Es ist schon schwierig 'Drive' nur einem Genre zuzuordnen. Der Film verfügt über deutlich mehr Dramaelemente als zunächst angenommen. So wird der intensiven Beziehung zwischen dem Driver und seiner Nachbarin Irene und deren Kind sehr viel Zeit gewidmet - vom ersten Kennenlernen bis zur einer tiefen (freundschaftlichen) Verbundenheit. Dabei hat Regisseur Winding Refn wohl mit Bedacht zu dem Stilmittel 'Bilder sagen mehr als Worte' gegriffen, wobei der Driver (Ryan Gosling) generell wenig kommuniziert. Das Stilmittel mag auf den ersten Blick kitschig scheinen, gerade in Hinsicht auf die Beziehung zwischen Mann und Frau, allerdings passt das Stilmittel hier wie die Faust aufs Auge. Der Driver strahlt damit eine Coolness aus, die nur schwer zu toppen ist.
Die Story mag zunächst sehr konventionell erscheinen, überrascht aber mit gewissen Auflösungen doch deutlich. Ich will nicht zu viel verraten, aber bei der anfänglichen Dreiecksbeziehung bleibt es zunächst nicht. Die Story kommt auch dahingehend erfrischend herüber, weil der Driver, zum Teil, nicht unbedingt nachvollziehbare Taten einschlägt. Ich habe mich so einige Male gefragt, ob es sich bei dem Driver nicht doch um einen Psychopaten handeln würde. Das ist wohl auch der Fall, nur sind seine Moralvorstellungen sehr weltlich, so dass diese Figur eigentlich nur Sympathiepunkte beim Publikum einheimsen kann. Ryan Gosling hat hier wirklich eine sehr gute Leistung hingelegt.
Sehr überrascht hat mich 'Drive' auf der audiovisuellen Ebene. Nicht selten fühlte ich mich in der Hinsicht an alte 'Miami Vice'-Folgen erinnert. Die Credits, all die Schriftzüge, der Blick auf LA bei Nacht und dazu noch die äußerst coolen Elektrobeats der 80er - musikalisch und optisch ein ganz großer Wurf.
Fazit: Sehr dicht und spannend inszeniert, wobei hier ziemlich lange nicht klar ist, in welche Richtung 'Drive' überhaupt geht. Nach meinem gestrigen Kinobesuch kann ich jedenfalls sagen, dass ich schwer beeindruckt bin.
User Kritik zu Drive