Star Wars Battlefront II [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 20.11.2017 um 14:41

 

In einer nicht weit entfernten Galaxie...

 

Die „Star Wars“-Saga ist und bleibt eine der umsatzstärksten Marken der Welt. Keine Kindheit in den letzten vierzig Jahren kam um Filme, Merch oder Spiele herum und die neue Trilogie sorgt auch bei der aktuellen Generation von Heranwachsenden für treue Fans. Passend zum Start dieser mit Episode VII brachte EA damals „Star Wars Battlefront“ auf den Markt, welches zwar dank starker Lizenz sofort in aller Munde war, aber gerade in Sachen Umfang eher für viel Kritik sorgte. Auch dass das Spiel eigentlich nur online wirklich spielbar war, machte viele Userinnen und User unglücklich. Daher sollte Teil 2 alles besser machen. So scharte EA seine besten Entwicklerteams um das Projekt, angefangen bei Shooterspezialist DICE über Criterion bis hin zu den Motive Studios rund um Jade Reymond. Außerdem versprach man schon früh in der Entwicklung einen Storymodus, der auch Solospieler glücklich machen sollte. Doch schon nach der ersten Beta wurden Stimmen laut, die vor allem das XP- und Lootboxensystem kritisierten und von peinlichen Pay-to-win-Mechaniken sprachen. Doch wie sieht nun das finale Spiel aus? Ist es der erwartete Top-Shooter mit „Star Wars“-Lizenz oder ein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Machwerk?

 

 

Das Imperium fällt

 

Im Kampagnenmodus von „Star Wars Battlefront II“ schlüpft ihr in die Rolle von Iden Versio, der Kommandantin des Infernotrupps des Imperiums. Kurz vor der finalen Zerstörung des Todessterns befindet sie sich mit ihrem Team auf Endor und muss dessen Ende live von der Planetenoberfläche beobachten. Doch erstaunt muss sie feststellen, dass der Tod von Darth Vader und des Imperators auf keinen Fall bedeuten, dass das Imperium seine Niederlage eingesteht. In einer finalen Operation mit dem Kennwort „Asche“ will dieses den Rebellen nämlich noch einmal einen schmerzlichen Stoß zusetzen und dann an seinem Wiederaufbau arbeiten. Doch als sich die Pläne des Imperiums gegen die eigene Heimat richten, muss sich Iden für eine Seite entscheiden.

In circa einem Dutzend Missionen schießt ihr euch zu Fuß oder in einem Raumschiff durch Gegnermassen, schleicht durch feindliches Gebiet oder schlüpft sogar einmal in die Rolle von bekannten Persönlichkeiten wie Han, Luke oder Leia.

 

Shooterkost von der Stange

 

Setzt man einmal die „Star Wars“-Fanbrille ab, handelt es sich bei „Battlefront II“ um einen klassischen Shooter. Da eure Waffen jedoch meist moderne Blaster und keine AK47 oder MGs sind, fühlen sich diese jedoch schon einmal komplett anders an als in einem Weltkriegsshooter. Statt Munition nachzuladen, muss man hier außerdem auf die Abkühlzeiten der Blaster achten, die bei zu langer Nutzung überhitzen.

Eure Charaktere stattet ihr außerdem mit verschiedenen Perks aus, die euch zum Beispiel einen Sonar nutzen, Granaten werfen oder Gesundheit schneller regenerieren lassen. Im Singleplayer-Modus findet ihr während der Missionen nach und nach an bestimmten Terminals diese sogenannten Sternenkarten, im Multiplayer-Modus hingegen müsst ihr sie entweder mit Hilfe von Herstellungsmaterial erwerben oder findet sie in den Belohnungskisten, klassischen Lootboxen.

Wie auch schon im Vorgänger könnt ihr übrigens entweder aus der Egoansicht oder der Thirdperson-Perspektive spielen. Im Multiplayermodus habt ihr hier natürlich den Vorteil, dass ihr im Firstpersonmodus etwas schneller agieren und reagieren könnt(v.a. beim Zielen).

Die Modi und Level, in denen ihr euch an das Steuer eines Raumschiffes begebt, sind ähnlich gut designt wie die Shooterpassagen am Boden. Auch hier habt ihr die Möglichkeit über die Schultertasten drei vorher festgelegte Perks zu aktivieren, die sich nach Gebrauch wieder aufladen müssen. Außerdem ist das Handling der Raumschiffe gut gelöst und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kein Problem mehr.

 

 

Online über Allem

 

Neben der Kampagne und dem Arcademodus, welche beide für Offlinespieler gemacht sind, ist das Herzstück aber natürlich der Onlinemodus. Denn hier erspielt ihr die wichtigen Kredits und hier spielt „Battlefront II“ inszenatorisch seine ganzen Stärken aus. So habt ihr hier die Auswahl aus fünf Modi, angefangen bei klassischen Spielarten wie Gefecht(Team vs. Team) oder Angriff(Erreichen bestimmter Einsatzziele, z.B. Bomben entschärfen) über Raumschlachten in Sternenjägerangriff bis hin zu den epischen Schlachten in Galaktischer Angriff mit bis zu vierzig Spielern auf einer Karte. Wer es gerne mal mit den Helden und Bösewichten der Reihe zu tun bekommt, wählt Helden vs. Schurken. In diesem 4 vs 4-Spiel wird immer einer der Charaktere als Ziel ausgewählt, den es dann entweder zu beschützen gilt oder den man ausradieren muss.

Highlight ist aber wirklich Galaktischer Angriff, welches auf großen Karten stattfindet und mehrere Missionsziele hat. So müsst ihr auf Hoth zum Beispiel die Rebellenbasis stürmen oder verteidigt in Form der Ersten Ordnung die Starkiller-Raumstation gegen einen Angriff der Rebellen. Je nach Erfolg oder Misserfolg des eigenen Teams verschieben sich die Kampfpunkte auf den Karten und machen das Spiel so recht dynamisch.

 

Lootboxen, XP und Kredits

 

Im Gegensatz zum Vorgänger habt ihr nun eine riesige Auswahl aus Spielerklassen. Diese starten bei herkömmlichen Sturmtruppen bzw. Rebellen, die nochmals in Unterklassen aufgeteilt sind. So gibt es die ausgewogenen Angreifer, aber auch Spezialisten mit Scharfschützengewehr oder Flammenwerfer. Außerdem gibt es wieder die Helden, die noch einmal ordentlich Zuwachs bekommen haben und aus der aktuellen sowie der Trilogie mit den Episoden 1 bis 3 entliehen wurden. So könnt ihr nun also auch in die Rolle von Darth Maul, Kylo Ren oder Rey schlüpfen.

Damit ihr die Helden aber spielen könnt, ist nicht das Aufsammeln von bestimmten Items wie im Erstling nötig, sondern ein gutes Spielen. Denn während der Onlinematches bekommt ihr für jede Aktion Kampfpunkte, die ihr dann ab einer bestimmten Summe in spezielle Charaktere oder Fahrzeuge umtauschen könnt. So schlüpft ihr zum Beispiel in die Rolle der erwähnten Ikonen oder setzt euch in den Raumschlachten oder auf den passenden Karten wie Hoth an das Steuer von Tie Fightern, X-Wings oder sogar dem Millenium Falken.

Habt ihr die Schlachten hinter euch gebracht, werdet ihr anhand eurer Spielleistung bewertet und bekommt Erfahrungspunkte, die euch dann im Level aufsteigen lassen. Außerdem erspielt ihr damit Kredits, die ihr dann wiederum in Lootboxen investieren könnt. In diesen stecken die Sternenkarten, mit denen ihr eure Charaktere nach und nach verbessert. So bekommt ihr nicht nur neue Fähigkeiten hinzu, sondern auch Verbesserungen für diese. Das Leveln ist dabei aber sehr langsam und gerade zu Beginn braucht ihr einiges an Talent und Geduld, um eure Figur mit vernünftigen Sternenkarten so zu gestalten, dass ihr damit gut klarkommt. 

Eine weitere Möglichkeit, an Kredits zu kommen, sind die eingebauten Meilensteine. Hier werdet ihr für das Erreichen bestimmter Punkte wie „Schließe Kapitel XY ab“ oder „Erledige 25 Gegner im Onlinemodus“ mit Ingamewährung belohnt. Noch während unseres Tests schaltete EA die Microtransactions in Form von Kristallen, die man gegen Echtgeld kaufen konnte, übrigens ab.

 

 

Gute Technik

 

Dank Frostbite-Engine sieht „Star Wars Battlefront II“ natürlich sehr gut aus. Vor allem Levels wie Endor oder Weltraumschlachten inmitten von Trümmerteilen sehen einfach umwerfend aus und lassen perfektes „Star Wars“-Feeling aufkommen. Die Charaktere sind gut modelliert, die heimlichen Stars sind aber die supergenauen Abbildungen der Raumschiffe. Unterstützt wird dies von einer passenden musikalischen Untermalung in Form bekannter Filmthemes und Soundeffekte. Nur einige Synchronstimmen sind nicht aus der Filmvorlage, aber im Eifer des Gefechts stört dies nicht sonderlich.

Die Onlinematches liefen während unseres Tests einwandfrei, in 99% der Fälle wurden passende Spiele recht schnell gefunden. Was allerdings weniger gut gefällt, sind die langen Ladezeiten, die einen besonders zum Einstieg in das Spiel oder bei der Rückkehr von der Onlinelobby zum Hauptmenü manchmal wirklich verzweifeln lassen. Hoffentlich kann dies ein Patch nochmal verbessern. Ansonsten fielen in der Kampagne einige Bugs auf wie Figuren, die aufeinander schießen sich aber trotz Abstands von einem Meter ständig verfehlen oder hakelige Animationen. Auch hier bräuchte es noch etwas Feinschliff. Schlimm ist auch die Animation, wenn euer Spieler im Laufen getroffen wird bei aktivierter Thirdperson-Ansicht. Das passt nicht so recht zum AAA-Anspruch des Titels.

 

FAZIT: Bonuspunkte wegen Lizenz, Levelsystem aber frech

 

Seien wir mal ehrlich: „Star Wars Battlefront II“ würde ohne die Filmlizenz wohl niemanden interessieren und würde aufgrund seiner fragwürdigen Spielmechanik vermutlich im Niemandsland der Spieleindustrie verschwinden. Denn wo auch schon „Need for Speed Payback“ mit seinem unverschämten Level- und Lootsystem das eigentliche Prinzip eines Rennspiels mit Tuningoptionen kaputt gemacht hat, schreckt „Star Wars Battlefront II“ mit ähnlichem System ab. Vor allem Gelegenheitsspieler, die mit dem Vorgänger noch viel Spaß haben konnten, dürfte das langwierige Grinden eines Charakters und das auf Glück basierende Lootsystem einfach abschrecken. Die Formel ist ganz einfach: Willst du Erfolg in „Battlefront II“, dann bezahl weiteres Geld oder investier unzählige Stunden. Alle anderen müssen sich damit abfinden, dass man wohl oder übel nicht mit anderen Spielern mithalten kann. Und das darf nicht im Sinn eines Spieleentwicklers stehen.

Macht „Star Wars Battlefront II“ dennoch Spaß? Ja, denn es hat seine Lizenz unglaublich gut umgesetzt und spätestens wenn man an Bord eines X-Wing im Verbund mit anderen Spielerinnen und Spielern einen Sternenzerstörer in die ewigen Jagdgründe schickt, springt das Fanherz vor Glück. Und auch wenn der Storymodus nicht das Gelbe vom Ei ist, kann er einen Fan des Franchise für einige Stunden recht gut unterhalten. Hätte EA aber den Umfang dieses Teils mit dem fairen Spielprinzip des Erstlings kombiniert, wäre „Star Wars Battlefront II“ ein unschlagbares Meisterwerk.