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Der Schädel des Marquis de Sade

Userkritik zu Der Schädel des Marquis de Sade

doobee
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Bewertung: 7/10 Punkte

Dr. Christopher Maitland (Peter Cushing) ist ein leidenschaftlicher Sammler von okkulten Artefakten und verfasst dazu wissenschaftliche Abhandlungen. So befindet sich unter anderem auch ein Dolch von Baron Gilles de Rais, dem berüchtigsten Schlächter aller Zeiten aus dem 15. Jahrhundert, in seinem Besitz. Diesen und noch vieles mehr hat er vom zwielichtigen Anthony Margo (Patrick Wymark) gekauft. Eines Tages bietet ihm Margo ein sensationelles Stück an, den Schädel des Marquis de Sade. Maitland ist von dessen Echtheit nicht überzeugt und handelt Margo von 1000 auf 500 Pfund runter. Er will den Schädel am nächsten Abend bei Margo abholen. Die Authentizität lässt er sich zuvor von seinem Sammlerkollegen Sir Matthew Phillips (Christopher Lee) bestätigen. Dieser hat kein Problem den Totenkopf als Original zu taxieren, denn er wurde ihm kurz zuvor gestohlen. Maitland schlägt Phillips vor, ihn zu Margo zu begleiten und den Schädel zurück zu holen. Doch Phillips lehnt dankend ab denn er ist froh das Ding los zu sein. Seiner Meinung nach war der Marquis de Sade nicht nur wahnsinnig sondern besessen und sein böser Geist spukt noch immer in diesem Schädel. Maitland als kühl denkender Wisschenschaftler hat kein Gehör für solche Schauergeschichten und gelangt schliesslich nach einigen Umwegen in den Besitz des Schädels. Ein verhängnisvoller Fehler, denn dieser entwickelt schon bald ein dämonisches Eigenleben und versucht, Maitland in seinen Bann zu ziehen. Wird Maitland widerstehen können oder wird er als willenlose Marionette alles zerstören, was ihm lieb und teuer ist?

Regie-Ass Freddie Francis inszenierte diesen auf einer Novelle von Robert Bloch („Psycho“) basierenden Film im Jahre 1965 für Amicus, der zweiten Kraft nach Hammer Film Productions im britischen Horrorgenre. Amicus sind vor allem bekannt für ihre stimmigen Episodenfilme wie „Die Todeskarten des Dr. Schreck“, „Der Foltergarten des Dr. Diablo“ oder der grossartige „Asylum – Irrgarten des Schreckens“, um nur drei zu nennen. Sie konnten aber auch attraktive Geschichten in Spielfilmlänge erzählen, wie dieser Streifen eindrücklich beweist. Er beginnt mit einer atmosphärischen Szene auf dem verwitterten Friedhof von Chambertin des frühen 19. Jahrhunderts, wo zwei Leichenräuber unter der Führung des Phrenologen Pierre (Maurice Good) die Leiche des Marquis de Sade ausgraben und den Schädel stehlen. Pierre benötigt ihn zu Forschungszwecken, denn er will anhand der Schädelform herausfinden, wie wahnsinnig De Sade wirklich war. Dazu kommt er nicht mehr, denn er wird das erste Opfer des teuflischen Dings. Nach diesem eindrücklichen Prolog wechseln wir in die Gegenwart. Und obwohl die Geschichte in der Neuzeit spielt versprüht sie den unverwechselbaren Gothic Horror-Charme, denn die Kulissen und Kostüme sind Klasse. Ein Highlight ist das mit okkulten Gegenständen vollgestopfte Arbeitszimmer von Maitland oder die surreale Traumsequenz vor Gericht, welche noch lange nachwirkt. Untermalt wird das Gezeigte von einem bedrohlichen Score von Elisabeth Lutyens, welcher von Philipp Martel dirigiert wurde, ein begnadeter Musiker, der u.a. in zahlreichen Hammer-Produktionen als musikalischer Leiter tätig war. Effekte bekommen wir relativ wenig zu sehen und wenn der Totenkopf durch den Raum fliegt wirkt dies für heutige Verhältnisse etwas altbacken, hat aber durchaus seinen Reiz. Was die Schauspielergarde angeht hat Freddie Francis aus dem Vollen geschöpft. Da wimmelt es bis in die kleinsten Nebenrollen von klingenden Namen. Patrick Wymark („Ekel“, „Der Puppenmörder“, „Der Hexenjäger“) hat einen starken Auftritt als halbseidener Margo. Nigel Green („Die Maske des roten Todes“, „Comtesse des Grauens“) als Inspector Wilson und Patrick Magee („Uhrwerk Orange“, „Asylum – Irrgarten des Schreckens“) als Polizeiarzt geben sich ebenfalls die Ehre. Auch Peter Woodthorpe („Frankensteins Ungeheuer“, „Hysteria“) als nerviger Pförtner Travers, welcher einen spektakulären Abgang hat, dürfen wir geniessen. Sogar der grosse Mime Michael Gough („Dracula“, „Das schwarze Museum“, „Das Phantom der Oper“) war sich nicht zu schade für einen Mini-Auftritt als Auktionator. Und natürlich Christopher Lee, welcher als Matthew Phillips glänzt ohne sich gross anstrengen zu müssen. Ueber allen steht aber einmal mehr Peter Cushing. Er zieht wieder mal alle Register seines immensen Könnens. Ich habe diesen überragenden Schauspieler schon in unzähligen Rollen gesehen, und immer wieder fasziniert mich seine Wandlungsfähigkeit, sein Charisma, seine Eleganz und seine Ausdruckskraft. Das ist auch hier nicht anders. Sein verzweifelter Kampf gegen das Böse, das er sich ins Haus geholt hat ist schon erste Güteklasse und hat grossen Unterhaltungswert.

Fazit: Klassisches britisches Gruselkino mit einem unwiderstehlichen Peter Cushing. Sehenswert ! 7/10

geschrieben am 29.07.2017 um 08:11

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