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Ich, ein Monster

  • Informationen zum Film
  • Ich, ein Monster

  • Originaltitel:
    I, Monster
    Produktionsjahr:
    1971

Userkritik zu Ich, ein Monster

doobee
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Bewertung: 7/10 Punkte

London, 1906: Dr. Charles Marlowe (Christopher Lee) ist ein begnadeter Arzt und Psychiater und Verfechter der Theorien von Sigmund Freud. Diese besagt dass viele Krankheiten keinen physischen Ursprung hätten sondern das Resultat des unterdrückten Unterbewusstseins seien, welches vom Bewusstsein dominiert würde. Es gelte diese Barriere niederzureissen um die Seele gesunden zu lassen. Er ist auch überzeugt davon dass in jedem Menschen eine gute und eine schlechte Seite wohnt, welche man separieren könne. Sein Anwalt und Vertrauter Frederick Utterson (Peter Cushing) steht diesen Aussagen eher skeptisch gegenüber. Auch Marlowe’s Freund und Mentor Dr. Lanyon (Richard Hurndall) hat grosse Bedenken. Doch Marlowe hat schon längst begonnen mit bewusstseinserweiternden Drogen zu experimentieren, welche er auch schon an zwei Patienten mit Erfolg getestet hat: das schüchterne Mauerblümchen wurde zum nymphomanischen Vamp und der herrische Choleriker zum devoten Kind. Von diesen Fortschritten beflügelt wagt Marlowe an einem nebligen Novemberabend ein Selbstexperiment, mit fatalen Folgen…

Robert Louis Stevenson’s Novelle ist weltbekannt und wurde unzählige Male verfilmt. Den Hammer-Fans dürfte wohl „Schlag 12 in London“ aus dem Jahre 1960 in bester Erinnerung sein. Im Jahre 1971 wagte sich auch die britische Produktionsgesellschaft Amicus unter der Regie von Newcomer Stephen Weeks an den Stoff. Erstaunlich ist dass nicht die ursprünglichen Namen verwendet wurden sondern aus Dr. Jekyll Dr. Marlowe und aus Edward Hyde Edward Blake wurde. Dafür gab es eigentlich keinen Grund, denn ansonsten handelt es sich um eine sehr getreue Adaption der Romanvorlage. Ausser natürlich dass sie später angesiedelt ist um die Freudschen Theorien einbringen zu können, welche ein zentrales Thema des Films sind. Zum Zeitpunkt der Roman-Veröffentlichung hatte Freud nämlich noch nichts darüber publiziert gehabt. Die geradlinige Inszenierung von Weeks lässt auch keinen Spielraum für satirische Seitenhiebe auf die englische Upperclass, wie sie in Stevenson’s Werk zu finden sind. Es ist die schlichte Geschichte eines fanatischen Wissenschaftlers der auf die Katastrophe zusteuert. Nach der ersten Spritze ist die Verwandlung noch minim: Blake (Christopher Lee) manifestiert sich zum ersten Mal als kindischer, grinsender Dandy. Doch mit jeder Injektion wird es schlimmer, er wird immer skrupelloser und gewalttätiger und auch sein Gesicht verändert sich drastisch und verwandelt sich in eine teuflische Fratze. Nicht umsonst erwähnt Marlowe seinem Freund Utterson gegenüber: „Das Gesicht des Bösen ist hässlich, und je grösser die Freuden, desto hässlicher wird es“. Schliesslich übernimmt Blake auch ohne Spritze die Kontrolle über Marlowe und es kommt wie es kommen muss. Die schauspielerische Leistung von Christopher Lee kann man gar nicht genug würdigen. Hier konnte er wieder mal ganz aus sich heraus und zeigen, welch grossartiger Schauspieler er war. Seine Wandlung vom distinguierten, asketischen und mit tadellosen Umgangsformen ausgestatteten Doktor zum mordlüsternen, sadistischen Monster ist in der Tat beeindruckend. Die Verwandlungsszenen geschehen im Off, und auch das Make-up von Blake ist eher minim: ein Gebiss mit hervorstehenden Zähnen, dunkle Tränensäcke, eine deformierte Nase und eine wirre Haarpracht. Aber Lee‘s Gestik und Mimik machen daraus etwas ganz Grosses, beide Charaktere verkörpert er brillant. Ein angemessener Kontrapunkt zu Lee’s melodramatischer Performance ist Peter Cushing’s feine und subtile Interpretation von Utterson. Es ist immer wieder eine Freude, dieses Dreamteam des Horrors gemeinsam vor der Kamera stehen zu sehen. Der Film lebt also zu einem grossen Teil von diesen beiden. Aber auch in Sachen Settings und Kostümen lässt sich Amicus nicht lumpen. Die nebelverhangenen, schäbigen Gassen Sohos mit ihren schmierigen Spelunken und Absteigen, das düstere, mit allerlei Gerät und gruseligen Exponaten vollgestopfte Labor von Marlowe, dies alles ist sehr gut in Szene gesetzt und verbreitet eine schöne Gothic-Atmosphäre. Auch die Musik von Carl Davis passt hervorragend. Sie ist herrlich orchestriert und beinhaltet neben Streichern auch dramatische Bläsersätze.

Fazit: Vielleicht nicht die beste, aber eine sehr gelungene Adaption der berühmten Romanvorlage. Grosser Pluspunkt sind Lee und Cushing, welche aus jedem Film etwas Besonderes machen. Es ist völlig unverständlich dass dieses Schmuckstück bis heute keine angemessene deutsche Veröffentlichung spendiert bekommen hat. 7 / 10

geschrieben am 12.08.2017 um 06:01

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