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Tunnel der lebenden Leichen

  • Informationen zum Film
  • Tunnel der lebenden Leichen

  • Originaltitel:
    Death Line / Raw Meat
    Genre:
    Horror
    Produktionsland:
    UK
    Produktionsjahr:
    1973
    Kinostart Deutschland:
    12.03.1976
  • Inhalt
  • Inhalt:
    Der Tod geht um zwischen den U-Bahn-Stops Holborn und Russell Square in London, denn dort verschwinden immer wieder Menschen. Für Inspektor Calhoun (Donald Pleasence) zunächst ein Rätsel, doch dann findet er eine Spur, die zu einer Gruppe von Arbeitern führt, die um die Jahrhundertwende beim U-Bahnbau bei einem Höhleneinsturz lebendig begraben wurden. Offensichtlich leben ihre Nachkommen immer noch unter der Erde und sie haben Hunger...

Userkritik zu Tunnel der lebenden Leichen

doobee
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Bewertung: 8/10 Punkte

Nach einem nächtlichen Trip durch die Strip-Lokale Sohos will der hohe Regierungsbeamte James Manfred (James Cossins) vom Russell Square aus mit der U-Bahn nach Hause fahren. Dort kommt er nie an, denn kurz darauf wird er vom Studentenpärchen Alex Campbell (David Ladd) und Patricia Wilson (Sharon Gurney) im Treppenaufgang der Station, scheinbar bewusstlos, aufgefunden. Als die beiden Hilfe rufen und kurz darauf mit einem Polizisten zurückkommen, ist er verschwunden. Dies ist nicht der erste mysteriöse Vermisstenfall in dieser Station. Doch jetzt hat es ein hohes Tier erwischt und nun müssen Inspector Calhoun (Donald Pleasance) und sein Assistent Sergeant Rogers (Norman Rossington) endlich etwas unternehmen. Die Spur führt sie in die Vergangenheit. Im Jahre 1892 gab es bei Tunnel-Grabarbeiten einen Unfall, 8 Männer und 4 Frauen wurden verschüttet. Die Baufirma ging Pleite und hatte kein Geld mehr um die Suche nach den Vermissten fortzusetzen. Um zu überleben hatten sie wahrscheinlich ihre toten Kameraden gegessen, vermutet Sergeant Richardson (Clive Swift). Kann es sein dass sie dort während all dieser Jahrzehnte überlebt haben und nun ihr grausiges Unwesen treiben? Schon bald werden die Beteiligten die schreckliche Wahrheit herausfinden, zumal nun auch Patricia spurlos verschwunden ist und die Suche nach ihr in die Tunnels führt…..

Dies ist das Spielfilm-Debut von Regisseur Gary Sherman, der 1981 mit „Dead & Buried“ einen phänomenalen Schocker abliefern sollte. Aber schon hier beweist er sein feines Gespür für Dramturgie und atmosphärisch dichte Erzählkunst. Die langen Kamerafahrten durch die düsteren Tunnelgänge, unterbrochen durch gorige Details der verschleppten Opfer und untermalt durch ein monotones, nervtötendes Wassertropfen, erzeugen beim Zuschauer ein Schaudern und verbreiten eine klaustrophobische Stimmung. Man bekommt eine Ahnung davon wie es sein könnte, in dieser schmutzstarrenden, von Ratten verseuchten Unterwelt zu vegetieren. Oder auch die Szene, wo „Der Mann“ (Hugh Armstrong), der letzte Ueberlebende seiner durch die wässrige Beulenpest dahingerafften Sippe, hilflos und mit animalischer Inbrunst um seine tote, hochschwangere Frau trauert, ist sehr intensiv und tragisch zugleich. Er ist ein Kannibale, ja, aber zugleich ist er eine bemitleidenswerte Kreatur und spätes Opfer der industriellen Revolution des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wo die Arbeiter wie Sklaven gehalten wurden und ein Menschenleben, wie im Falle der verschütteten Tunnelarbeiter, nicht viel zählte. Der Film enthält also auch eine gehörige Portion Gesellschaftskritik, wenn man denn für so etwas empfänglich ist. „Der Mann“ ist Täter und Opfer zugleich, entmenschlicht und doch zu Gefühlen fähig. Dies beweist er zum Beispiel, wenn er die einzigen menschlichen Worte, die er in seinem ganzen miserablen Leben immer und immer wieder gehört hat, spricht: „Vorsicht bei den Türen“. Je nach Stimmung leise flehend oder schreiend und fordernd. Die Story selber ist relativ dünn und auch mit einigen Logikschwächen durchzogen, aber die Umsetzung entschädigt für so Manches. Dazu trägt auch Donald Pleasance bei, der mit seiner Interpretation des kauzigen Inspectors Calhoun eine sehr starke Leistung abliefert und vor Spielfreude nur so strotzt. Hugh Armstrong als „Der Mann“ agiert ebenfalls bärenstark. Christopher Lee ist leider nur in einer Mini-Rolle als arroganter M.I.5-Beamter Stratton zu bewundern. Die Musik von Jeremy Rose und Will Mallone hat ein jazziges, laszives Titelthema mit funkigen Bläsersätzen. Die Szenen im Tunnel sind der Atmosphäre angemessen melancholisch geraten. Alles in allem ein gelungener Score.

Noch ein Wort zum deutschen Titel: dieser ist wieder mal weit von der Realität entfernt. Wir haben es hier nicht mit lebenden Leichen zu tun sondern mit durch Generationen von Inzucht degenerierten Kreaturen. „Eine atemberaubende Schreckensreise ins schauerliche Horror-Reich der lebenden Leichen“, wie das Kinoplakat vollmundig verkündet, ist es auch nicht. Es ist vielmehr eine Schreckensvision der Ausgestossenen und Verdammten, die ihr erbärmliches Leben im Verborgenen fristen und sich von der Zivilisation verabschiedet haben. In den New Yorker U-Bahn-Schächten leben solche „Tunnelmenschen“. Es wird sie also sicher auch in London geben, wenn auch nicht in derart drastischer Form wie hier gezeigt.

Fazit: stimmige Horrorperle mit überzeugender Umsetzung. Eine legale deutsche Veröffentlichung ist schon lange überfällig. 7 / 10

geschrieben am 14.07.2017 um 07:39

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ø Wertung: 6,3/10 | Wertungen: 3 | Kritiken: 2