Sea of Thieves [Xbox One]

Verfasst von Christian Suessmeier am 26.03.2018 um 12:20

 

Was für ein Piratenleben!

 

Wenn es ein Setting im Bereich der Videospiele gibt, was in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt wurde, dann sind es die Piraten. Denn auch wenn Klassiker wie „Pirates“ oder „Monkey Island“ den Seemann als Spielfigur gesellschaftsfähig gemacht haben, ging es in den letzten Jahren nur selten auf die hohe See und hinter das Steuerrad eines riesigen Segelschiffes. Umso frischer fühlten sich dann Gefechte wie in „Assassin’s Creed Black Flag“ an und machten wieder mehr Lust auf Hakenhände, Holzbeine, Totenkopfflaggen und Grog.

Doch mit „Sea of Thieves“ kommt nun von Rare die ultimative Piraten-Simulation für die Xbox One(und den PC), setzt aber einen starken Fokus auf das Multiplayer-Erlebnis. Ob die virtuelle Schatzjagd für die wilde Überfahrt wirklich geeignet ist, lest ihr in unserem folgenden Test.

 

Aye aye, sir!

 

Nachdem ihr euch für euren virtuellen Charakter entschieden und ihm im Editor die entscheidende, individuelle Note verpasst habt, stecht ihr auch schon in See. Dabei entscheidet ihr euch vorher aber noch, wie viele Mitspieler eure Crew haben soll und danach richtet sich dann auch die Größe eures Schiffes. Auch wenn man es alleine spielen kann, gilt: mehr Piraten = mehr Spaß! Denn alleine ein Gefecht mit einem anderen Schiff zu führen oder gegen ein unberechenbares Seemonster zu bestehen, ist alles andere als einfach. Und dafür ist „Sea of Thieves“ eigentlich auch nicht gemacht.

 

 

Vier Kameraden müsst ihr sein!

 

Denn Rares Piratenabenteuer ist voll und ganz auf den Multiplayer-Faktor ausgelegt und wird auch nur im Zusammenspiel mit anderen Mitspielern erst wirklich spielenswert. Dabei ist es egal ob ihr zu viert auf eine Quest geht, die euch einen bestimmten Schatz suchen oder ein besonders gut bewachtes Fort einnehmen lässt oder einfach einen gemütlichen Abend an Bord eures Schiffes mit Gesang und Grog verbringen wollt, mit anderen Spielern macht es einfach wesentlich mehr Spaß.

Doch Achtung vor dem Alkohol: sollte euch ein Feind in eurem Suff überraschen, müsst ihr auch mit den Folgen eures Tuns leben. Das heißt, dass ihr euch auf eurem Schiff oder der Insel nur noch schwankend fortbewegen könnt und ihr keinen klaren Kopf habt. Aber auch das geht wieder vorbei...wie im echten Leben!

Habt ihr einmal genug von unseriösen Abenteuern könnt ihr euch eure Dublonen auch mit Handelsmissionen verdienen in denen ihr Ware über das blaue Nass schippert. Was sich Rare in Zukunft noch alles an Missionen ausdenken wird, muss man einmal sehen, bisher ist die Auswahl ja doch eher begrenzt.

 

Bedienung wie mit einer Hakenhand

 

Das Gameplay an sich funktioniert recht gut und auch eure Spielfiguren sind gut steuerbar, dennoch muss man Rare etwas für die Bedienungsfreundlichkeit kritisieren. Denn viele Aktionen müsst ihr bei „Sea of Thieves“ selber herausfinden und daher seid ihr in den ersten Stunden hauptsächlich damit beschäftigt, euch an die Bedienung des Spiels zu gewöhnen. Gerade von Rare war man zu Nintendo-Zeiten doch anderes gewohnt und ein Tutorial hat noch keinem Spiel geschadet.

Und warum man seinen Charakter nur so grob individualisieren kann, ist bei einem MMO wirklich rätselhaft. Dafür stimmt aber alles bei der Atmosphäre des Spiels und man läuft Gefahr nach einigen Stunden im Spiel im „Arrrrrr“-Dialekt zu sprechen.
Stichwort Sprechen: für solch einen Mutliplayer-Titel ist das Verwenden eines VoiceChats natürlich unumgänglich und dringend empfohlen. Schließlich sollen die Abläufe in eurer Crew ja geregelt laufen.

 

 

Comic-Pirat

 

Der sehr stilisierte Look des Spiels erinnert mit seinen Comic-Charakteren irgendwie an Disney-Filme der 90er Jahre und wirkt absolut stimmig. Auch wenn der Charakter-Editor selber nicht viel zur Individualisierung eurer Figur beiträgt, könnt ihr diese mit allerlei kosmetischen Items im Spiel nach und nach euren Vorlieben anpassen.
Auch das Flair und die Optik der Spielwelt sind wirklich schön, vor allem das Wasser hat man in keinem Spiel bisher so toll abbilden können. Einzigartig! Da wird man fast schon vom Hinsehen seekrank.

Was technisch in den ersten Tagen und Wochen gar nicht so toll war, ist die Stabilität und vor allem die Schnelligkeit der Onlineserver. So hätten wir uns während des Matchmakings fast einen Bart wachsen lassen können, denn das war schon richtig langsam. Mittlerweile klappt das alles etwas besser, sollte aber von Microsoft im Auge behalten werden.

 

FAZIT: Eine Seefahrt die ist lustig!

 

Eine Wertung für ein Spiel wie „Sea of Thieves“ abzugeben, ist einfach schwierig. Denn solche Multiplayer-Titel leben meist von mehreren Faktoren und werden in den meisten Fällen vom Entwickler über Jahre hinweg erst perfektioniert. So hörte man in vielen Reviews zu Rares Piratenabenteuer das Wort „Early Access“, soweit würden wir aber nicht gehen.

Dennoch muss man zugeben, auch wenn Stimmung und Optik des Spiels passen und durch die vielen Mitspieler wirklich einzigartige Momente entstehen können, der Umfang und der eigentliche Spielinhalt sind bisher alles andere als überzeugend. Das Missionsdesign ist zu eintönig und einfallslos, so richtig genutzt wird die Multiplayer-Komponente bisher nicht.

Die langwierige Eingewöhnung in die Steuerung bzw. die Handhabung mancher Aktionen ist nach einiger Zeit zu verschmerzen, sollte aber vielleicht nochmal nachgebessert werden. Genauso wie der Charaktereditor. Ansonsten bleibt ein sehr stimmungsvolles Spiel, mit dem man – Mitspieler vorausgesetzt – einige Stunden Spaß haben kann.