
Am 12. Oktober 1927, er hat gerade die Dreharbeiten zu Oktober abgeschlossen und sitzt nun auf 60 000 Metern belichtetem Filmnegativ,
notiert Sergej Eisenstein: »Der Beschluß steht fest, das ›Kapital‹ nach dem Szenarium von K. Marx zu verfilmen.« Die Herausforderung, die von einem solchen Werk ausgeht, so glaubte Eisenstein, würde die Filmkunst von Grund auf verändern. Ihm schwebte die Anwendung völlig neuer, von James Joyce’ Ulysses abgeleiteter Formen vor: »faits divers«, »emotionale Konvolute« und Reihen »dialektischer Bilder«.
Eisenstein hat diesen Plan nie umgesetzt; 81 Jahre später setzt Alexander Kluge dem Projekt ein Denkmal und komponiert eine vielstimmige Annäherung an Marx' Hauptwerk und Eisensteins größenwahnsinniges Projekt. Unterstützt wird er dabei von Dietmar Dath, Hans-Magnus Enzensberger, Durs Grünbein, Hannelore Hoger, Oskar Negt, Sophie Rois, Helge Schneider, Peter Sloterdijk, Joseph Vogl und vielen anderen sowie einem Kurzfilmbeitrag von Tom Tykwer
Der Inhalt dieser DVD Box wurde aufgrund des großen Umfangs auf gleich drei Medien verteilt, wobei sich die Qualität kaum allgemein beschreiben lässt. Von Szene zu Szene gestaltet sich die Bildqualität unterschiedlich, ist allerdings zu jeder Zeit zweckdienlich. Die Schärfe ist meistens sehr gut, wobei es auch einige eher weichere Momente gibt. Vor allem auf der zweiten DVD finden sich viele solche, zudem fallen hier oftmals Auren um Objekte auf. Die Intensität des Bildrauschens variiert von sehr leicht bis stark, das Bild wirkt die meiste Zeit über allerdings recht ruhig. Der meist steile Kontrast sorgt oft für Überstrahlungen. Da auf jeder DVD knappe 3 Stunden Material zu finden sind, macht sich die Kompression oftmals durch deutliche Blockbildung bemerkbar.
Der Ton dieser Dokumentation erfüllt seinen Zweck auf jeden Fall. Die Stimmen der Interviewten sind zu jeder Zeit problemlos zu verstehen und klingen auch natürlich. Der Klang der eingespielten Musik ist ebenfalls gut, diese wurde zudem so dezent in den Mix eingebaut, dass die Stimmen zu keiner Zeit übertönt oder anderweitig gestört werden. Ab und an fällt leichtes Hintergrundrauschen auf, wirklich störend ist dieses aber nicht.
Das Bonusmaterial ist hervorragend. Auf den DVDs finden sich insgesamt 79 Minuten Interviews mit unter anderem Rosa Luxenburg und Helge Schneider, die auch allesamt einige interessante Fakten nennen können. Weiters finden sich bei Benützung eines PCs in Form einer PDF Dateien 61 Geschichten zum Nachlesen auf der DVD. Ein weiteres Highlight ist das für die Filmedition Suhrkampf typische, großartige und sehr umfangreiche Booklet mit vielen Hintergrundinformationen.
Sergej Eisenstein ist einer der wichtigsten Regisseure der Filmgeschichte und sah sich vor einer sehr schwierigen Aufgabe, das „Kapital“ nach dem Szenarium von Karl Marx zu inszenieren. Dieses Projekt konnte er leider nie umsetzen, 81 Jahre später setzt Alexander Kluge diesem Projekt allerdings ein Denkmal. Dieses wird in der Filmedition Suhrkamp auf drei DVDs verteilt veröffentlicht und ist bei Interesse am Thema auf jeden Fall sehenswert und ohne Einschränkung zu empfehlen. Die drei DVDs stecken in einem simpel gestalteten Digipak, als Bonusmaterial gibt es umfangreiche Interviews und ein hervorragendes Booklet.
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