Philosophy of a Knife

  • Informationen zum Film
  • Philosophy of a Knife

  • Originaltitel:
    Philosophy of a Knife
    Genre:
    Horror, Drama
    Produktionsländer:
    USA, Russia
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart USA:
    08.07.2008

Userkritik zu Philosophy of a Knife

hudeley
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Bewertung: 7/10 Punkte

Philosophy Of A Knife

Dieser Film findet sich seit seinem Release im Jahre 2008 auf fast sämtlichen Sicko Listen wieder. Hierbei handelt es sich um eine russische Halbdoku, bestehend aus Archivmaterial, Interviews und nachgedrehten Folterszenen, welche sich mit der Einheit 731 beschäftigt.
Diese Einheit wurde von Japanern um den in Deutschland studierten Arzt, Shiro Ishii gebildet und hat zu Zeiten des 2 Weltkrieges Versuche an Menschen durchgeführt.
Schon Ende der 80er hat man sich mit der Men Behind The Sun Reihe, bzw. mit den Teilen 1 - 3, diesem Thema angenommen. Andrey Iskanov (Nails, Visions Of Suffering) ist mit Sicherheit der erste Teil in die Hände gefallen, jedoch war ihm das darin gezeigt Material wahrscheinlich zu lasch. Also musste eine eigene Version mit Schmackes her (ich hoffe die Ironie kam zum Tragen ;) Philosophy Of A Knife (bzw. PHOAK wie ich ihn im Verlauf nennen werde), ist in zwei Teile geteilt und somit eine 4 1/2 stündige Folterorgie, welche lediglich durch Interviewszenen mit einem Zeitzeugen aufgelockert wird.
Ich hatte den Film zuerst nur als Bootleg ohne Untertitel und habe von dem Interview 0 verstanden. Somit blieben mir beim ersten Durchgang nur die Folterszenen und die sind meistens sehr dilettantisch getrickst worden. Im Prinzip ist alles als Pappmaschée zu entlarven und wäre der Film nicht sw, würde alles noch viel unechter wirken. Und trotzdem: Allein die Masse an Special FX, als auch die extreme Brutalität, setzen teilweise neue Maßstäbe. Wäre hier anstatt Quantität auch Qualität vorhanden, hätten wir es hier mit dem brutalsten Film aller Zeiten zu tun. Was das Ganze noch schlimmer und unerträglicher macht ist die Tatsache, dass es solche Experimente tatsächlich gab. Hier wird wirklich die ganzen Palette an Grausamkeiten aufgefahren: Kälte-, Radiations-, Druckluftkammerexperimente, Vivisektionen und Schrapnelltests, bishin zu weiteren Foltereinlagen wie minutenlanges Zähneziehen oder das vaginale Einführen einer Kakerlake.
Deutlich zu sehen ist hierbei vorallem Iskanovs Handschrift: Seine Filme haben meist eine, ich nenne es mal vorsichtig, "Inside-artige", noisige Soundkulisse, extrem hektische Schnitte und Close-Ups, lange Bildfolgen sowie teilweise sehr merkwürdige Aufnahmen. Man könnte das Ganze fast als expressionistisches Filmkunstwerk bezeichnen - wäre PHOAK nicht, wie alle anderen Filme von ihm auch, so extrem amateur-und selbstzweckhaft. Ich wünsche ihm echt einmal, dass er sich Themen heraussucht, denen er auch gerecht wird und er dafür ein vernünftiges Budget auf die Reihe stellen kann. Außerdem sollte er sich mal Special FX Leute anstellen, anstatt immer selbst die Effekte zu basteln.
Auch wenn wir hier von einem Undergroundfilm reden: wenn die Angehörigen der Opfer solcher Experimente etwas nicht brauchen, dann selbstzweckhafte, dilletantische und einfach nur provokante "Pseudo"kunst. Wir, als Mitteleuropäer, haben dazu eine gewissen Distanz; in Russland sieht das aber schon anders aus. Iskanov selbst lebte nämlich nur einige Kilometer von einem solchen Lager entfernt. Im Prinzip wäre das, als ob ein Japaner Kunstfilme über die Menschenversuche eines Herrn Mengele drehen würde. Mein Eindruck nach der ersten Sichtung war folglich nur dezent "gut", trotzdem hätte er von mir 5/10 Punkten erhalten, da vor allem das Originalmaterial (Fotos als auch Videos) interessant waren.
Nachdem ich vor einer Woche die amerikanische VÖ von Unearthed Films inkl. englischen Untertiteln erstehen konnte, wollte ich ihn mir nochmal ansehen um eben zu wissen, was der Zeitzeuge (ein russischer Übersetzer, der Anfang Februar leider verstorben ist) zu erzählen hatte. Ich muss sagen: diese Interviewsequenzen, die zusammengerechnet mit Sicherheit ca. eine Stunde des Filmes ausmachen, machen ihn wesentlich besser! Einfach aus dem Grund, dass man wirklich extrem viel erfährt und die Folterorgien sich zumindest etwas rechtfertigen können; nämlich, in dem Iskanov auf seine sehr eigenwillige Art zeigt, was passiert ist und von was Anatoly Protasov gerade spricht/ sprach. Was mir auch erst beim zweiten Durchgang auffiel, ist, dass der Film einen richtig guten Soundtrack hat! Ich rede hier nicht von der Noisemusik, sondern von den extra für den Film angefertigten Kompositionen von Alexander Sevchenko. Ich habe sie vorhin auf YouTube nochmal angehört und sie erzeugen wirklich Gänsehaut.
Abschließend kann ich sagen, dass sich der Film durch seine Ausführungen leider selbst das Bein stellt, denn wie immer gilt: was man nicht adäquat umsetzen kann, sollte man lassen. Andererseits macht auch genau das den Charme dieses Mammutwerkes aus und ich bin fast froh, dass man die Effekte durchschauen kann, ansonsten wäre dieser Filme ein wirklich ungenießbares Werk geworden (was er eh schon ist). Ich unterstelle Iskanov keine schlechten Absichten, aber leider kommt der Film selbstzweckhafter rüber, als er (vllt?) geplant war. Wie ihr seht, widerspreche ich mir jeden Satz auf's Neue, was einfach daran liegt, dass der Film nicht einfach zu bewerten ist und man danach eine gewisse Zeit braucht um ihn zu verarbeiten. Jedoch halte ich in irgendwie doch für wichtig und auch tausendmal besser als Uwe Boll's Auschwitz, der mir, obwohl Boll zu meinen Lieblingsregisseuren gehört, überhaupt nicht gefiel. Solange Men Behind The Sun in der (Horror)filmwelt unter den Fans seine Berechtigung gefunden hat, darf auch PHOAK existieren. Ich hoffe nur, dass der Film von Leuten geschaut wird, welche auch mit dem entsprechenden Respekt der Opfer gegenüber an die Sache herangehen - in der Gesellschaft von Gorebauern und drei Kasten Bier hat der Film nichts zu suchen, wobei er eine solche Klientel auch gar nicht bedienen kann und wollte. Auf jedenfall ein schwer zu verdauender, extremer, wie auch wichtiger Film. Aufgrund von Verständnisschwierigkeiten korrigiere ich meinen ersten Eindruck und gebe:

7/10

geschrieben am 09.07.2012 um 00:49

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