„Devs“ wirft einen Blick in die Zukunft

Spätestens seit der Veröffentlichung von Nick Bostroms Bestseller „Superintelligenz“ ist das Thema in aller Munde. Beim Suchmaschinenriesen Google setzt man seit Jahren auf das Potenzial der Künstlichen Intelligenz. Ein Manager des Konzerns bezeichnete diese Forschung einmal gar als tiefgreifender als Elektrizität und Feuer. Da konnte eine Umsetzung in der Filmindustrie nicht lange ausbleiben. Doch was Regisseur Alex Garland in seiner Serie „Devs“ auf die Beine gestellt hat, ist einzigartig.

 

Künstliche Intelligenz spielt seit den Terminator-Filmen von Arnold Schwarzenegger immer wieder eine große Rolle in Hollywood. Jetzt möchte Netflix sogar eine Anime-Serie aus dem Stoff machen. Doch nie zuvor wurde das Thema so umfassend und gleichzeitig faszinierend umgesetzt wie in Alex Garlands erster TV-Serie.

Wie ein Mensch denken und reagieren

Schließlich geht es bei künstlicher Intelligenz schon lang nicht mehr nur darum, einer Maschine etwas beizubringen. Die Wissenschaft ist mit ihrer Forschung längst in zahlreiche Bereiche des menschlichen Lebens vorgedrungen. Was ursprünglich mit Spielen wie Schach begann, ist heute Bestandteil alltäglicher Situationen geworden. Künstliche Intelligenz kann wohlüberlegte Entscheidungen treffen und soll bald in der Lage sein, wie ein Mensch zu denken und zu reagieren.

Doch damit begnügt sich Alex Garland in „Devs“ bei weitem nicht. Er bringt ein Grundproblem der Philosophie mit ins Spiel. Dieses befasst sich mit der Frage, ob unser Leben und alle unserer Handlungen vorbestimmt sind. Diese Richtung nennt man Determinismus. Sie spielt die eigentliche Hauptrolle in der Serie.

Ist der freie Wille real?

„Devs“ spielt im Silicon Valley. Hier herrschen zwar die Gesetze des freien Marktes, doch ob das auch für den Willen der Protagonisten gilt, ist fraglich. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Technologiekonzern Amaya. Dieser wird von dem Visionär Forest geführt. Er entspricht in seiner Persönlichkeit und in seinem Aussehen so gar nicht dem Bild, das wir von Tech-Milliardären im Kopf haben. Nick Offerman spielt diesen seltsamen Waldschrat, der eher einem Hippie als einem Hi-Tech-Erfinder ähnelt. Und doch verfolgt der traurige Mann seine Ziele mit aller Härte und Konsequenz. Im gigantischen Gelände seiner Firma liegt ein ungewöhnliches Labor hinter einem Trampelpfad verborgen. Nur auserwählte Programmierer haben dazu Zutritt. Woran sie arbeiten ist geheim.

Als eines Tages der Neuling Sergei das Gebäude erstmals betritt und hinter das Geheimnis dieser Forschung blicken kann, packt ihn das blanke Entsetzen. Amaya hat seine längst bestehende technologische Überlegenheit auf ein neues Level gehoben. Hier, mitten in einem scheinbar friedlichen Wald, hat ein Quantencomputer Unglaubliches geleistet. Als Sergei seinen Vorgesetzten fragt, wonach hier eigentlich geforscht wird, fordert ihn dieser auf, es anhand der Codezeilen selbst herauszufinden. Diese Szene ist beispielhaft für „Devs“.

Abseits von Klischees

Der Regisseur verzichtet auf plakative Bilder, sondern lässt die Augen seines Darstellers über die Codezeilen rasen. Als er erkennt, was er da vor sich hat, stürmt er auf die Toilette und muss sich übergeben. Wenig später kommt er am Firmengelände ums Leben. Sein Tod löst eine Kette von Ereignissen aus, die scheinbar durch nichts und niemanden gestoppt werden können.

In „Devs“ ist nichts auf den ersten Blick erkennbar. Das Tempo der Inszenierung ist ruhig und gibt uns Raum zum Denken. Das ist auch notwendig, denn die Serie kratzt nicht an der Oberfläche der Wissenschaft, sondern führt uns tief in den Kaninchenbau des Determinismus.

Garland stellt uns die Frage, ob unser Leben nicht einfach vorprogrammiert ist und wir nicht lediglich festgelegte Codezeilen ausführen. Seine Figuren entsprechen so gar nicht den Klischees bekannter Hollywood-Bösewichte. Ganz im Gegenteil, sie sind Menschen mit Hoffnungen und Ängsten, die ihren eingeschlagenen Weg beharrlich verfolgen.

Die obligaten Verfolgungsjagden und Explosionen suchen wir hier vergebens. Stattdessen nimmt uns Alex Garland mit auf die Reise in eine gar nicht so unwahrscheinliche Zukunft. Diese hat der schwedische Philosoph Nick Bostrom in „Superintelligenz“ bereits ebenso kalt und sachlich beschrieben. Acht Folgen lang kommt die Freundin von Sergei dem Geheimnis von Amaya immer näher, bei dem die Vergangenheit des Firmengründers eine entscheidende Rolle spielt. Dieses offenbart sich in einem Finale, bei dem wir ganz genau hinsehen müssen, um die Auflösung tatsächlich zu erkennen.

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