Assassin's Creed Origins [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 05.11.2017 um 17:24

 

Nach der Pause wieder zurück!

 

Im Jahr 2007 erschien mit „Assassin’s Creed“ ein recht ambitioniertes Projekt von Ubisoft, das euch in die Rolle eines Meuchelmörders schlüpfen und allerlei Attentate ausführen ließ. Auch wenn das Spiel recht gut ankam, erst der zweite Teil führte die Serie zu dem Ruhm, den sie heute besitzt.

Doch leider übertrieb Ubisoft es etwas mit der Reihe und so verloren sich die Spiele nach und nach im immer gleichen Missionsdesign mit wenig Abwechslung. Erst die Seeschlachten in „Assassin’s Creed III“ oder das Gang-System in „Assassin’s Creed Syndicate“ sorgten für neue Impulse, dennoch entschied man sich bei der französischen Software-Schmiede für eine Pause von zwei Jahren. Nun kehrt „Assassin’s Creed“ also zurück und will in „Origins“ vor allem auf die Ursprünge des Assassinen-Verbandes eingehen, aber auch mit allerlei frischen Spielideen Käufer gewinnen. Ob dies gelingt, verraten wir euch in unserem Test.

 

Pyramiden, Pharaonen und Sand

 

Bayek ist als Medjai, quasi ein Beschützer des Pharaos und des Ortes,  in der Stadt Siwa ein angesehener Bürger. Zusammen mit seiner Familie lebt er dort ein beschauliches Leben bis eines Tages durch einen tragischen Zwischenfall sein Sohn ums Leben kommt. Daraufhin schwört er Rache an allen Beteiligten zu nehmen, die für den Tod seines Filius’ verantwortlich sind und macht sich so auf eine Reise durch ganz Ägypten.

Dabei findet er heraus, dass er sich mit einer mächtigen Organisation angelegt hat, die nicht nur seine beschauliche Stadt terrorisiert und sein Leben zerstört hat.

 

 

Klettern & Schleichen, alles beim Alten!

 

Im Grunde haben sich die Kernelemente von „Assassin’s Creed Origins“ nicht all zu sehr verändert, der Teufel steckt hier im Detail. Aber dazu später mehr. Wer noch nie Kontakt mit einem Spiel der Reihe hat, sollte sich darauf gefasst machen, dass er neben offenen Kämpfen auch verdeckt vorgehen muss und sich viele Orte im Spiel per Klettern erschließen kann.

Die Mechanik des Klettern beschränkt sich dabei auf die zwei Knöpfe X und O, mit dem einen klettert man nach oben, der andere ist für den Abstieg gedacht. Wie für die Serie üblich geht dies gut von der Hand, nur selten bleibt Bayek an einem Vorsprung hängen oder macht nicht das, was ihr von ihm wollt. Wie seine Vorgänger ist auch er ein wahrer Klettermeister und kann jede noch so hohe Wand erklimmen.  Besonders hoch gelegene Orte dienen euch als Aussichtspunkt, an dem ihr die Umgebung synchronisiert und die Weltkarte so nach und nach freischaltet.

Das Schleichsystem hat man im Gegensatz zu früheren Teilen gleichgelassen. Noch immer sucht ihr Schutz in Büschen oder Schränken, Gegner könnt ihr ab einer gewissen Distanz mit Pfeifen anlocken und dann mit einer Nahkampfattacke überlisten.

 

Be a warrior!

 

Eine absolute Neuerung ist aber das Kampfsystem. Konnte man es zum Beispiel in „Assassin’s Creed Syndicate“ noch mit vielen Gegnern gleichzeitig aufnehmen, ist dies bei „Origins“ nicht ratsam. Denn hier könnt ihr nicht auf Knopfdruck einen gegnerischen Angriff kontern, während ihr euch gerade im Duell mit einem anderen Feind befindet, hier müsst ihr die Feinde ordentlich voneinander trennen und einen nach dem anderen angehen. Dank eines leichten und eines schweren Angriffs kombiniert ihr diese zu wirksamen Attacken, wollt ihr lieber aus der Ferne angreifen empfiehlt sich der Einsatz des Bogens.

Zum Schutz vor gegnerischen Angriffen könnt ihr auf euer Schild oder einen Ausweichmove vertrauen, habt ihr genug Schaden ausgeteilt, könnt ihr durch Druck auf R1 und R2 in eine Art Berserkermodus wechseln und seid für kurze Zeit stärker und schneller. Durch diese Neuerungen werden vor allem Kämpfe gegen stärkere Gegner sehr viel taktischer und verlangen doch ein behutsames Vorgehen statt bloßes Draufhauen.

Wie es in vielen Triple A-Spielen der letzten Monate üblich ist, unterteilen sich eure Waffen und Items nicht nur in verschiedene Stärken mit Wirkungen wie Vergiftung oder Verbluten, auch die Seltenheit eures Objekts wird nun angezeigt. Diese erhaltet ihr zum Beispiel nach besonderen Missionen oder findet sie an versteckt gelegenen Plätzen.

Eure Werte im Angriff könnt ihr aber nicht nur durch das Ausrüsten besserer Waffen verstärken, es hilft außerdem, wenn ihr Dinge wie Armschienen und Brustpanzer verbessert. Die geschieht durch das Aufsammeln von Rohstoffen und Materialien.

 

 

Sei wie ein Falke!

 

In zahlreichen Missionen könnt ihr aber auch auf tierische Hilfe setzen. So reitet ihr nicht nur dank eines Pferdes oder Kamels schneller von A nach B, die größte Unterstützung bekommt ihr durch euren Falken Senu. Dieser schickt ihr durch einen Druck auf die obere Richtungstaste los und könnt so anschließend die Gegend erkunden. Mit Hilfe des Falkens markiert ihr so nicht nur Feinde, sondern auch interessante Orte oder findet sogar die Lageorte von Schätzen, Rohstoffen oder Rätseln. Weiterhin habt ihr mit dem Animus-Impuls die Möglichkeit, interessante Objekte in eurer näheren Umgebung zu finden.

Habt ihr ein Ziel festgelegt, könnt ihr euer Reittier auf Knopfdruck einfach der Straße folgen lassen und euch so entspannt zurücklehnen. Solltet ihr auf dem Rücken eures Pferdes einmal angegriffen werden, könnt ihr euch natürlich auch zur Wehr setzen.

Wo wir gerade von Tieren sprechen: die Flora und Fauna in „Assassin’s Creed Origins“ ist unglaublich lebendig. Neben vielen unterschiedlichen Gewächsen, trefft ihr auch auf allerlei Tiere, die euch durchaus gefährlich werden können. So sehen Nilpferde zwar nett aus, sind aber recht angsteinflößende Zeitgenossen, wenn sie in eure Richtung rennen. Auch vor den Krokodilen, Schlangen oder Kojoten solltet ihr gewarnt sein. Natürlich könnt ihr diese aber auch jagen und quasi aus Rache ein schönes Kleidungsstück aus ihrem Pelz machen.

 

Zahllose Fragezeichen und keine Minimap

 

Die „Assassin’s Creed“-Reihe ist dafür bekannt, dass sie euch mit zahlreichen Nebenaufgaben meist mindestens genau so lange beschäftigen kann wie die Hauptkampagne. Und auch der neueste Teil ist da keine Ausnahme. Neu ist jedoch, dass ihr keine Minimap mehr habt, sondern nur noch eine Kompassleiste am oberen Bildschirmrand. Natürlich könnt ihr jederzeit per Druck auf das Touchpad auf eine große Übersichtskarte umschalten, die euch das ganze Ausmaß des Spiels präsentiert. Seid ihr bereits im Startgebiet gute drei bis vier Stunden beschäftigt, erwarten euch noch zahlreiche andere Gebiete zum Erkunden und Erforschen.

Am häufigsten werdet ihr jedoch den Fragezeichen auf der Karte oder dem Kompass hinterherlaufen, da dies Orte sind, an denen es etwas zu entdecken gibt. Das können Lager von Feinden sein oder auch einfach Städtchen. Oft gibt es aber auch Geheimnisse wie Schätze oder neue Nebenmissionen zu entdecken.

Letzt genannte gewinnen vermutlich keinen Innovationspreis, sind hin und wieder aber recht spannend oder lustig und einige davon ziehen sich sogar über mehrere Abschnitte oder das ganze Spiel – Stichwort Steinkreise - hinweg.

Ansonsten könnt ihr eure Zeit aber auch mit dem Lösen von Papyrusrätseln oder Pferderennen vertreiben. Ganz im Stil von Ben Hur fahrt ihr so mit eurem Streitwagen im Hippodrom gegen Konkurrenten und macht dabei auch mal Gebrauch von unfairen Mitteln. Das ist spaßig, aber sicherlich kein Zeitvertreib für Stunden.

Das Missionsdesign der Hauptmissionen ist sicherlich auch nicht meisterlich, jedoch sind diese in Verbindung mit der spannenden Geschichte dann doch recht gelungen. Meist habt ihr die Wahl zwischen offensivem und defensivem Verhalten, während der Nacht zum Beispiel schlafen die Wachen häufig und sind so leichter zu überlisten. Spannend sind auch die Dialoge nachdem ihr Schlüsselfiguren getötet habt, die in einer Art Zwischenwelt spielen.

 

Abstergo darf auch nicht fehlen!

 

Dass die Geschichten in „Assassin’s Creed“ im Animus spielen und dieser von der Firma Abstergo erschaffen wurde, dürfte auch kein Geheimnis mehr sein. Und auch im neuesten Teil darf dies natürlich nicht fehlen. In „Origins“ schlüpft ihr in der Realität in die Rolle der Forscherin Layla, die die Geschichte Bayeks nachverfolgen will. Auch diese Szenen sind spielbar, außer ein paar Schleich- und Suchaufgaben bietet dies allerdings nicht viel.

Jedoch bekommt ihr über ihren Laptop einen interessanten Einblick in die Hintergrundgeschichte und könnt euch ein paar spannende Dokumente ansehen. Ob es diesen spielerischen Teil allerdings unbedingt bräuchte, ist zu bezweifeln. Man hätte es auch einfach in Form von Zwischensequenzen einbauen können.

Auch ein kleiner Onlineaspekt darf „Assassin’s Creed Origins“ natürlich nicht fehlen. So könnt ihr gemachte Screenshots(dank Fotomodus) hochladen, außerdem könnt ihr gefallene Assassinen rächen, indem ihr ihre Mörder umbringt. Dafür gibt es XP. Ach ja...XP!

 

Erfahrungspunkte wohin das Auge reicht!

 

Natürlich darf in einem modernen Spiel auch ein Levelsystem eures Charakters nicht fehlen. Doch in einigen Teilen übertreibt es „Assassin’s Creed Origins“ irgendwie ein bisschen. Denn im Spiel bekommt ihr eigentlich für fast alles Erfahrungspunkte, angefangen beim Entdecken neuer Orte, dem Erledigen von Aufgaben und natürlich dem Töten von Feinden. Habt ihr eine bestimmte Anzahl XP gesammelt, steigt ihr in der Stufe auf und erhaltet einen Fähigkeitenpunkt. Diesen investiert ihr dann in eine neue Fertigkeit in einer der drei Kategorien Jäger, Krieger oder Seher. Soweit, so bekannt.

Eventuell würde dies nicht so sehr ins Auge fallen, wenn nicht unzählige Anzeigen auf dem Bildschirm euch auf das Bekommen der XP oder den Stufenanstieg aufmerksam machen würden. Das stört manchmal etwas und reißt euch aus dem Spiel. Hier hätten es dezentere Hinweise auch getan.

 

 

Ägypten ist schön!

 

Der neuste Teil der „Assassin’s Creed“-Serie ist ein wahrer Augenschmaus. Neben unzähligen liebevollen Details auf den Märkten der Städte oder in Tempelanlagen, wirkt das Gesamtbild so stimmig wie schon lange nicht mehr. Neben der schon angesprochenen, lebendigen Flora und Fauna und den belebten Straßen, gefällt vor allem die Lichtstimmung im alten Ägypten, außerdem ist die Weitsicht wirklich großartig. Wenn man in Alexandria auf einem hohen Punkt steht und dabei die Pyramiden in der Ferne sieht, ist das großes Kino.

Die Animationen der Figuren sind butterweich, auch Bugs waren sehr selten anzutreffen. Die Details an den Charakteren sind sehr hoch, die Ausrüstung und die Kleidung sind toll abgebildet.

Was man technisch bemängeln muss, ist die Menüführung mit einem Cursor, die vielleicht auf einem PC mit Maus Sinn macht, auf Konsole aber Blödsinn ist. Außerdem ärgerlich ist, dass man die deutsche Synchronisation(deutsche Texte sind standardmäßig enthalten) separat herunterladen muss. Die englischen Sprecher machen jedoch einen guten Job, auch wenn die Abmischung auf einer Surround-Anlage etwas blechern klingt auf den hinteren Lautsprechern.

 

FAZIT: Die Pause war eine gute Entscheidung!

 

Auch wenn „Assassin’s Creed Syndicate“ ein gutes Spiel war, hatte man doch irgendwie keine rechte Lust mehr auf das ständig Gleiche und so war die Pause, die Ubisoft für „Origins“ einlegte, eine sehr sinnvolle.

Denn „Assassin’s Creed Origins“ ist ein bärenstarker Titel der Reihe, vielleicht sogar der Beste, den sie je gemacht haben. Dafür sorgen nicht nur die neuen Gameplay-Elemente wie das frische Kampfsystem, sondern natürlich auch das unverbrauchte Setting im Alten Ägypten. Es macht einfach unglaublichen Spaß, die Tempelanlagen oder sogar die Pyramiden zu erforschen. Dazu die vielen Missionen, die einem die damalige Kultur näherbringen und perfekt ist die gelungene Rückkehr!

Ein dickes Ärgernis gibt es jedoch im Ingame-Shop zu entdecken. So muss man zwar zu keinem Zeitpunkt Echtgeld in die Hand nehmen, um das Spiel abschließen zu können, aber mit der Integrierung von „Zeitersparnis“-Boni geht man einen gehörigen Schritt in die falsche Richtung. Unter dieser Rubrik kann man sich gegen Geld nämlich Dinge wie Rohstoffe kaufen, die die Figur wesentlich schneller stärker machen. Wie gesagt, man muss davon keinen Gebrauch machen. Allerdings ist solch ein Feature in einer Zeit, in der jede Woche mindestens drei Blockbuster erscheinen, für den ein oder anderen User vielleicht zu verführerisch. Und schon bekommt Ubisoft mit dieser Entscheidung recht! Nicht gut.

Dennoch ist „Assassin’s Creed Origins“ ein ganz heißer Titel des Herbstes und kann für unzählige Stunden Spielspaß sorgen. Klare Kaufentscheidung!