschichte und so muss man sich fast schon durch die ersten Spielstunden quälen und weiß nicht so recht warum und wieso man das Ganze hier gerade macht. Immerhin dauert es auch gute zwei Stunden bis man den Titelbildschirm zu sehen bekommt, erst dann beginnt das eigentliche Abenteuer.

Sam und John auf ihrer Reise zu begleiten war vor allem aufgrund der tollen Optik, der vielen Details und der gelungenen Stimmung des Spiels ein Erlebnis. Doch „Eastward“ nervte an einigen Stellen auch extrem. So sind die Kämpfe oft pures Buttonmashing und besonders unfair, wenn die Feinde von allen Seiten kommen. Da eure Energieleiste auch recht schnell dezimiert ist, kommt es immer wieder zum Game Over. Glücklicherweise hat „Eastward“ faire Rücksetzpunkte, allerdings solltet ihr wirklich immer ausreichend Proviant im Rucksack haben, um euch zu heilen.

Mir war das Spiel an vielen Stellen auch viel zu gesprächig, da es euch hin und wieder wirklich minutenlang in Dialoge verwickelt, die man am Ende auch wesentlich schneller auf den Punkt hätte bringen können.

In den spielbaren Momenten ist „Eastward“ wirklich toll und lohnenswert, aber das Drumherum verhindert hier eine Top-Wertung. Das Pacing hätte etwas flotter sein können, außerdem gibt es wirklich viele Dialoge…es sind so viele…puh!

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Über Christian Suessmeier 2550 Artikel
Nachdem ich schon in jungen Jahren Prinzessinnen aus den Klauen bösartiger Reptilien rettete und mich mit einem kleinen Raumschiff durch das Weltall ballerte, ließ mich die Faszination Videospiele nicht mehr los. Besonders japanische Spiele haben es mir angetan, außerdem war ich auch immer ein großer Fan von spezielleren Konsolen wie dem Sega Saturn. Ein Herz für Außenseiter quasi! In Sachen Spielen verehre ich die "Yakuza"-Reihe, mag filmische Abenteuer wie "The Last of Us" und absolviere gerne mal eine Partie "PES" zwischendurch. Ansonsten schlägt mein Herz aber auch für den japanischen Film, Regisseure wie Shion Sono, Shinya Tsukamoto oder Takeshi Kitano sind einfach Gold wert. Weiterhin investiere ich meine Zeit aber auch gerne in Comics und dem kreativen Arbeiten(Schreiben, Zeichnen...).

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