The Escapists 2 [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 22.01.2018 um 09:36

 

Auf der Flucht!

 

„The Escapists“ wurde im Jahr 2015 für Konsolen und PC veröffentlicht und von den Spielern vor allem aufgrund seiner großzügigen Freiheiten in Sachen Spielgestaltung gelobt. So konnte man seinen Gefängnisausbruch auf die Art und Weise planen, wie man wollte und wie es die aktuellen Situationen in dem jeweiligen Knast zuließen.

Zwei Jahre später veröffentlichte man mit „The Escapists 2“ einen Nachfolger, der euch in diesem Bereich noch mehr Freiheiten bot und außerdem einen Multiplayer-Modus einführte. Und genau dieses Spiel erschien zum  Jahresbeginn auch auf der Switch und wird von uns nun auf Herz und Nieren – und eventuell eingebackenen Feilen – genauestens untersucht.

 

Gesprengte Ketten

 

Als Häftling muss man sich an allerlei Regeln halten. So heißt es nach dem Aufstehen ab zum Morgenappell, danach folgt das Frühstück in der Kantine mit euren Mithäftlingen. Und auch wenn euch immer wieder einmal Freizeit zur Verfügung steht, in der ihr die Zellen der Kameraden auf interessante Objekte untersucht oder Aufträge von diesen annehmt, mit Arbeitstherapie, Sportstunde und Duschzeit ist euer Tagesablauf streng reguliert.

Und um nicht aufzufallen, solltet ihr euch genauestens an die Vorgaben des Gefängnispersonals halten, denn sonst geratet ihr sehr viel schneller in den Fokus der Wärterinnen und Wärter als euch lieb ist.

Neben euren ganzen Aktivitäten solltet ihr aber natürlich auch das Gefängnis kennen wie eure Westentasche. Wann sind diverse Bereiche vielleicht ungeschützter als sonst oder gibt es womöglich eine Wand, die nicht so stabil gebaut wurde wie der Rest des Knasts? Es gibt viel zu beachten und viele Möglichkeiten, den Weg in die Freiheit zu finden.

 

 

Prison Break

 

In „The Escapists 2“ verfolgt ihr das Geschehen stets aus einer Topdown-Perspektive und habt so immer den Überblick, was um euch herum geschieht. Außerdem öffnen sich kontext-sensitive Anzeigen, wenn ihr zum Beispiel vor einem Stuhl steht(„Hinsetzen“) oder vor einem Pult(„Durchsuchen“). Auch bei euren Mitinsassen symbolisieren Anzeigen, ob man mit diesen Geschäfte machen kann oder sie einen Auftrag für euch haben. Ob ihr euch wichtige Gegenstände so durch den Tausch gegen Bares besorgt oder doch lieber das Gefängnis danach absucht bleibt euch überlassen. Allerdings lassen sich eure Kollegen die begehrten Sachen teuer bezahlen.

Doch Objekte können nicht nur aktiv für euren Ausbruch genutzt werden, ihr könnt damit andere Menschen im Gefängnis auch bestechen. So schauen die Wärter doch mal bei einer Kontrolle eurer Zelle nicht so genau hin, wenn ihr sie mit einem tollen Geschenk bestochen habt.

 

Alcatraz

 

Während der Kampagne gibt es allerlei Gefängnisse, die bezwungen werden wollen. Sind die Einsteigerlevel noch recht übersichtlich und offen von der Spielgestaltung her, sind Levels wie der fahrende Zug oder der Knast im Wilden Westen schon einschränkender und fordernder. Hier kommen dann auch noch Zeitlimits oder andere Hindernisse hinzu, die euch den Ausbruch noch erschweren.

Glücklicherweise seid ihr aber nicht auf euch alleine gestellt, denn bei Bedarf könnt ihr mit bis zu drei anderen Mitspielern die Flucht planen und umsetzen. Neben allerlei Gegenständen, die gecraftet werden wollen, könnt ihr dabei aber auch auf eure Fäuste zurückgreifen und das überarbeitete Kampfsystem nutzen und somit den ein oder anderen Aufstand im Gefängnis anzetteln.

Solltet ihr aber lieber den Knastalltag genießen wollen, stehen euch allerlei Sachen zum Zeitvertreib zur Verfügung. So könnt ihr euch in der Bibliothek ein Buch schnappen und durchs Lesen Wissen aneignen oder ein Instrument spielen. Oder ihr sucht euch einen lukrativen Job als Reinigungspersonal oder in einem anderen Bereich des Gefängnisses. Hier spielt „The Escapists 2“ seine Freiheit voll aus.

 

 

Das Loch

 

Optisch präsentiert sich „The Escapists 2“ in einem schönen Retrolook, der in vollster Pixelpracht erstrahlt und dabei ungefähr so wie ein sehr gutes SNES-Spiel wirkt. Außerdem sind die Level sehr detailreich und liebevoll gestaltet ebenso wie eure Mitinsassen und das Gefängnispersonal.

Die optische Untermalung ist während des Spiels nicht besonders auffällig und hält sich eher dezent im Hintergrund, orientiert sich aber auch hier an früheren Zeiten mit SNES und Mega Drive vor dem Röhrenbildschirm.

Was optisch nicht so gefällt, sind die vielen Textboxen, die das Spiel nicht nur ziemlich unübersichtlich machen, sondern auch dafür sorgen, dass man häufig andere Texte nicht lesen kann. Dies ist nur bei Situationen mit vielen Personen gleichzeitig auf dem Schirm der Fall, aber doch recht ärgerlich. Gerade zu Beginn im Tutorial sind die vielen Einblendungen mehr überfordernd als  hilfreich.

 

FAZIT: Ein fast gelungener Fluchtversuch!

 

Dass einem Spiel eine offene Spielwelt samt zahlreicher Möglichkeiten es erfolgreich zu meistern, nicht immer gut tut, zeigt „The Escapists 2“ in perfekter Weise. Denn die Ausbruchssimulation ist bei weitem kein Spiel für Zwischendurch und will in mehreren Stunden erst einmal analysiert und gelernt werden. Wo finde ich welchen Mithäftling? Welche Gegenstände werden mir bei meinem Ausbruch nützlich sein? Wie hoch sind die Sicherheitsmaßnahmen und wie streng gehen die Wärter mit dem Nichteinhalten von Regeln um? Hinzu kommt eine gewissen Eingewöhnungsphase im jeweiligen Gefängnis und dass man sich mit diesem vertraut machen muss.

In Kombination mit dem recht eintönigen Einhalten von Routinen im Tagesablauf überfährt einen das Spiel zu Beginn recht stark und macht den Einstieg nicht leicht. Doch wer sich einmal durchgebissen hat, bekommt ein unterhaltsames Spiel mit einem sehr frischen Konzept präsentiert. Und gerade mit drei anderen Mitspielern sorgt das Spiel für die ein oder andere vergnügliche Stunde.