Klassenverhältnisse - Edition Filmmuseum 11 DVD

  • Details zum Medium
  • EAN-Nummer
    420100330117
    Label:
    Film & Kunst
    Starttermin:
    2. November 2007 [Kauf]
    Freigabe:
    FSK ab 6 freigegeben
    Laufzeit:
    122:01 min.
    Ländercode:
    Code 0 (DVD)
    Medientyp:
    DVD-9
    Verpackung:
    Keep Case (Amaray)
  • Inhalt:
  • Inhalt:

    Franz Kafkas Romanfragment "Der Verschollene" wird in der filmischen Adaption von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub zu einer Allegorie über eine kapitalistische Gesellschaft, die in keiner spezifischen Zeit und in einem fiktiven Amerika spielt. Die Doppel-DVD enthält neben einer von den Filmemachern autorisierten Abtastung ihres Films zwei seltene Dokumentationen über die Dreharbeiten, das originale Drehbuch in verschiedenen Versionen, Rushes von den ersten Einstellungen des Films und bisher unveröffentlichte Arbeitsfotos.

  • Review
  • Bild:
  • Bildsystem:
    PAL
    Bildformat:
    1,37:1

    Bemerkung:

    "Klassenverhältnisse" wurde noch unter der Aufsicht Danièle Huillets (1936-2006) für die Edition Filmmuseum sorgfältigst restauriert und erscheint nun in sehr zufriedenstellender Bildqualität.

    Die Schärfe liegt auf hohem Niveau und könnte lediglich bei einigen Bewegungen etwas besser sein, der Kontrast stimmt nun genau - schließlich war es gerade die Lichtabstimmung, auf der Huillets besonderes Augenmerk lag. Leichtes Bildrauschen ist selten auszumachen, Verschmutzungen oder Defekte sind ebenfalls kaum vorhanden.

    In Anbetracht des Alters und der Seltenheit des Films, können hier ruhigen Gewissens 4 Sterne vergeben werden.

    Bewertung:
    4,0
  • Ton & Sprache:
  • Tonformat:
    Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)

    Untertitel:
    Englisch, Französisch
    Bemerkung:

    Auch der Tonbereich kann überzeugen: Hintergrundrauschen ist auf ein Minimum reduziert und die Verständlichkeit somit sehr gut. In einigen Szenen ist eine leichte Rückkoppelung zu hören, das war aber sowohl im Kino als auch in der von mir vor einigen Monaten gesehenen TV Fassung schon so und scheint am Ausgangsmaterial zu liegen. Außerdem wirkt sich dieser Effekt nicht störend aus.

    Bewertung:
    2,5
  • Extras:
  • Extras:
    Bookletmit Texten von Hans Hurch, Barton Byg und Klaus Kanzog
    Erste handschriftliche Drehbuchfassung von Jean-Marie Straub, Regiebuch mit Notizen von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub
    Drehplan
    Interview und Pressekonferenz mit Danièle Huillet und Jean-Marie Straub sowie Materialienband über den Film von Wolfram Schütte als ROM-Features
    Arbeiten zu 'Klassenverhältnisse' von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub 1983, 65'
    Wie will ich lustig lachen 1984, 42'
    Work inProgress 2007, 20'
    44 Arbeitsfotos von den Dreharbeiten von Berthold Schweiz

    Bemerkung:

    Mit dem Bonusmaterial, das die Edition Filmmuseum für diese Veröffentlichung zusammen getragen hat, kann man Wochen, ja Monate verbringen. Denn obwohl Jean-Marie Straub und Danièle Huillet es ablehnten, neues Bonusmaterial für diese DVD zu erstellen, konnte man auf allerlei Archivmaterial zurückgreifen.



    Auf DVD 1 befindet sich neben dem Film noch ein ausführlicher DVD-ROM Part, der neben Faksimiles des ersten Drehbuchentwurfs von Jean-Marie Straub aus dem Jahr 1978, des Originaldrehbuchs sowie des Drehplans auch ein von Hans Hurch (damals noch zu Falter Zeiten) geführtes Interview mit den beiden Regisseuren, eine Niederschrift einer Pressekonferenz, sowie den von Wolfram Schütte herausgegebenen Materialienband zum Film enthält. Insgesamt gibt es also mehrere hundert Seiten Lesestoff für alle wissbegierigen Straub-Huillet Fans.



    Auf DVD 2 findet sich schließlich das "bewegte" Bonusmaterial: Harun Farocki war nicht nur als Darsteller in dem Film aktiv, sondern begleitete auch seine Entstehung. Eine Stunde gibt uns das Feature "Arbeiten zu Klassenverhältnisse" Einblick in die Proben und Dreharbeiten und vor allem in die komplexe Arbeitsweise der beiden Regisseure. Bislang war dieses Feature meist gekürzt im Fernsehen zu sehen, die DVD präsentiert in Kooperation mit dem Filmmuseum München die Langfassung. Ebenso auch beim zweiten großen Feature, einem Interview mit Jean-Marie Straub und Danièle Huillet aus dem Jahr 1984, geführt von Manfred Blank, der als Robinson an der Seite von Harun Farocki im Film zu sehen ist. Auch dieses war bislang im TV nur in einer Kurzfassung zu sehen - auf DVD vermitteln Straub/Huillet ca. 40 Minuten Eindrücke ihrer Arbeitsphilosophie.

    "Work in Progress" ist eine filmgenetische Analyse der Zeichenstruktur und Rhetorik in den Anfangsszenen des Films. Dies geschieht anhand nicht verwendeter Takes und trägt erneut zum tieferen Verständnis des Films bei.

    Abgerundet wird DVD 2 von 44 Fotos - in der Amaray-Verpackung liegt des Weiteren noch ein 14-seitiges Booklet mit Texten von Hans Hurch, Barton Byg, Martin Loebenstein, Klaus Volkmer und Klaus Kanzog.

    Bewertung:
    5,0
  • Gesamt:
  • Bemerkung:

    Klassenverhältnisse ist vielleicht einer der etwas leichter zugänglichen Filme der beiden Künstler Jean-Marie Straub und Danièle Huillet. Danièle verstarb im letzten Herbst, nach der Fertigstellung ihres letzten gemeinsamen Films Jene ihre Begegnungen, wie auch der Kafka Roman eine Literaturverfilmung.

    Doch handelt es sich nicht um eine Literaturverfilmung im herkömmlichen Sinne, oder wie Harun Farocki es treffend bezeichnet, einen "Austausch von einer Währung in eine andere". Die Essenz, das heißt der Text, bleibt weiterhin zentral erhalten und spielt die Hauptrolle im Film. Die monotone Sprechweise der Darsteller - unter ihnen Größen wie Mario Adorf oder Laura Betti - wirkt allerdings alles andere als langweilig, im Gegenteil: Durch die Skandierung und merkwürige (?) Betonung des Textes ergeben sich allerlei lebendige, ja komische Situationen, die im krassen Gegensatz zur strengen Komposition des Bildes liegen: Nach allerlei starren Einstellungen wirkt der erste, kurze Kameraschwenk nach ca. einer halben Stunde fast wie ein Befreiungsakt. Doch es sollte wieder dauern, bis die Straubs die Kamera erneut in Bewegung versetzen.

    Musik ist im Film ebenfalls bis auf wenige Ausnahmen nicht vorhanden: Der Schiffsheizer und Karl lauschen mit lethargischem Ausdruck im Gesicht der amerikanischen Nationalhymne und als Karl am Schluss das Plakat des Naturtheaters liest, welches "jeden brauchen kann", erklingt Bach.

    Trotz all dieser Strenge ist Klassenverhältnisse ein empfehlenswerter Film, der jegliche Verlogenheit ablehnt und ein puristisches Erlebnis sondergleichen bietet. Gerade für Einsteiger ins Straub-Huilletsche Ouevre empfehlenswert.

    Dass es nicht bei dieser einen DVD-Veröffentlichung aus dem Werk dieser beiden Ausnahmen der Filmgeschichte bleiben soll, verriet Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath - man arbeitet bereits an der Fortsetzung dieses Projekts.

    Bewertung:
    4,5
    Verfasst von:
    Eduardo D'Amaro
    Erstellt am:
    13.11.2007

BILDER ZUM MEDIUM

Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.