Monster Hunter World [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 09.02.2018 um 09:44

 

Monsterjagd für Experten!

 

Die „Monster Hunter“-Serie ist seit fast 14 Jahren für Millionen von verkauften Spielen verantwortlich und sicherlich eine der erfolgreichsten Serien für Capcom. Trotzdem war die beliebte Monsterhatz im Westen immer nur ein absoluter Nischentitel was nicht nur an dem hauptsächlichen Dasein auf  Handhelds lag, sondern auch an der hohen Einstiegshürde.

Denn „Monster Hunter“ ist kein Spiel, welches man mal eben startet und schnell zwei Level hinter sich lässt, sondern es verlangt einiges an Einarbeitung und Vorbereitung auf die jeweiligen Missionen. Nach dem Release von PS4 und Co. wünschten sich die Fans nichts mehr als endlich mal wieder auf die Monsterjagd auf den stationären Konsolen zu gehen, was Capcom nun endlich erfüllt. Denn Ende Januar erschien mit „Monster Hunter World“ endlich ein neuer Teil der Reihe, der seinen Weg sogar in den Westen findet. Neben einer aufgebohrten Technik soll das Spiel aber auch Einsteigern in die Serie das Leben als Monsterjäger leichter machen. Ob dies gelingt, klären wir im folgenden Test.

 

Die 5.Flotte kommt!

 

Alle zehn Jahre bewegen sich die Drächenältesten auf die Neue Welt zu, was man unter Monsterexperten als Ältestenwanderung kennt. Die Gründe hierfür sind unbekannt und daher gründet man die Forschungskommission, die die Hintergründe dieser Wanderung untersuchen will.

Als Mitglied der fünften Flotte werdet ihr auf die Verfolgung des Drachenältesten Zorah Magdaros geschickt und erlebt fortan einige spannende Abenteuer mit Kämpfen gegen bedrohliche Monster und beim Erforschen der nicht immer freundlich gesinnten Umwelt.

 

 

Euer tierischer Begleiter und Jagen bis der Arzt kommt

 

Nachdem ihr euren Charakter anhand eines umfangreichen Editors erstellt habt, gestaltet ihr auch noch euren Begleiter, einen katzenhaften Palico, nach euren Wünschen. Dieser unterstützt euch künftig in Kämpfen nicht nur mit diversen Hilfsitems, sondern greift auch das zu jagende Monster mit seinen Waffen an.

Im Grunde verrät euch der Titel des Spiels auch den Hauptinhalt eures Tuns: ihr jagt Monster. Dies macht ihr entweder alleine oder mit bis zu drei Begleitern aus Fleisch und Blut. Durch das erfolgreiche Legen der Bestie bekommt ihr allerhand Loot und könnt euch so immer stärkere Waffen und Ausrüstungsgegenstände schmieden lassen. So könnt ihr es schon bald mit immer größeren und gefährlicheren Monstern aufnehmen und geratet so nach und nach hinter das Geheimnis des Zorah Magdaros.

Nachdem ihr also mit eurem Charakter auf der geheimnisvollen Insel angekommen seid und die ersten Schritte im Waldgebiet samt erster Monsterjagd gemacht habt, habt ihr Zugang zum Hub des Spiels, der Einsatzbasis. Dort kommuniziert ihr nicht nur mit anderen NPCs und holt euch allerlei Nebenquests bei diesen ab, hier könnt ihr auch eure Items auffüllen, im Bestiarium blättern oder euch in der Kantine stärken. Außerdem könnt ihr euch im Gebrauch der verschiedensten Waffen üben oder stattet dem Schmied einen Besuch ab, um euch zu verstärken.

Wichtig im Kampf gegen die unterschiedlichen Monster ist natürlich auch die Wahl der richtigen Waffe. Und hier gibt es für jeden Geschmack etwas. Egal ob ihr es klassisch mit Schwert und Schild mögt oder lieber mit einem riesigen Zweihänder auf die Jagd geht, im umfangreichen Arsenal dürfte jeder etwas finden. Auch Waffen für den Fernkampf sind dabei, die man dank verschiedenster Munitionstypen umfangreich individualisieren kann. 

 

Die Jagd beginnt!

 

Nachdem ihr eine Jagd-Quest angenommen habt, könnt ihr diese „bekanntmachen“. Hierzu wählt ihr aus, ob ihr alleine oder mit anderen Mitspielern die Mission starten wollt und legt diverse Bedingungen fest. Nun habt ihr genügend Zeit, um euch noch mit Tränken oder anderen Hilfsitems auszurüsten, außerdem ist der Besuch der Kantine empfohlen, in der ihr euch vom Chefkoch persönlich eine Mahlzeit zubereiten lasst. Ähnlich wie in „Xenoblade Chronicles 2“ oder „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ haben diese Speisen bestimmte Wirkungseffekte, so verbessern sie zum Beispiel eure Ausdauer oder erhöhen eure Energie über einen bestimmten Zeitraum. Seid ihr mit der Vorbereitung fertig, starte ihr mittels Flugsaurier zum Startpunkt der Mission.

Dort angekommen müsst ihr zunächst einmal die Spur des zu findenden Monsters aufnehmen und müsst so zunächst einmal blindlings drauf los laufen. Dank eurer Spähkäfer, die aus einem Beutel an eurem Gürtel kommen, werdet ihr auf jedes interessante Objekt in der näheren Umgebung hingewiesen und stolpert so auch bald schon über die Fußspur der Bestie. Untersucht ihr diese, folgen die Spähkäfer automatisch dieser Spur zum nächsten Abdruck bis ihr irgendwann auf den Gejagten trefft.

Und dann liegt es an euch, wie ihr vorgeht. Schleicht ihr euch langsam an das Monster heran, um es von hinten zu überraschen oder zieht mit Hilfe eurer Schleuder die Aufmerksamkeit auf euch? Ihr habt die Wahl. Außer ein paar kleinen Monstern, die schon nach einigen Schwerthieben das Zeitliche segnen, sind die großen Brocken in der Regel aber alles andere als leicht zu besiegen. Dank fehlender Energieanzeige der Bestien müsst ihr außerdem auf andere Dinge achten, um festzustellen wie es um die Gesundheit des Gegners steht. Oft flüchten Monster auch vor euch oder geraten in Kämpfe mit Anderen, welche besonders beeindruckend sieht und man dann besser beraten ist, einfach zuzuschauen. Habt ihr ein Tier stark genug verletzt, kann es schon mal Teile der Panzerung verlieren oder humpelt davon. Spätestens auf eurer Karte seht ihr aber, wenn ein Tier kurz vor dem Aus steht, denn dann erscheint ein kleiner Totenkopf über dessen Markierung.

 

 

Loot soweit das Auge reicht!

 

Natürlich hat die Jagd auf die Monster immer einen bestimmten Hintergrund in der Story des Spiels, von Erforschung bis hin zu einer zu großen Gefahr durch das Wesen ist alles dabei. Doch der klassische „Monster Hunter“-Spieler jagt nur aus einem Grund: dem Loot. Und das gibt es zahlreich. Egal ob während eurer Spaziergänge durch die unterschiedlichen Areale, die von einem Wald über eine Wüste bis zu einer erschreckenden Landschaft aus Monsterresten oder nach dem Erledigen der Bestien, überall ist genügend Beute zu machen, die ihr entweder zur Herstellung von Supportitems nutzt oder eben dem Schmied übergebt, damit dieser euch mächtige Waffen und Rüstungen erschafft. Die beste Beute macht ihr natürlich durch das besiegen der großen Monster, welches euch mit seltenen Stücken belohnt.

Items könnt ihr aber nicht nur im Hauptquartier sondern auch während eurer Mission craften. Vor allem Dinge wie Heiltränke sind unverzichtbar bei der anspruchsvollen Monsterhatz, aber auch Nahrung für das Aufladen eurer Ausdauer ist essentiell.

Stichwort Ausdauer: diese wird bei Kämpfen oder Sprints aufgebraucht, ist aber lange nicht so spielbestimmend wie in „Dark Souls“ oder ähnlichen Spielen. Auch auf den Zustand eurer Klinge solltet ihr ein Auge haben und diese bei Bedarf mit dem Wetzstein nachschärfen.

Neben der Steinschleuder, dem Enterhaken am Arm und eurer Waffe bekommt ihr nach und nach noch weitere Gadgets, die ihr bei der Jagd gut gebrauchen könnt. So fangt ihr mit dem Netz kleinere Tiere und Insekten, haltet mit dem Fernglas nach Gefahren Ausschau oder nutzt einen Tarnmantel um euch vor zu gefährlichen Bestien zu verstecken. Wie in jedem anderen japanischen Spiel der letzten zwei Jahre darf hier natürlich auch die Möglichkeit Angeln zu gehen nicht fehlen.

 

So schöne Monster habt ihr noch nie gesehen!

 

„Monster Hunter World“ macht guten Gebrauch von der Hardware-Power von PS4 und Xbox One, denn  ein so schönes Spiel gab es in der Reihe wohl noch nie. Neben der unglaublich lebendig wirkenden Flora und Fauna, sind auch die Monster ein echter Hingucker und sehr fantasievoll gestaltet. Auch dank des Ökosystems mit einer eigenen Nahrungskette wirken diese so echt wie nie zuvor.

Passend zu so manch epischem Kampf bietet auch die musikalische Untermalung einige gute Themes und erinnert teilweise etwas an Stücke aus alten „Godzilla“-Filmen. Hin und wieder kam es zu Rucklern, ein echtes Ärgernis ist aber die mürrische Kameraführung, die dem Spiel die absolute Top-Wertung verwehrt. Denn gerade bei Kämpfen mit flinkeren Monstern, die die Richtung wechseln oder auf Bäume klettern, ist die Kamera absolut unbrauchbar. Da nützt auch die Aufschaltung des Gegners mit Hilfe der R3-Taste nicht wirklich. Gerade weil die Kämpfe doch recht anspruchsvoll sind, ist dies ein Missgeschick, das nicht passieren dürfte. Wäre schön, wenn Capcom daran noch einmal arbeiten würde.

Auch ein bisschen schlampig ging man mit der Lokalisierung des Spiels um. So sind die Sprecher zwar recht gut gewählt und es kommt auch zu keinen Fehlern in Texten, aber auch hier ist das leidige Thema Lippensynchronität zu erwähnen. Warum man das selbst in teuren AAA-Produktionen nicht mehr in den Griff bekommt, ist schleierhaft.

 

 

FAZIT: Schon jetzt eines der besten Spiele in 2018!

 

Auch wenn „Monster Hunter World“ recht früh im Jahr und ohne viel Konkurrenz erschienen ist, kann man das Spiel schon jetzt getrost als eines der Besten im Jahr 2018 bezeichnen.

Denn neben der liebevollen Inszenierung, dem tollen Ökosystem der Insel und der motivierenden Jagd auf immer bessere Ausrüstungsgegenstände und Waffen, entwickelt „Monster Hunter World“ ein ungeheures Suchtpotential. Auch wenn zu Beginn viele Jagden noch recht ähnlich ablaufen und auch die Kämpfe mit den großen Biestern meist in ungefähr drei Phasen unterteilt ist, ist der Forscherdrang und der Wille immer stärker werdende Monster zu erledigen, unglaublich groß.

Auch der Onlinemodus, der während der Testphase sehr stabil und zuverlässig lief, trägt natürlich seinen Teil zum Spielspaß bei. Hier skaliert die Lebensenergie der Monster natürlich etwas mit, sonst wäre es zu einfach. Jedoch muss man sich gut mit seinen Mitspielern absprechen, sonst wird es chaotisch.

Zur Einsteigerfreundlichkeit noch kurz ein paar Worte: auch wenn es einige verschachtelte Menüs gibt und die Steuerung zu Beginn noch recht überladen wirkt, hat man sich schon nach wenigen Stunden super in das Spiel eingearbeitet. Dank angenehmer Features wie den Spähkäfern ist das Spielerlebnis sehr angenehm und weit entfernt von früheren, komplexeren Teilen.

Auch wenn es einige technische Mängel gibt, kann man eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Auch weil der Umfang so grandios ist, dass man für die nächsten Wochen sicherlich spieletechnisch ausgesorgt hat.