Call of Duty WWII [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 07.11.2017 um 13:25

 

Die Pflicht ruft!

 

Mit der „Call of Duty“-Reihe hat Activision im Jahr 2003 einen Meilenstein der Videospielgeschichte begründet. Nachdem man zunächst das altbewährte Egoshooter-Setting, den Zweiten Weltkrieg, mit den ersten drei Teilen ausführlich behandelte, wurde es ab dem Jahr 2007 modern und aktuell.

Und „Call of Duty 4: Modern Warfare“ war nicht nur erzählerisch eine Besonderheit, mit dem Spiel gelang Activision auch der Durchbruch auf den Konsolen. Die starke Nachfrage nach Spielen der Reihe konnte man künftig nur noch stillen, indem man verschiedene Studios für die Entwicklung heranholte. So entwickelte sich neben der „Modern Warfare“-Serie auch die „Black Ops“-Reihe, zwischendurch gab es zum Beispiel mit „Ghosts“ immer wieder einmal Standalone-Titel.

Nun kehrt man mit „Call of Duty WWII“ zu den Wurzeln der Serie zurück und entfernt sich wieder vom Gameplay der letzten Jahre, das durch Wallruns, Jetpacks und moderne Waffen geprägt war. Ob diese Entscheidung gut oder schlecht war, klären wir in unserem Test.

 

Die Erste Infanterie ist da!

 

Eigentlich könnte der Zweite Weltkrieg für Private Red Daniels nicht schlimmer beginnen, denn euer erster Einsatz führt euch am 6.Juni 1944 gleich zum Ansturm der Normandie, D-Day.

Als Soldat der Ersten Infanterie seid ihr nämlich immer vorne mit dabei wenn es um den ersten Schritt in ein neues Kriegsgebiet geht. Doch zum Glück seid ihr nicht auf euch alleine gestellt, so habt ihr Kameraden wie Private Zussmann, der euch immer wieder zur Seite steht. Von den Stränden der Normandie kämpft ihr euch in den folgenden Monaten durch französische Dörfer, Paris oder Aachen und setzt alles daran, das Schreckensregime der Nazis zu beenden.

 

 

Bekannte Thematik, neue Mechanik

 

So sehr man mit „Call of Duty WWII“ zurück zu den Serienwurzeln geht, desto mehr Neuerungen hat man in das Gameplay gesteckt. Denn neben den üblichen Aktionen wie Waffenwechsel, Schießen oder Granaten werfen, liegt ein Fokus nun auf der Interaktion mit euren Kameraden. So könnt ihr angeschossene Soldaten aus dem feindlichen Schussfeld ziehen und somit vor dem sicheren Tod retten, größeren Einfluss auf die Spielweise hat allerdings das „Anfordern“-Feature. Denn einige eurer Kameraden versorgen euch mit Nachschub in Form von Munition oder Medipacks, andere spähen die feindlichen Linien aus und markieren somit die Gegner. Auch einen Mörserangriff könnt ihr mit dem Schmeißen einer Markierungsgranate anfordern.

Vor allem das Medipack-Feature unterscheidet das Spiel von anderen, so gibt es zwar nach wie vor eine Autoheilfunktion, wenn ihr in Deckung geht, diese füllt eure Energie aber nur sehr gering auf. Für die volle Heilung benötigt ihr ein Medipack und müsst dies auch aktiv einsetzen mit Druck den rechten Richtungspfeil eures Controllers. Das nimmt etwas das Tempo aus dem Spiel und muss auch geplant eingesetzt werden.

 

Heldentaten und Zerstörungswut

 

Früher wurde „Call of Duty“ immer für seine Schlauchlevels kritisiert. Mittlerweile kann die Serie auch größere Areale gut einsetzen und verliert trotzdem nichts von seinem Action-haltigen Gameplay. Auch „CoD WWII“ beweist wieder ein gutes Händchen für liebevoll gestaltete Umgebungen mit vielen Details, abseits des Kriegstreibens könnt ihr allerdings nicht viel in den zehn Levels anstellen. So sind viele Dinge – teils auch Häuser - je nach Waffeneinsatz zerstörbar, ansonsten gibt es pro Abschnitt noch eine bestimmte Anzahl Heldentaten(rette einen Kameraden vor einem Angriff) und Erinnerungen zu entdecken. Letztere kann man sich dann im Levelmenü anschauen, haben aber keinen spielerischen Mehrwert.

In den unterschiedlichen Szenarien selbst geht es dabei oft nicht nur um das reine Ballern, auch ein paar Schleichabschnitte sind dabei. Außerdem dürft ihr euch auch einmal auf eine Flak setzen und gegnerische Flugzeuge vom Himmel holen. Wie von der Serie gewohnt, ist dies kinoreif inszeniert. Etwas unnötig sind die hier und da eingestreuten Quick Time Events, die nicht so recht zum Spiel passen wollen.

 

 

Entscheidung im Netz

 

Serientypisch ist der Onlinepart des Spiels fast schon wichtiger als die Singleplayer-Kampagne. Neben einem normalen Multiplayer-Modus gibt es auch den Nazi Zombies-Modus, auf den wir später noch einmal eingehen.

Der klassische Onlinemodus stellt euch zunächst vor die Wahl, welche Soldatenklasse ihr spielen wollt. Neben der klassischen Infanterie könnt ihr so zum Beispiel auch der Panzerdivision, den Gebirgsjägern oder der Luftlandedivision beitreten. Je nachdem wie fordernd ihr es im Onlinemodus mögt, solltet ihr euch dabei für eine der Klassen entscheiden. Das Spiel wirft euch anschließend in einen Social Hub, das sogenannte Hauptquartier, in dem ihr eure Figur aus der Thirdperson-Ansicht bewegt. Dort könnt ihr nicht nur bestimmte Herausforderungen oder Aufträge wie „Erledige 15 Gegner mit der Pistole“ annehmen, die ihr dann in einer vorgegebenen Zeit erfüllen müsst, sondern euch auch mit neuer Ausrüstung versorgen. Dank erspielter XP verbessert ihr nämlich nicht nur eure Figur oder deren Perks, sondern schaltet auch Lootboxen, hier Versorgungskisten genannt, frei. Auch andere Spieler könnt ihr im Hauptquartier treffen oder im Kino andere Matches  verfolgen.

In insgesamt acht Modis zieht ihr in den Kampf, hervorstechen kann hier auf alle Fälle der Krieg-Modus, in dem ihr Stellungen angreifen oder halten musst und dabei auch auf allerlei Hilfsmittel zurückgreifen könnt. Auch an einen lokalen Multiplayer-Modus dachte Sledgehammer übrigens.

 

Hitler verwest schon

 

Auch die Verwandlung der Nazis in Zombies gehört zur Tradition der Serie dazu. In „Call of Duty WWII“ könnt ihr den Nazi Zombies-Modus von Beginn an auswählen und nach einem Prolog auch mit anderen Spielern genießen.

Dabei handelt es sich um einen klassischen Hordemodus, der euch eine Zombiewelle nach der anderen schickt. Zwischendurch müsst dann bestimmte Wege frischalten oder Aufgaben erledigen. Als Charaktere stehen euch hier verschiedene Charaktere zur Verfügung, die zum Beispiel von Schauspieler Ving Rhames verkörpert werden. Ähnlich wie im regulären Onlinemodus verbessert ihr eure Figur samt Perks nach und nach.

In den Levels selbst bekommt ihr für das Killen der Zombies oder das Erledigen von Aufgaben die sogenannten Schockpunkte, die ihr während des Spielens für verschiedene Dinge wie bessere Waffen, verbesserte Rüstung oder schnellere Wiederbelebung ausgeben könnt. Ihr seid nämlich immer zu viert als Team unterwegs und könnt eure gefallenen Mitspieler auch noch heilen, wenn sie bereits verwundet am Boden liegen.

 

 

Technik wie im Zweiten Weltkrieg?

 

Bleibt man einmal im Genre der Egoshooter hat erst kürzlich „Wolfenstein II“ bewiesen, dass auch dieses Genre eine Augenweide sein kann. Doch jetzt kommt mit „Call of Duty WWII“ ein Spiel ums Eck, was damit locker den Boden aufwischt. Zwischensequenzen sind so kaum von Spielegrafik unterscheidbar, die liebevoll ausgestalteten Levels passen zum großartigen Gesamtlook. Die Beleuchtung des Spiels wirkt recht natürlich und auch die Figuren selbst können in Sachen Gestik und Mimik voll überzeugen.

In der regulären deutschen Version fehlen natürlich wieder die Hakenkreuze, im Gegensatz zu Bethesdas Shooter spricht man allerdings immer von den Nazis oder nennt Namen wie die der SS. 

Das Spiel läuft trotz seiner Grafikpracht immer stabil mit 60 Bildern in der Sekunde, hat so also perfekte Voraussetzungen für einen Egoshooter. Auch online war das Spielerlebnis immer recht flüssig, genervt haben hier aber die langen Ladezeiten bevor man in die Lobby kam.

Auch in Sachen Sound kann das Spiel komplett überzeugen und stellt nicht nur die Waffen mit ihren verschiedenen Geräuschen gut dar, sondern hat generell einen wuchtigen Ton, der das Wohnzimmern zum Wackeln bringen kann.

 

FAZIT: Der Punkt geht an Activision

 

Nachdem die letzten „Call of Duty“-Teile ihren Reiz etwas verloren haben und sich vor allem der Titel aus 2016, „Infinite Warfare“, viel Kritik stellen musste, macht Entwickler Sledgehammer und Publisher Activision mit dem neuen Teil vieles wieder besser.

So überzeugt das schnörkellose, nicht überladene Gameplay mit seiner guten Spielbarkeit, auch die Präsentation kann einen immer wieder mitreißen. Auch wenn man hier den Punkt Kameradschaft etwas in den Fokus rücken will, verliert sich das Spiel häufig in einigen Momenten, in denen es vor Pathos und Patriotismus nur so trieft. Zwar gab es auch schon schlimmere Vertreter in den Medien Spiel oder Film, allerdings wäre ein gänzlicher Verzicht auf solche Momente auch einmal etwas Erfrischendes.

Neben der recht ordentlichen Kampagne überzeugt aber natürlich wieder einmal der Onlinemodus, egal ob auf der Jagd nach Nazi-Zombies oder im Spiel gegen andere Userinnen und User. Hier werden wieder unzählige Stunden an Spielzeit versenkt werden können.