Far Cry 5 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 30.03.2018 um 13:50

 

Ballern nach Schema F?!?

 

Die „Far Cry“-Serie entstand ursprünglich beim deutschen Entwickler Crytek und war eines der Vorzeige-Objekte für deren Cry Engine. Ab Teil 2 übernahm jedoch Ubisoft Montreal die  Entwicklung der Reihe und machte das Spiel vor allem größer und umfangreicher. Ab Teil 3, der erstmals mit einem recht charismatischen Antagonisten glänzte, ist die Formel der Spiele recht ähnlich geblieben, denn neben einer Open World- Umgebung hat der Spieler zahlreiche Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben und kann die Missionen meist sowohl schleichend als auch schießend erfolgreich meistern.

Nach dem Ausflug in die Steinzeit mit „Far Cry Primal“ spielt der aktuelle fünfte Teil wieder in der Gegenwart, aber erstmals in den USA. Inwiefern sich das Spiel von seinen Vorgängern unterscheidet und ob es die hohe Qualität dieser halten oder sogar übertreffen kann, lest ihr in unserem Test.

 

Von Vätern, Waffen und Gebeten

 

In der Rolle eines Deputy Sheriffs kommt ihr nach Hope County, einem fiktiven Tal im US-Bundesstaat Montana und wollt Sektengründer und Priester Joseph Seed festnehmen. Dieser hatte vor einiger Zeit die Sekte Eden’s Gate ins Leben gerufen und radikalisierte diese über die Zeit. Neben allerlei Waffenhandel und Menschenrechtsverletzungen handelt die Sekte außerdem mit der Droge Bliss und versetzt so das eigentlich beschauliche Tal in Angst und Schrecken. Jeder der es wagt, sich Joseph und seinen beiden Gehilfen in den Weg zu stellen, bekommt richtig großen Ärger und setzt sein Leben aufs Spiel.

Doch leider geht die Festnahme schief und Joseph wird von seinen Gefolgsleuten wieder befreit. Zum Glück trefft ihr auf eurer Flucht auf den geheimnisvollen Dutch, der euch über die aktuelle Lage der Situation aufklärt und euch bittet, einen Widerstand aufzubauen.

 

 

Vive la résistance!

 

So macht ihr euch also bewaffnet auf den Weg durch die drei Hauptgebiete von Hope County, die jeweils von einem der drei hohen Tiere der Sekte geleitet werden. Diese konfrontieren euch auch mit unterschiedlichen Voraussetzungen, so habt ihr in Faiths Region zum Beispiel viel häufiger mit dem Einfluss der Droge Bliss zu tun.

Wie auch schon in den anderen „Far Cry“-Spielen stehen euch neben allerlei Fern- und Nahkampfwaffen auch explosive Materialien zur Verfügung. Dinge wie Dynamit, ferngezündeter Sprengstoff oder Molotov-Cocktails craftet ihr im Ringmenü dank aufgesammelter Rohstoffe schnell selbst, Handgranaten dagegen können ganz normal bei Händlern gekauft oder in Häusern und bei Feinden gefunden werden.

Für das leise Vorgehen stehen euch dann aber auch Dinge wie Baseballschläger oder Pfeil und Bogen zur Verfügung.

Musste man bisher immer Funktürme freischalten, die euch dann das Gebiet offen gelegt haben, geht „Far Cry 5“ einen anderen Weg. Lustigerweise schickt euch das Spiel recht kurz nach Beginn zwar auf einen Funkturm, Dutch erklärt euch per Funk dann aber dass euch ihr keineswegs ständig auf diese klettern müsst. Die Karte wird nämlich freigelegt, indem ihr euch einfach auf dieser bewegt oder Sektenaußenposten einnehmt.

 

Viel Nebenbeschäftigungen

 

Neben den Außenposten gibt es weitere Möglichkeiten, wie ihr euren Widerstand nach und nach aufbauen könnt. So bekommt ihr Punkte für das Befreien von Zivilisten, dem Zerstören von Sektenbesitz wie Schreinen oder Silos oder erledigt einfach Storymissionen. Hier präsentiert sich „Far Cry 5“ mit gut inszenierter Action, jedoch nur wenig abwechslungsreich. Vor allem als Kenner der Vorgänger mangelt es einem an innovativen Ideen und Einfällen. Auch wenn manche Nebenmission eine willkommene Abwechslung zum recht bleihaltigen Gameplay bietet.

Zwischen den Schießereien könnt ihr Rohstoffe sammeln, geht Angeln, jagt wilde Tiere wie Bären oder Pumas und verkauft deren Fell anschließend an Jäger oder geht auf Schatzsuche. Denn in Hope County gibt es recht viele Prepper(Menschen, die sich mit Bunkern und unzähligen Vorräten auf den Ernstfall vorbereiten) und deren Bunker sind mit vielen, hilfreichen Items vollgestopft.

In vielen Gebäuden findet ihr außerdem einen „Far Cry Arcade“-Automaten, der ein komplett eigenständiges Spiel startet. In selbsterstellten Levels und mit vorgegebenen Missionszielen ausgestattet, könnt ihr euch dort im Einzel- oder Multiplayer-Modus austoben. Da der Editor recht umfangreich ist, werden hier in Zukunft sicherlich einige spannende Inhalte entstehen.

 

 

Frischer Wind!

 

Das alles klingt bisher recht bekannt aus vorhergehenden „Far Cry“-Spielen und zum Großteil ist es das auch. Was etwas abgeändert wurde, ist das Fortschrittssystem und die Charakterentwicklung. So erhaltet ihr für erfolgreich absolvierte Missionen oder erledigte Herausforderungen wie „Rette 3 Geiseln“ Vorteilspunkte. Mit diesen könnt ihr eure Fähigkeiten in fünf Kategorien aufbessern und euch somit stärker und schneller machen.

Besonders interessant ist dabei die fünfte Kategorie namens „Anführer“, denn als Widerstandgründer könnt ihr auch Helfer anheuern, die euch dann in den Missionen unterstützen. Neben allerlei Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten(Scharfschütze, Panzerfaust oder sogar als Pilot), gibt es aber auch tierische Unterstützer in Form eines Bären oder dem Hund Boomer. Diesen könnt ihr während Missionen dann Befehle geben und sie per Knopfdruck recht einfach zu bestimmten Punkten schicken oder angreifen lassen. Kämpfe mit Flugzeug sind nun übrigens auch möglich.

Auch Microtransactions dürfen natürlich in einem modernen Spiel nicht fehlen, glücklicherweise haben diese aber keinerlei Einfluss auf das Gameplay. So findet ihr in der Spielwelt sowieso unentwegt Ingame-Geld gegen das ihr Munition, Waffenverbesserungen oder Outfits für euren Charakter kaufen könnt. Die Silberbarren, die ihr im PSN-Store gegen Echgeld kaufen könnt, dienen lediglich als Ersatz-Währung. Apropos Charakter: erstmals in der Reihe könnt ihr euer Aussehen selber bestimmen und sogar eine Frau als Hauptfigur spielen. Leider hat dies aber keinen Einfluss auf das Spiel und da eure Figur sowieso stumm bleibt, ist das nur ein optisches Gimmick.

 

Montana ist schön!

 

„Far Cry 5“ ist optisch wirklich schön geraten und überzeugt mit einem tollen Weitblick und vielen spannenden Details. So gibt es viel in der Welt zu entdecken, neben allerlei versteckten Bunkern oder verlassenen Häusern auch viele Aussichtspunkte, die ein tolles Panorama bieten. Auch die Charaktermodelle sind gut gestaltet, Standardgegner wiederholen sich leider recht häufig in ihrem Aussehen und daran hat man sich schnell satt gesehen.

Auch das Gameplay bietet keinerlei großen Kritikpunkte, das Schießen fühlt sich wuchtig an und die Steuerung selber ist trotz recht voll belegtem Waffenrad schnell beherrschbar.

Ruckler oder Grafikfehler waren nicht vorhanden während unseres Tests, allerdings gab es einige Bugs wie wild umherfliegende Gegnerleichen oder Türen, die bei Berührung plötzlich wie bei einer Explosion davon fliegen. Was recht blöd gelöst ist, sind die vielen NPCs, mit denen ihr reden könnt, die aber panisch davon laufen sobald einer der Peggys – so werden die Sektenanhänger genannt – am Horizont auftaucht. Da ihr oft Aufträge von diesen erhaltet, müssen dann Dialoge wieder von vorne begonnen werden. Ziemlich unglücklich ist es außerdem, wenn diese von einem Peggy erschossen werden, weil sie ihm vors Gewehr gelaufen sind.

Dank Online-Koop könnt ihr das Spiel übrigens zusammen mit einem Freund durchspielen. In unserer Testphase verband sich das Spiel zuverlässig mit dem Online-Service und es gab keinerlei Probleme außerhalb der Wartungsarbeiten.

 

 

FAZIT: Same same but different

 

„Far Cry 5“ macht es einem Tester nicht einfach. Denn eigentlich ist das Spiel ein qualitativ recht guter Shooter, hat allerdings so langsam damit zu kämpfen, dass sich das Spielprinzip nur noch wiederholt. Da können auch solche Neuerungen wie bei der Charakterentwicklung oder dem – recht übermächtigen - Buddy-Konzept nichts ändern.

Wer „Far Cry 4“ gespielt hat, kennt auch die Inhalte des neuen Teils. So kann man sich durch die Missionen schießen oder schleichen und auch die Aufgaben wie Außenposten einnehmen oder Sektenbesitz zerstören, fühlen sich bekannt an. Auch die Szenen, die euch durch Drogen hervorgerufene Trips schicken, gab es schon in Teil 3 und 4...

Dennoch ist „Far Cry 5“ ein gutes Spiel, das man gut durchspielen kann. Auch wenn man wieder viel neben den regulären Missionen tun kann, erschlägt einen die Karte glücklicherweise nicht so mit Nebenaufgaben wie es noch im vierten Teil der Fall war. Auch der Aufbau des Widerstands, die herrlich bekloppten Dialoge der Sekten-Mitglieder und deren Anführer sind wieder gut geschrieben und zeigen auch ganz klar die Stärke der Reihe. Warum man euren Haupt-Charakter aber so blass und flach gelassen hat, ist nicht verständlich. Da wäre noch wesentlich mehr möglich gewesen in Sachen Story.