Fear Effect Sedna [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 15.03.2018 um 12:09

 

Klassiker kehren zurück!

 

Seit einigen Jahren kehren immer mehr Serien aus der Zeit der PSone und des Saturns auf die aktuellen Konsolen zurück. Dennoch gibt es Spiele, die einfach keinerlei Fortsetzung bekamen oder einfach zum Generationenwechsel im Nirwana verschwanden.

Auch die Publisher haben das Potential mancher ungenutzter Marke erkannt und so hat zum Beispiel Square Enix das Collective-Programm ins Leben gerufen. Durch dieses will man junge und kleinere Entwicklerstudios gewinnen und stellt diesen auch gerne bereitwillig freie IPs zur Verfügung. So durfte sich Sushee an einen Nachfolger zu „Fear Effect“ wagen. Der PSone-Titel aus dem Jahr 2000 ist zwar nicht unbedingt einer der Kult-Titel für die Konsole, hat aber dennoch seine treue Fangemeinde.

Sowohl technisch als auch inhaltlich war „Fear Effect“, welches auch als Remake für PS4 und Xbox One erscheinen soll, damals auf einem guten Niveau, auch der gebotene Fanservice durch die Liebesgeschichte der beiden Akteurinnen war am Erfolg sicherlich nicht ganz unschuldig.

Bevor jedoch nun das Remake auf die Spielerschaft losgelassen wird, erscheint mit „Fear Effect Sedna“ ein kleiner, gecrowdfundeter Indie-Titel, der das Action-Konzept des Originals mit einer Prise Echtzeit-Taktik garniert. Ob das Spiel ebenso unterhaltsam ist wie der Serien-Erstling, verraten wir euch in unserem Test.

 

Hana & Rain

 

Gegen einen ordentlichen Lohn machen Hana und Rain fast alles, ihr neuester Auftrag führt sie so nach Paris. Dort sollen sie eine antike Figur aus den Händen des chinesischen Botschafters entwenden, die ein besonderes Geheimnis birgt. Doch irgendwie stolpern sie von diesem vermeintlich kleinen Auftrag in eine Geschichte, die sie anschließend nach Grönland verschlägt und mit allerlei mysteriösen Geschehnissen konfrontieren wird. Neben neuen Verbündeten treffen sie auch auf alte Bekannte, auf deren Wiedersehen sie aber gerne verzichtet hätten.

 

 

Echtzeit-Strategie? Oder lieber doch nicht?!?

 

„Fear Effect Sedna“ präsentiert sich den Spielern in einer isometrischen Ansicht wie zum Beispiel die „Diablo“-Serie. In den unterschiedlich großen Levels bewegt ihr so eure Charaktere durch die Gänge der Hochhäuser, Lagerräume oder Dächer und müsst neben Rätseln auch mit allerlei unliebsamen, schießwütigen Gegnern rechnen.

In den Levels seid ihr entweder alleine oder zu zweit unterwegs, wobei ihr eure Partnerin bzw. euren Partner auch anwählen und steuern könnt. Neben den Schusswaffen unterscheiden sich diese nämlich in ihren Fähigkeiten voneinander. So hat Alex zum Beispiel neben seiner Pistole noch eine Armbrust zur Verteidigung, Hana eine Schrotflinte in ihrem Inventar.

Die Kämpfe laufen dabei in Echtzeit ab, Gegner können anvisiert werden und solltet ihr unter zu schwerem Beschuss stehen, nehmt ihr einfach hinter Kisten, Vasen oder Säulen Deckung.

Der Kniff von „Fear Effect Sedna“ ist allerdings, dass man per Knopfdruck auch in die Taktik-Ansicht schalten kann. In dieser könnt ihr eure Figuren frei auf der Karte bewegen und ihnen bestimmte Aktionen zuweisen. Diese sind allerdings auf drei Stück limitiert. Habt ihr eure Planung abgeschlossen, startet per Knopfdruck die Ausführung eurer Anweisungen. Leider ist dieser Modus für das Spiel quasi überflüssig, denn ihr gewinnt durch die taktische Komponente keinerlei Vorteile im Kampf. So hat man durch die Iso-Ansicht sowieso schon einen viel zu kleinen Blick auf die komplette Karte und auf versteckte Gegner oder Deckungsmöglichkeiten, durch den Taktikmodus wird dies noch einmal viel deutlicher.

 

Sammelleidenschaft und Gehirnjogging

 

Doch das Spiel besteht zum Glück nicht nur aus Schießereien. So schlüpft ihr einmal in die Rolle eines Kellners, der Gäste belauschen muss, dabei aber natürlich nicht seinen eigentlichen Job vergessen darf. Oder ihr müsst einen Zugang zu einer bestimmten Tür im Museum finden und dazu die Dame am Empfang ablenken. Diese Missionen sind spielerisch nicht übermäßig elegant gelöst, bieten aber eine schöne Abwechslung.

Auch Rätselfreunde kommen bei „Fear Effect Sedna“ auf ihre Kosten, denn viele Levels verlangen von euch neben bleihaltigen Auseinandersetzungen auch etwas Grips. Neben Verschiebe-Rätseln oder der Kombination diverser Zahlen, gibt es sogar rhythmusbasierte Aufgaben. Häufig befinden sich in der Levelumgebung Hinweise auf deren Lösung, ab und an wirken die Rätsel aber auch ziemlich uninspiriert und schlecht durchdacht.

Nebenher könnt ihr auch Totemobjekte in den einzelnen Abschnitten finden oder sammelt Medikits und Munition auf. Die Totems schalten im Hauptmenü Skizzen und Bilder zum Spiel frei, haben aber weiter keinerlei spielerischen Sinn.

 

 

Optik zwischen Indie und Handygame

 

Technisch gesehen gibt es an „Fear Effect Sedna“ wenig zu kritisieren. So läuft das Spiel sowohl im Handheld- als auch TV-Modus auf der Switch flüssig, nur die Zwischensequenzen sind etwas billig vertont.

Die Grafik ist zweckmäßig, das ein oder andere Charakterdesign wirkt aber schon etwas eigen und eher so als hätte man die damaligen Polygonmodelle einfach als Grundlage genommen. Daher sind dann manche Köpfe zu klein, Schultern zu breit oder die Proportionen nicht stimmig.

Die Levels bieten zwar optische Abwechslung, sind aber sehr detailarm gestaltet und bieten wenig zu entdecken. Auch die starre Kameraperspektive stört etwas bei der Übersicht. Einen großen Pluspunkt gibt es allerdings für die musikalische Untermalung des Spiels, die mit wabernden Synthie-Sounds begeistern kann.

Das User Interface hingegen wirkt dann wieder wie aus einem Spiel fürs Tablet oder Smartphone und hat viel zu große Bedienelemente, die zwar im Handheld-Modus Sinn machen aber am TV etwas störend wirken.

 

FAZIT: Schwierige Bewertung...

 

Für Fans des PSone-Spiels „Fear Effect“ ist der neueste Ableger sicherlich einen Blick wert, denn vor allem die vielen Wiedersehen mit alten Bekannten können das Retro-Herz erfreuen. Auch die Atmosphäre wirkt 1:1 wie aus dem 32 Bit-Klassiker, dennoch machen zu viele Mängel das Spiel dann doch eher durchschnittlich.

Dies beginnt mit der Taktik-Komponente, die man auch komplett aus dem Spiel hätte streichen können und man es nicht vermissen würde. Auch das ein oder andere Rätsel kann keinen Blumentopf gewinnen und wirkt nicht durchdacht, Lob bekommt das Spiel dann allerdings für die große Abwechslung im Missionsdesign.

Auch die Präsentation des Spiels wirkt nicht ausgereift und stimmig und so kann man nur hoffen, dass Entwickler Sushee das Remake von „Fear Effect“ etwas durchdachter angeht.

So bleibt am Ende ein Spiel, welches sich zu sehr auf seinen Namen verlässt und unter einigen Schludrigkeiten so zu leiden hat, dass man leider keine unbedingte Kaufempfehlung aussprechen kann.