Sonic Forces [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.11.2017 um 10:24

 

Seeeeeeeegaaaaaaa!

 

Mit diesem Jingle begann sie damals, die große Liebe für den blauen Igel und Segas Maskottchen welches so viel cooler war als Nintendos etwas rundlicher Klempner. In zahlreichen Spielen zeigten uns die Entwickler wie man schnelles Spieldesign perfektioniert und was das Mega Drive zu leisten imstande war.

Doch schon auf dem Sega Saturn bröckelte der Lack der einstigen Ikone, denn während Mario auf dem N64 eine wahre Supershow ablieferte, durfte Sonic sich nie in einem richtig vollwertigen Spiel auf der 32 Bit-Konsole austoben. Aber dann kam der Dreamcast und mit ihm zusammen „Sonic Adventure“. Ein Spiel welches bereits kurz nach dem Start mit einer sagenhaften 3D-Sequenz die Spielerinnen und Spieler weggeblasen hat. Mit Verschwinden der Sega-Konsolen ging leider auch ein Stück dieses Kults und fortan machte der sympathische Igel hauptsächlich durch die gemeinsamen Sportauftritte mit Mario in den Games zu den Olympischen Spielen von sich reden. Immer wieder probierte Sega ein modernes „Sonic“-Game zu veröffentlichen, immer wieder scheiterte man. Immerhin schuf man mit „Sonic Generations“ im Jahr 2011 einen tollen Mix aus klassischen 2D- und 3D-Abschnitten, „Sonic Mania“ zeigte uns in diesem Sommer was man mit etwas Liebe zur Nostalgie aus dem traditionellen Gameplay machen kann. Und nun erscheint „Sonic Forces“ für die aktuelle Konsolengeneration. Mit Erfolg?

 

Ab in den Widerstand!

 

Wieder einmal wird die Welt von Dr. Eggman bedroht. Dieser erklärt der gesamten Erdbevölkerung nämlich den Krieg und will vor allem seinen Erzfeind Sonic  endgültig ausschalten. Hierfür bekommt er unter anderem Hilfe durch bereits bekannte Schurken aus den früheren Teilen wie zum Beispiel Chaos oder Metal Sonic.

Und tatsächlich gelingt es ihm, Sonic in Gefangenschaft zu nehmen, was natürlich seine Freunde rund um Tails, Knuckles und Amy auf den Plan ruft. Gemeinsam gehen sie in den Widerstand und wollen Dr. Eggman und seine Schergen stürzen!

 

 

Sonic wie eh und je....fast

 

Zum Einstieg begleitet ihr aber noch den modernen Sonic bei seiner Tour durch das klassische Green Hill-Level und lernt die abwechselnden 2D- und 3D-Passagen zu meistern. Dabei gilt es natürlich die Abschnitte in möglichst hoher Geschwindigkeit zu absolvieren, dabei Ringe zu sammeln und den Bösewichten eines auf die Mütze zu geben. Hierfür könnt ihr den Gegner ganz klassisch einfach auf das Haupt hüpfen, allerdings gibt es auch eine besondere Sprungattacke durch die ihr mehrere Angriffe aneinander reihen könnt. Befindet ihr euch nämlich in einem Sprung ploppt ein grünes Fadenkreuz auf dem Gegner auf. Drückt ihr dann zeitig den B-Knopf attackiert Sonic diesen, mehrere Attacken dieser Art können so aneinander gereiht werden. Doch nicht nur Gegner könnt ihr damit „anspringen“, auch Sprungfedern oder andere Fortbewegungshilfen könnt ihr so anvisieren.

Bewegt sich euch Sonic nicht schnell genug, könnt ihr nun auch noch einen Turbo zünden. Dieser lässt sich durch das Aufsammeln von Wisp-Kapseln aufladen und ist so stark, dass ihr sogar durch Feinde durchlaufen könnt. Wie immer gilt, bei Feindkontakt verliert ihr Ringe. Habt ihr keine mehr auf dem Konto und werdet vom Gegner getroffen, heißt es Game Over. Zum Glück gibt es aber in den Levels allerlei faire Rücksetzpunkte.

 

Neu oder lieber retro?

 

Doch das war bei weitem nicht alles was das neue „Sonic Forces“ zu bieten hat. Denn nicht nur der moderne Sonic ist im Spiel dabei, auch der etwas pummelige Retro-Sonic kann in manchen Levels gesteuert werden. In diesen kann man dann nicht nur den berühmten Dash-Angriff ausführen, sondern es gibt auch wieder die klassischen Itemboxen, die euch kurze Zeit unbesiegbar machen oder euch Zusatzringe einbringen.

Größte Neuerung ist jedoch, dass ihr erstmalig in der Reihe auch eure eigene Figur erschaffen dürft. Hierbei wählt ihr nicht nur aus der Rasse eures Charakters, z.B. Katze, Igel, Wolf oder Vogel, mit der Wahl des Geschlechts, der Farbe, der Augenpartie und dem äußeren Erscheinungsbild könnt ihr die Figur nach eurem Geschmack erschaffen. Neben ähnlich tollen Renn- und Sprungeigenschaften wie Sonic kann der „Neue“ aber auch den Wispon nutzen. Dies ist eine Schusswaffe, die jeweils zwei Funktionen hat. Zu Beginn ist das der Flammenwerfer und das Katapultieren in die Höhe, andere, freischaltbare Wispons verfügen dann noch über Blitz- oder Würfeleigenschaften.

 

Weltweit unterwegs

 

Neben den regulären Levels in 2D und 3D stehen auch immer wieder mal Bosskämpfe an. Diese sind eigentlich recht leicht zu meistern, hier kommt es hauptsächlich darauf an, dass ihr euch das Bewegungsmuster merkt und rechtzeitig reagiert.

Die Levels selbst könnt ihr auf der Erdkugel selber nach deren Freischaltung wählen, dort findet ihr auch die Menüpunkte für euren Avatar und die sogenannten Missionen. Letztere sind Herausforderungen wie „Schließe Level 8 ab“ oder fordern euch auf, ein Level mit einem besonders guten Rang abzuschließen. Denn gemessen an eurer Leistung – gesammelte Ringe, benötigte Zeit usw. – errechnet das Spiel am Ende jedes Levels eine Note. Erledigt ihr solche Missionen erfolgreich, werdet ihr mit neuen Objekten für euren Avatar belohnt. Ab und an gilt es auch vergangene Levels wiederzuspielen, da diese als SOS-Mission gekennzeichnet sind. Hierfür wählt ihr dann einen anderen Avatar aus und habt auch nur ein Leben, um das Level abzuschließen.

 

 

Mal hübsch, mal grausig

 

„Sonic Forces“ ist grafisch und technisch ein zweischneidiges Schwert. Denn auf der einen Seite sind Levels wie die klassische Green Hill Zone oder das Dschungellevel wirklich schön gestaltet und versprühen den Charme vergangener Tage, auf der anderen Seite gibt es dann aber wieder Abschnitte die an Tristesse und Langeweile nicht zu überbieten sind. Immerhin läuft das Spiel auf der Switch aber immer recht flüssig.

Ein größeres Ärgernis sind aber die Videosequenzen, die wohl ziemlich komprimiert werden mussten, da diese immer wieder grob verpixelt sind und zur Artefaktebildung neigen. Das ist auf einer aktuellen Konsole einfach nicht mehr zeitgemäß. Gleiches gilt für die starke Treppchenbildung bei Kanten in den Menüs, was natürlich auf dem großen Fernseher noch stärker ins Auge fällt als mobil und manchmal schon beim Hinsehen weh tut.

Serienstandard ist auch die sehr rockige Musik, die ganz gut zum flotten Gameplay passt und die, vor allem im Japanischen, sehr gute Vertonung der Figuren.

 

FAZIT: Nicht der erhoffte Knaller!

 

Seit dem Release von „Sonic Generations“ dachte man eigentlich, dass die Entwickler endlich eine gute Formel für moderne „Sonic“-Spiele gefunden haben und dann kommt ein „Sonic Forces“ ums Eck. Zwar macht das Spiel in manchen Abschnitten echt Spaß, vor allem wenn man eine rosarote Retrobrille auf der Nase hat, aber dann gibt es wieder Inhalte, die einen fassungslos vor dem Fernseher sitzen lassen. Das fängt mit dem Kriegs-Setting an, welches nicht zur Serie passt und endet bei solchen Details wie der vermeintlichen Folterung Sonics. So etwas passt in „GTA“ aber doch nicht in ein „Sonic“-Spiel. Das Setting spiegelt sich auch in der optischen Gestaltung der Menüs und der Benutzeroberfläche wieder, so salutiert der Avatar beim Auswählen des Punktes zum Beispiel. Hätte so nicht sein müssen.

Umso ärgerlicher sind aber viele Levels, in denen man vor lauter Geschwindigkeit rein gar nichts von der Spielwelt wahrnimmt und in denen viele Sequenzen auch selber ablaufen. Urplötzlich steht man dann vor einer Horde an Feinden oder rennt blindlings in diese hinein und verliert seine kostbaren Ringe. Das Leveldesign muss bei solch einem schnellen Spiel einfach perfekt sein und da ist „Sonic Forces“ weit von entfernt. Zusammen mit den kleinen, dennoch ultraärgerlichen Schnitzern in Sachen Grafik/Technik ergibt sich so einfach kein gutes Gesamtbild. Und Sega, wenn ich schon meinen eigenen Charakter aus dem „Sonic“-Universum bauen kann, dann bitte mit mehr Optionen.