Dr Jekyll und Sister Hyde

  • Informationen zum Film
  • Dr Jekyll und Sister Hyde

  • Originaltitel:
    Dr Jekyll & Sister Hyde
    Genre:
    Horror
    Produktionsland:
    UK
    Produktionsjahr:
    1971
    Kinostart USA:
    31.05.1972

Userkritik zu Dr Jekyll und Sister Hyde

doobee
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Bewertung: 6/10 Punkte

Der junge Wissenschaftler Dr. Henry Jekyll (Ralph Bates) hat ein ambitiöses Ziel: er will ein Anti-Virus entwickeln, welches sämtliche schrecklichen Krankheiten heilen kann. Sein Freund und Mentor Professor Robertson (Gerald Sim) erklärt ihm dass er hierfür Jahrzehnte benötigen und wahrscheinlich schon tot und begraben sein würde, ohne ein zählbares Resultat erzielt zu haben. Dies bringt Jekyll auf eine neue Forschungsrichtung: nun will er ein Lebenselexier entwickeln, einen Quell ewiger Jugend. Er experimentiert mit weiblichen Hormonen, da Frauen gemeinhin langlebiger sind als Männer. Die Hormone besorgt er sich in Form weiblicher Geschlechtsteile, welche er sich vom Aufseher des lokalen Leichenschauhauses Byker (Philip Madoc) liefern lässt und zu seinem Elexier verarbeitet. Einen ersten Erfolg erzielt er mit einer Fliege, deren Lebenserwartung er mithilfe des Elexiers um ein Vielfaches verlängern kann. Das Problem ist dass die einst männliche Fliege wegen der Hormone das Geschlecht gewechselt hat und nun weiblich ist. Irgend etwas ist schiefgelaufen, Jekyll muss weiterforschen. Byker kann aber keine weiblichen Leichen mehr liefern, doch die zwielichtigen Leichendiebe Burke (Ivor Dean) und Hare (Ton Calvin), welche auch vor Mord nicht zurückschrecken, springen gerne ein. Schliesslich unternimmt Jeykll einen Selbstversuch und verwandelt sich prompt in eine Frau, sein Alter Ego Mrs. Hyde (Martine Beswick). Er verwandelt sich nach einer gewissen Zeit wieder zurück, und er braucht neues Material, um seine Forschungen weiter zu führen. Dummerweise sind Burke und Hare zwischenzeitlich von einem Lynchmob liquidiert worden, sodass Jekyll die Sache selbst in die Hand nehmen muss. So wird er, und später auch Mrs. Hyde, zu Jack the Ripper, dem berüchtigten Whitechapel-Mörder. Mrs. Hyde wird immer stärker und übernimmt zunehmend die Kontrolle über Körper und Geist von Jekyll. Sie bringt seinen Freund Dr. Robertson um weil dieser begonnen hat Verdacht zu schöpfen. Schliesslich bleibt kein Ausweg mehr: Jekyll muss zerstören was er in seinem Wahn erschaffen hat, und wenn dies sein eigenes Leben kostet….

Hammer inszenierte diese sehr freie Jekyll/Hyde-Adaption im Jahre 1971, elf Jahre nachdem sie sich bereits auf viel klassischere Weise mit „Schlag 12 in London“ des Stoffes angenommen hatten. Das Drehbuch von Brian Clemens ist ziemlich überladen und vermengt die verschiedenen Charaktere Jekyll/Hyde, Jack the Ripper und Burke & Hare zu einer Geschichte. Dabei waren die historischen Tatsachen nur bedingt von Bedeutung: Fakt ist dass Burke und Hare ihr Unwesen in Edinburgh während der Jahre 1827 & 1828 trieben. Fakt ist auch dass Jack The Ripper im Herbst 1888 im Londoner East End auf Nuttenjagd ging. Diese Leute können sich also gar nie wie hier gezeigt getroffen haben, aber das interessierte weder den Drehbuchschreiber noch den Regisseur, Hammer-Urgestein Roy Ward Baker. Herausgekommen ist ein ziemlich schräger, aber sehr unterhaltsamer und interessanter Genrebeitrag. In Robert Louis Stevenson’s Geschichte ging es ja um Gut und Böse, das Gute war immer Jekyll, das Böse immer Hyde. Hier aber verwischen diese Grenzen, denn es ist Jekyll der in seinem Wahn ewige Jugend zu schaffen zum Mörder wird. Zwar rechtfertigt er dies mit der altbekannten Entschuldigung dass man zum Wohl der Allgemeinheit auch Opfer bringen muss. Zudem sind diese Opfer nur Prostituierte und Srassenmädchen, also kein wirklich schützenswertes Leben. Mrs. Hyde hingegen hat gar keine andere Wahl als zu morden, denn sie benötigt das Elexier um sich zu materialisieren, d.h. um überhaupt existieren zu können. Die Morde sind übrigens explizit und blutig in Szene gesetzt. Ebenfalls tadellos sind die wie immer treffenden Kulissen und Requisiten; das nebelverhangene East End, die versifften Spelunken, die Freudenmädchen mit ihre üppigen Kleidern und Kurven, dies alles ist hammertypisch wieder mal erste Sahne und wertet den Film merklich auf. Das einzig störende Element ist die nervtötende Vermieterfamilie, welche oberhalb der Räumlichkeiten von Dr. Jekyll wohnt. Es ist die Witwe Spencer (Dorothy Alison) mit ihrem Sohn Howard (Lewis Fiander) und Tochter Susan (Susan Brodrick). Diese scheinen den ganzen Tag lang nichts anderes zu tun zu haben als in ihrer Wohnung zu hocken und sich Gedanken über den unheimlichen und abweisenden Dr. Jekyll zu machen. Susan hat übrigens ein Auge auf diesen geworfen und entwickelt sich zur stalkenden Nervensäge, welche Dr. Jekyll keine Ruhe mehr lässt. Howard seinerseits verguckt sich in Mrs. Hyde, was die Sache auch nicht einfacher macht. Dieser ganze Nebenplot um diese Leute ist störend und im Grunde genommen völlig überflüssig, denn er trägt rein gar nichts zur eigentlichen Geschichte bei. Getragen wird diese zum grossen Teil von Ralph Bates und Martine Beswick, die sich erstaunlich ähnlich sehen und somit die Transformationsszenen sehr authentisch aussehen lassen. Die Musik von David Whitaker bietet ein schönes Walzerstück im Vorspann, auch der restliche Score ist sehr harmonisch und passend.

Fazit: Schön gefilmter, unterhaltsamer Mad-Scientist-Grusler, der sich darüberhinaus noch anderer legendärer Grössen der britischen Kriminalgeschichte bedient. Diese Melange aus Fakt und Fiktion hat durchaus ihren Reiz und hebt den Film leicht über den Durchschnitt. 6/10

geschrieben am 25.03.2017 um 17:54

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