Need for Speed Payback [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 15.11.2017 um 12:11

 

Mit Vollgas durch die Konsolengeschichte

 

Seinen Ursprung hatte die „Need für Speed“-Reihe damals noch auf dem Panasonic 3DO und kümmerte sich in seinen Anfangstagen hauptsächlich um hochpotente Sportwägen und einfache Rennen von A nach B. Schon 1994 war die Reihe technisch auf einem hohen Niveau und in Sachen Präsentation der Konkurrenz enteilt. Doch mit der aufkommenden 3D-Grafik wurden auch Rennspiele immer beliebter und so musste sich „Need for Speed“ immer wieder neu erfinden. Seien es Ableger mit Konzentration auf eine Marke wie Porsche, dem Fokus auf Verfolgungsjagden oder mit dem Schwerpunkt Tuning, über die Jahre hinweg kamen und gingen einige Trends.

Leider gilt dies auch für die Qualität der Serie, denn neben Top-Titeln wie „Need for Speed Underground“ kam es auch zu solchen Totalausfällen wie „NFS The Run“ oder „Pro Street“. Seit einigen Jahren ist die Qualität dank des Entwicklerstudios Ghost nun wieder anhaltend ganz in Ordnung, auch beim neuesten Teil führte dieses die Regie. Ob die Arcade-lastige Rennserie wieder zu alter Stärke zurückkommen kann oder man das Ding gegen die Wand gefahren hat, klären wir in unserem Test.

 

Sei cool und klau Autos!

 

In der Rolle von Tyler Morgan seid ihr in Fortune Valley unterwegs, ein Bezirk, der an Las Vegas angelehnt ist. Zusammen mit eurer Crew, bestehend aus Sean und Jess, klaut ihr Autos für eure Auftraggeberin Lina. Doch als diese die Crew hintergeht steht ihr plötzlich vollkommen alleine da und verdient euch eure Brötchen künftig als Fahrer eures einstigen Widersachers, dem Gambler.

Doch Tyler will wieder zurück in die Straßenrennen-Szene und vor allem Rache an Lina nehmen. Doch hierfür muss er zunächst einmal „Das Haus“ besiegen, die alle Straßenrennen in Fortune Valley zu ihren Gunsten beeinflussen und so die Stadt beherrschen.

 

 

Open World-Raserei

 

Vor allem zu Beginn – ca. die erste Stunde - folgt ihr in „Need for Speed Payback“ einer stringenten Handlung und absolviert so ein Rennen nach dem anderen. Doch dann öffnet sich die Spielwelt und offenbart eine Open World, wie sie heutzutage üblich ist. Neben einer urbanen Gegend mit Hochhäusern und Straßenschluchten verschlägt es euch aber auch in die Wüste, die Berge oder Wälder. Da man im Spiel nicht nur die Wahl aus normalen Straßenautos sondern auch Offroad-Vehikeln hat, sind euch hier nur wenig Grenzen gesetzt.

Auf der Übersichtskarte könnt ihr dann nicht nur die Rennen anzeigen lassen, sondern auch Geschäfte wie die Tuning-Werkstätten oder die Autohändler. Außerdem werden nach und nach spezielle Herausforderungen sichtbar, in denen ihr dann zum Beispiel besonders schnell durch einen bestimmten Streckenabschnitt fahren oder einen Blitzer auslösen müsst. Hierfür bekommt ihr dann Punkte gutgeschrieben, die euch ab einer bestimmten Anzahl Belohnungen einbringen.

Die Welt selber wird von anderen Autos befahren, die euch natürlich auch in Rennen immer wieder einmal ein Hindernis sind. Leider sieht man aber keinerlei Fußgänger was alles recht leblos wirken lässt.

 

Rennspiel-Standards erfüllt

 

Im Kern handelt es sich bei „Need for Speed Payback“ um ein ganz klassisches Arcade-Rennspiel, welches durch keine besonderen Features aus der Masse heraussticht. So steuert ihr euer Auto durch die Rennen und könnt dabei gelegentlich auf einen Nitroboost zurückgreifen, der sich mit der Zeit wieder auflädt. Die Rennen unterteilen sich in verschiedene Disziplinen wie Drift, Drag, Verfolgungsjagden oder eben den Klassiker auf einem Rundkurs oder einer Strecke von A nach B.

Wichtig dabei ist immer, dass ihr mit dem richtigen Wagen antretet. Neben einer Unterscheidung in Off- und Onroad solltet ihr dabei auch auf die Stufe eures Wagens achten. Diese errechnet sich aus den ausgerüsteten Tuningobjekten. Und da kommen wir schon zu einem Hauptärgernis von „Need for Speed Payback“: denn das Tuning eures Gefährts erfolgt über die sogenannten Speedkarten. Nachdem man ein Rennen gewonnen hat – übrigens muss man diese für Spielfortschritte immer gewinnen – könnt ihr eine von drei Karten ziehen und anschließend entscheiden, ob ihr die Verbesserung einbaut, gegen Ingame-Geld wieder verkauft oder eintauscht. Die Speedkarten kann man übrigens gezielt auch gegen echtes Geld im Shop kaufen und sich so natürlich einen Vorteil im Spiel verschaffen. Warum man hier auf ein klassisches Tuning-Konzept verzichtet, ist schleierhaft und nicht nachzuvollziehen. Im Bereich des optischen Tunings hat es schließlich auch traditionell geklappt. Einmal eingebaute Karten könnt ihr außerdem nicht auf ein anderes Auto übertragen. Wollt ihr also mehrere Wägen tunen, müsst ihr damit auch immer und immer wieder Rennen fahren und gewinnen.

 

 

Erfahrung sammeln, Unfug machen

 

Neben dem Anhäufen von allerlei Kohle für das Tuning eurer Kiste sammelt ihr auf euren wilden Rennen durch Fortune Valley auch allerlei andere Bonuspunkte. Neben den bereits angesprochenen Sternen für die Herausforderungen bekommt ihr auch Erfahrungspunkte für das Erledigen bestimmter Aufgaben. So könnt ihr über die Karte verteile Plakatwände finden, die ihr zerstören müsst. Aber auch Casinochips könnt ihr an mehr oder weniger gut versteckten Plätzen finden und so euer Bank- bzw. Erfahrungskonto aufbessern. Bastler finden an einigen Stellen außerdem Teile eines Autowracks, die ihr dann letztlich zu einem besonderen Klassiker zusammenbauen könnt.

An Tankstellen - die auch als Schnellreisepunkte dienen - könnt ihr außerdem euer Auto optisch wieder auf Vordermann bringen, das Schadensmodell ist jedoch eher zwiespältig. So sehen die Beulen und Kratzer optisch nicht so realistisch aus, aber die Komplettschäden bei den Verfolgungsjagden machen schon was her. Ebenso gelungen sind auch die Storymissionen inszeniert, die meist mehrere Rennen aneinander reihen und an Filmhits wie die „Fast & Furious“-Reihe erinnern.

Wollt ihr besondere Herausforderungen erleben könnt ihr vor Rennen auf bestimmte Events währenddessen wetten. So bekommt ihr dann zum Beispiel für eine Führung mit einer Dauer von über 30 Sekunden einen Bonus. Verliert ihr die Wette, wird euch aber auch ein Betrag abgezogen. Schon erledigte Rennen könnt ihr nochmal angehen um eure Zeiten zu schlagen und weitere Speedkarten zu kaufen.

 

Ein paar ordentliche Kratzer im Lack

 

Die Optik der „Need for Speed“-Serie war meist überdurchschnittlich gut, kam jedoch nie an Titel wie „Forza Motorsport“ oder „Gran Turismo“ heran. Und auch „Payback“ muss sich hier trotz Einsatzes der Frostbite-Engine deutlich geschlagen geben. Vergleicht man das Spiel mit der direkten Open World-Rennspielkonkurrenz wie „The Crew“ oder „Forza Horizon 3“ kann man sich über einige Details nur wundern. So könnte man die leblose Welt von Fortune Valley noch übersehen, wenn diese wenigstens ordentlich aussehen würde, aber die grau-braune Tristesse die im Spiel vorherrscht, verdirbt einem leider etwas die Lust am Fahren. Hinzu kommen teils recht grobe Texturen an den Autos, z.B. bei der Typbezeichnung oder bei den angebrachten Decals, die eher an PS3 als an PS4 erinnern. Warum man ebenso auf eine richtige Cockpit-Perspektive verzichtet, ist im Jahr 2017 schleierhaft. Dennoch läuft das Spielgeschehen immer flüssig und ohne Ruckler. Bei einem Rennspiel ja recht essentiell. Dazu passt auch die Steuerung, die immer wieder vom gewählten Fahrzeug anhängig ist, Eingaben meist aber recht direkt auf die Strecke umsetzt.

Positiv hervorheben kann man auch die musikalische Untermalung durch den Radiosender, gehörig auf die Nerven gehen aber die ständigen Kommentare über Funk oder die des eigenen Fahrers. Leider sind die meisten der Sprüche eher plump als lustig. Dies passt aber zur allgemeinen Präsentation des Spiels, welches sich einfach selber viel zu ernst nimmt.

 

 

FAZIT: So macht man Videospielreihen kaputt!

 

In seinem Kern ist „Need for Speed Payback“ ein Rennspiel mit dem man ein paar Stunden Spaß haben könnte. Direkte Steuerung, tolle Sounduntermalung und eine Optik, die keine Granate ist, aber ausreichend wäre. Nun kommt das große Aber: Warum zur Hölle muss man in jedes Spiel mittlerweile ein Lootbox-System einbauen und dann noch wie in diesem Fall ein solch verkorkstes? Das System der Speedkarten, um sein Auto zu tunen ist sowas von misslungen und unüberlegt, das man sich als Konsument mittlerweile schon etwas verar..... vorkommt. Solche Mechanismen kann man in ein Mobilegame für Handys einbauen, welches ein paar Euro oder gar nichts kostet, aber doch nicht in ein Vollpreisspiel mit einem gewissen Anspruch. Manchmal wird EA zu unrecht beschimpft, aber bei „Need for Speed Payback“ wäre es gerechtfertigt. Wie viele Reihen will der Konzern aus Kanada eigentlich noch kaputt und durch lachhafte Mikrotransaktionssysteme nichtig machen?

Leider kommt bei „Need for Speed Payback“ dann noch die schlechte Story hinzu auf die man lieber verzichtet hätte und die dazu einen fürchterlichen Prollfaktor hat. Durch das ständige Grinden des Autos zieht man auch die Spieldauer unnötig in die Länge. Das sind alles kleine, aber schmerzhafte Punkte, die das Spiel leider alles andere als gut machen.